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WWE bricht Tabu: Die Hintergründe

WWE bricht Tabu: Die Hintergründe

WWE lässt Mickie James, amtierenden Frauenchampion des ehemals größten Konkurrenten Impact Wrestling, beim Royal Rumble antreten. Was steckt dahinter?
Mickie James wird beim Royal Rumble 2022 wieder für WWE zu sehen sein
Mickie James wird beim Royal Rumble 2022 wieder für WWE zu sehen sein
© Imago
Martin Hoffmann
Martin Hoffmann
von Martin Hoffmann

Die Szene war nur einige Sekunden lang - doch sie war der größte Paukenschlag des Wrestling-Wochenendes.

Mickie James, sechsmaliger Damen- und Divas Champion bei WWE, kehrt beim Royal Rumble 2022 für ihren früheren Arbeitgeber in den Ring zurück.

An sich ist das keine Sensationsnachricht, denn Comebacks mit Nostalgie-Faktor sind bei der Traditionsshow üblich - auch Brie und Nikki Bella, Lita, Undertaker-Ehefrau Michelle McCool, Kelly Kelly und Summer Rae werden bei dem 30-Frauen-Match um einen Titelkampf bei WrestleMania 38 wieder mitmischen.

Das Besondere sind die Umstände: James ist amtierender „Knockouts Champion“ des ehemals größten WWE-Rivalen Impact Wrestling (früher: TNA), was in der WWE-Show SmackDown auch erwähnt wurde. Ein unüblicher Schritt für WWE, eigentlich nicht bekannt dafür, ihren Fans einen Ausblick über den Tellerrand zu geben und in dieser Form mit anderen Ligen zusammenzuarbeiten - während aus Sicht von Impact erwähnenswert ist, dass die Promotion noch vor kurzem eine größere Kooperation mit Konkurrent AEW hatte.

Was steckt hinter dem überraschenden Schwenk und welche Folgen hat er für die Showkampf-Landschaft?

WWE öffnet vermeintliches „Forbidden Door“ zu Impact Wrestling

„WWE wollte es, Mickie wollte es und die Philosophie von Impact Wrestling lautet, immer mit anderen großen Ligen zusammenarbeiten, um Buzz für die Fans zu kreieren“, kommentierte Impact-Geschäftsführer Scott D‘Amore auf der Homepage seiner Promotion - und gratulierte WWE via Twitter auch, „endlich“ den Schritt durch die „verbotene Tür“ vollzogen zu haben.

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Das „Forbidden Door“ ist in den vergangenen Jahren zum Trendwort zur Umschreibung von Wrestling-Partnerschaften, die zuvor wie ein Tabu erschienen waren. Es wurde populär bei der Anbahnung der Beziehung zwischen AEW und der japanischen Traditionsliga NJPW, die dem Anfang 2019 gegründeten WWE-Konkurrent anfangs ablehnend gegenübergestanden war.

AEW-Boss Tony Khan hatte sich dagegen immer als offen für andere Ligen präsentiert, war in den vergangenen Jahren auch Kooperationen mit der Mexiko-Liga AAA und eben auch Impact eingegangen. Im Zuge der kürzlich ausgelaufenen Zusammenarbeit gab es einen größeren Talent-Austausch, die AEW-Stars Kenny Omega und Christian Cage regierten zwischenzeitlich bei Impact als World Champions.

WWE kooperierte auch früher mit anderen Ligen

WWE ist für solche Art von Kooperationen weniger bekannt, Ligaboss Vince McMahon steht im Ruf, die Fans nur ungern mit der Nase darauf zu stoßen, dass es eine Wrestling-Welt außerhalb seiner eigenen gibt. Wobei das auch keineswegs immer so war.

Auch WWE hatte in den Neunzigern eine Zusammenarbeit mit AAA, in deren Zuge diverse Stars der Mexiko-Liga unter anderem am Royal Rumble 1997 teilnahmen. Auch mit diversen Japan-Promotions hatte McMahon in den Achtzigern und Neunzigern kooperiert.

Alle Zusammenarbeiten hatten jedoch eins gemeinsam: Die Ligen, für die WWE offen war, waren keine direkten Konkurrenten: Sie operierten in einem anderen Kernmarkt - oder in einer klar definierten Nische.

In den Neunzigern kooperierte die damalige WWF etwa mit den regionalen Südstaaten-Ligen SMW und USWA, der frühen ECW von Paul Heyman oder auch dem früher mächtigen Ligenverbund NWA - der damals seine goldene Zeit allerdings weit hinter sich hatte.

Früheres TNA inzwischen weit hinter WWE und AEW

Im damaligen Kontext erachtete McMahon die Zusammenarbeiten als nutzbringend, der eigentliche Rivale war das von Multi-Milliardär Ted Turner geförderte World Championship Wrestling (WCW), das sich WWE im Jahr 2001 schließlich einverleibte.

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Letztlich ist der Kontext heute ähnlich: Impact ist, das zu seinen besten ein Millionen-Publikum im US-TV hatte, hatte dort zuletzt eine Einschaltquote von knapp über 100.000, in der Kernzielgruppe der 18- bis 49-Jährigen ein Rating von 0,01 - das von WWE für RAW und AEW für Dynamite war in derselben Woche jeweils 40 mal so hoch. (So vollzog sich der Niedergang des früheren TNA)

Von einer echten Konkurrenz kann keine Rede sein, weshalb es WWE nicht wehtut, Werbung für Impact zu machen - während James‘ WWE-Auftritt für Impact einen großen Aufmerksamkeitsschub bedeutet. Es könnte auch der Grund sein, warum Impact James am Wochenende bei der Show Hard to Kill ihr Titelmatch gegen die vorher als favorisiert geltende Deonna Purrazzo gewinnen ließ.

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Mickie James‘ Comeback bereinigt Image-Debakel

Für WWE ist die Zusammenarbeit derweil ein günstiger Imagegewinn auf mehreren Ebenen: WWE sendet ein Signal der Offenheit und vor allem auch die Botschaft „Was AEW kann, können wir auch“ - gerade auch vor dem Hintergrund der vergeblichen (und von AEW genüsslich ausgekosteten) Bemühungen, ihnen den wichtigeren Partner NJPW wegzuschnappen.

Wichtig zu wissen ist aber auch: Der Auftritt von James - die in den USA auch eine recht erfolgreiche Zweitkarriere als Countrysängerin gestartet hat - hat für WWE noch einen anderen Vorteil. Er bereinigt die peinlichen Irritationen um ihre Entlassung im vergangenen Jahr.

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James hatte danach öffentlich gemacht, dass ihr ihre Sachen in einer Mülltüte hinterhergeschickt worden waren. WWE nahm wahr, dass das ein verheerendes Bild abgab, bat um Verzeihung und entließ mehrere Verantwortliche für den Eklat. Dass James nun wieder mit WWE zusammenarbeitet, ist für die Promotion eine wertvolle Schadensbereinigung.

WWE und Impact: Stand jetzt keine echte Revolution

All diese Faktoren sind zu bedenken, ehe man James‘ Rumble-Auftritt revolutionären Charakter zuschreibt oder ihn als Vorbote einer größeren Kooperation deutet.

Letztlich ist auch in Bezug auf Impact keine Neuigkeit, dass WWE eine punktuelle Zusammenarbeit eingeht, wenn Eigeninteresse besteht: Schon seit Jahren hat WWE einen Deal mit dem früheren TNA, der ihm erlaubt, Videomaterial der Liga für Dokus und Highlight-Videos eigener Stars zu verwenden, die dort früher aktiv waren.

Im Jahr 2012 erlaubte WWE auch dem damals bei ihr angestellten Christian (Cage) TNA-Auftritte - um im Gegenzug die damals bei TNA unter Vertrag stehende Legende Ric Flair für ihre Hall-of-Fame-Zeremonie zu gewinnen.

Die vermeintlich „verbotene“ Tür ist nicht so undurchlässig, wie viele Fans denken - aber WWE achtet sehr genau darauf, wen und was sie durchlässt.

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