vergrößernverkleinern
Der Norweger Ole Einar Björndalen gewann achtmal Olympia-Gold
Der Norweger Ole Einar Björndalen gewann achtmal Olympia-Gold © Getty Images
Lesedauer: 4 Minuten
teilenE-MailKommentare

Der erfolgreichste Winter-Olympionike aller Zeiten wird vom norwegischen Verband nicht berücksichtigt und verpasst die Olympischen Spiele in Pyeongchang.

Der norwegische Biathlon-Superstar Ole Einar Björndalen verpasst seine siebten Olympischen Winterspiele. Wie Norwegens Olympisches Komitee (Norges idrettsforbund/NIF) am Montag bekannt gab, erhält der 43-Jährige kein Ticket für Pyeongchang (9. bis 25. Februar).

"Die Ergebnisse, die Ole Einar Björndalen während der laufenden Weltcup-Saison erzielt hat, sind nicht gut genug. Er hat leider nicht die Kriterien der Auswahl erfüllt", sagte NIF-Sportchef Tore Övrebö.

Björndalen machte keinen Hehl aus seiner Enttäuschung, dem Sender TV2 sagte er: "Ich bin der Meinung, dass ich die Form bis Olympia aufgebaut hätte. Es ist blöd, dass ich nicht dabei sein darf. Aber dieser Tag musste einmal kommen." Über einen Rücktritt sei "noch keine Entscheidung gefallen", beteuerte Björndalen, mit seiner Zukunft wolle er sich "nach der Saison" befassen.

Anzeige

Mit Platz 42 im Einzelrennen beim Weltcup in Ruhpolding hatte der achtmalige Olympiasieger auch im letzten Anlauf die sportlichen Kriterien für Pyeongchang nicht erfüllt. Nur ein Gnadenakt hätte dem erfolgreichsten Athleten in der Geschichte von Winterspielen noch das Ticket nach Südkorea einbringen können.

Bö-Brüder nominiert

Für Pyeongchang wurden die Brüder Johannes Thingnes und Tarjei Bö, Emil Hegle Svendsen, Lars Helge Birkeland, Henrik L'Abee-Lund und Erlend Bjoentegaard als Vertreter Norwegens ausgewählt.

Björndalen hatte bereits 1994 beim Heimspiel in Lillehammer sein Olympia-Debüt gefeiert. 94 Siege in 575 Weltcuprennen, 45 WM- und 13 Olympiamedaillen (8 Gold/4 Silber/1 Bronze) schmücken die beeindruckende Bilanz des "Kannibalen". Bei den Spielen von Salt Lake City 2002 gewann Björndalen bei allen vier Starts Gold.

Deutsche Trainer haben Verständnis

Deutschlands Nationaltrainer Gerald Hönig kann die Entscheidung des norwegischen Verbandes nachvollziehen.

"Norwegen ist so breit und mit leistungsstarken Athleten aufgestellt, dass es der Zahn der Zeit mal war, dass der Ole nicht dabei ist", sagte Hönig bei SPORT1: "Es ist sicherlich ein Verlust. Aber Ole hat so viele Erfolge gehabt und Spiele erlebt. Er war immer wieder erfolgreich. Aber irgendwann zieht dann mal die Jugend vorbei."

Auch Herren-Chefcoach Mark Kirchner wundert sich nicht. "Wenn man die Nummer sieben bei den Norwegern ist und die anderen vorne permanent Podestplatzierungen einfahren, dann zählt eben das Leistungsprinzip", meinte Kirchner.

Dahlmeier traurig 

Traurig zeigte sich Deutschlands Top-Biathletin Laura Dahlmeier. "Der Ole Einar war ein großes Vorbild von mir, gerade als ich noch jünger war und Biathlon im Fernsehen verfolgt habe", sagte die Fünffach-Weltmeisterin am Montag bei der Einkleidung der deutschen Olympiamannschaft: "Auf der anderen Seite gibt es auch in Norwegen ganz klare Qualifikationskriterien. Wenn man die nicht schafft, ist man eben nicht dabei. Wenn man mit Leistung nicht mehr nach vorne kommen kann, dann ist es vielleicht an der Zeit zurückzutreten.?"

Für die frühere Weltmeisterin Tora Berger ist Olympia ohne den erfolgreichsten Skijäger "eine seltsame Vorstellung. Er war ja so lange dabei und ein so außergewöhnlicher Athlet." Olympiasiegerin Liv Grete Skjelbreid erklärte bei Verdens Gang: "Da kommt Wehmut auf, ich finde das traurig. Es ist seltsam, wenn man daran denkt, dass er nicht dabei ist."

Rechtzeitiges Karriereende verpasst

Durch das Verpassen seiner siebten Winterspiele stellt sich nun auch unweigerlich die Frage nach dem baldigen Karriereende des Altmeisters. "Notnagel oder Ersatzmann, das war nie seine Sache", äußerte sich Mark Kirchner: "Ole hatte sensationelle Erfolge. Aber irgendwann ist es normal, dass man mit über 40 nicht mehr mit Mittzwanzigern mithalten kann", sagte der 47-Jährige weiter, der selbst noch gegen Björndalen gelaufen war. Fast schon mitleidig fügte Kirchner an: "Er hatte bis zuletzt noch seine Erfolge. Wenn man die Chance nicht nutzt, seine Karriere zu beenden, muss es so kommen."

Nächste Artikel
previous article imagenext article image