Es ist der große Aufreger der diesjährigen Vierschanzentournee – aus Sicht der dafür Verantwortlichen handelt es sich allerdings um Künstlerpech statt dreisten Betrug.
Vierschanzentournee-Ausschluss: Wetter schuld an Disqualifikation?
Wetter schuld an Disqualifikation?
Nachdem der slowenische Skispringer Timi Zajc sowohl in Oberstdorf als auch in Garmisch-Partenkirchen wegen Unregelmäßigkeiten bei seinem Anzug disqualifiziert und von der Tournee ausgeschlossen worden ist, hat sich nun sein Verband mit einer ausführlichen Erklärung zu Wort gemeldet.
Vierschanzentournee: Zajcs Chef sucht nach Erklärungen
In einem Gespräch mit der slowenischen Nachrichtenagentur STA beteuert Gorazd Pogorelcnik, der Skisprung-Chef des Landes, dass Zajcs Anzug bei den eigenen Messungen des Teams den Normen entsprochen hätte. „Zajc hat diesen Anzug genutzt, weil er die Vorgaben bei der Messung vor dem Springen erfüllt hat“, wird der Funktionär zitiert.
Die Messdaten des Weltverbands FIS hätten dann andere Ergebnisse zu Tage gefördert – in Oberstdorf war der Anzug drei Millimeter zu groß, in Garmisch vier. Warum? Das sei „schwer zu sagen“. Pogorelcnik spekuliert, dass „höchstwahrscheinlich Wetterbedingungen oder natürliche Einflüsse wie Feuchtigkeit oder Temperatur verantwortlich für die Veränderung waren.“ In Zukunft werde man darauf mehr achten müssen.
Auf die Frage hin, warum andere Springer das Problem nicht gehabt hätten, verwies Pogorelcnik darauf, dass die Materie komplex sei und jeder Anzug andere Eigenschaften hätte: „Manche sind weicher, andere etwas härter. Die Struktur und die Farbe des Stoffes können sich auch unterscheiden und Einfluss haben. Es gibt viele dieser Faktoren.“
Protest gegen das Prozedere
Nach Angaben des slowenischen Offiziellen hat der Verband wegen Zajcs Disqualifikation in Garmisch-Partenkirchen Einspruch eingelegt – weil der Anzug dort nicht wie üblich nach dem Sprung, sondern davor gemessen wurde.
Pogorelcniks Begründung: „Wenn die FIS sehr streng ist, wenn es um Millimeter geht, muss das Gleiche gelten, wenn es um die Kontrollen geht. Wir haben keinen Protest eingelegt, weil der Anzug von Zajc zu groß war, sondern wegen des Prozederes.“
Das Durchgreifen der FIS um den österreichischen Chefkontrolleur und Ex-Springer Mathias Hafele hat in der Szene für viel Gesprächsstoff gesorgt. Es erscheint Experten wie Sven Hannawald strenger als bei der Tournee gewohnt – wohl befeuert durch den großen norwegischen Manipulationsskandal im vergangenen Winter.
Zajc, der in Oberstdorf vor seiner Disqualifikation Zweiter hinter dem Gesamtführenden Domen Prevc war, ist das prominenteste Opfer der neuen Härte.