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Er ist zurück - darf aber nicht zu Olympia

Comeback mit bitterem Beigeschmack

Karl Geiger beendet die Skiflug-WM in Oberstdorf als zweitbester Deutscher - und darf trotzdem nicht zu den Olympischen Winterspielen.
Beim Skispringen leben die Athleten den Traum vom Fliegen - insbesondere auf den ganz großen Schanzen. Inzwischen sind Sprünge auf weit über 200 Meter möglich. SPORT1 zeigt die Entwicklung des Weltrekords.
Karl Geiger beendet die Skiflug-WM in Oberstdorf als zweitbester Deutscher - und darf trotzdem nicht zu den Olympischen Winterspielen.

Karl Geiger ist zurück. Nach einer komplett verkorksten ersten Saisonhälfte hat der 32-Jährige bei der Skiflug-WM in Oberstdorf als zweitbester Deutscher in die Erfolgsspur zurückgefunden.

Mit lautem Jubel feierten die 18.000 Zuschauer den Lokalmatador an der Heini-Klopfer-Skiflugschanze und honorierten den deutlichen Formsprung des gebürtigen Oberstdorfers.

Auch wenn es am Ende nur zum 17. Platz gereicht hat, gab sich Geiger nach seinen vier Wertungsflügen überglücklich. „Ich bin zufrieden. Ich habe mal wieder ein Zeichen gesetzt, dass ich auf dem richtigen Weg bin und das kann ich mitnehmen“, sagte Geiger auf Nachfrage von SPORT1.

Geiger: „Hab das Ding komplett auf links gedreht“

Die Grundlage für die überraschende Trendwende setzte der Deutsche in den vergangenen Wochen im Training.

„Ich hab vor vier Wochen angefangen, das Ding komplett auf links zu krempeln und umzustellen, hab eigentlich nur Haue gekriegt, weil ich es noch nicht in den Wettkampf transferieren konnte. Das Selbstvertrauen war nicht da. Jetzt kommt langsam etwas mehr Klarheit rein“, erklärte Geiger bereits am Freitag, als er nach den ersten beiden Flügen sogar noch auf Platz elf gelegen hatte.

Der deutsche Skisprung-Cheftrainer Stefan Horngacher betonte in Oberstdorf, dass er den positiven Trend bei Geiger bereits erwartet hatte: „Das ist ein längerer Prozess bei ihm. Er hat immer wieder bessere Sprünge gezeigt.“

Im WM-Teamwettbewerb am Sonntag (ab 16.15 Uhr im SPORT1-Liveticker) setzt Horngacher seine Hoffnungen deshalb auch auf Geiger. „Karl ist ein Teamspringer. Er weiß, wie man Skifliegt, und er wird morgen die Mannschaft mitreißen“, erwartet der 56-Jährige.

Geiger fährt nicht zu Olympia

Geigers Formsprung, der sich bereits durch seinen 14. Platz in Sapporo angekündigt hatte, hat allerdings einen bitteren Beigeschmack: Der DSV-Adler wird die Olympischen Winterspiele in Mailand/Cortina verpassen.

Im am vergangenen Dienstag vom DOSB bekannt gegebenen deutschen Aufgebot fehlt Geiger. Vor dem WM-Wochenende in Oberstdorf sprang der DSV-Athlet nur ein Mal in die Top 15. Zu wenig für die Erfüllung der Olympia-Norm.

Horngacher: „Schon etwas ärgerlich“

DSV-Cheftrainer Horngacher muss dementsprechend bei den Skisprung-Wettbewerben in Predazzo auf Geiger verzichten.

„Das ist schon ein bisschen ärgerlich. Aber in letzter Konsequenz hat er zu spät die Qualifikationsrichtlinien ein Mal erfüllt. Mit dem muss man im Spitzensport leben“, sagte Horngacher auf SPORT1-Nachfrage nach dem Einzelfliegen in Oberstdorf.

Auch Geiger konnte seine Enttäuschung nach seinen vier soliden Flügen in Oberstdorf nicht zurückhalten. „Ja klar ärgert mich das“, betonte der Deutsche.

Trotz Olympia-Aus: Geiger hofft auf restliche Saison

Denn der Goldmedaillengewinner der Skiflug-WM 2020 ist überzeugt, auch auf normalen Skisprungschanzen wieder ganz vorne dabei sein zu können.

„Jetzt langsam krieg‘ ich meine Stärke wieder rein. Von dem her wird es auf einer kleineren Schanze sicherlich nicht schlechter sein“, bekräftigte Geiger in Oberstdorf.

Dennoch möchte Geiger mit den Olympischen Winterspielen so schnell es geht abschließen und die restliche Saison mit guten Ergebnissen beenden.

„Ich brauche mich hier nicht schwarzärgern. Ich bin froh, dass ich so ein bisschen die Kurve wieder zu kriegen scheine. In Stein gemeißelt ist das alles nicht. Ich muss mich jeden Tag anstrengen und das werde ich tun“, resümierte Geiger am Samstagabend.