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München - Alexander Zverev setzt nach Trennung von Trainer Ferrer und Management nun allein auf den Faktor Familie. Ex-Profi Nicolas Kiefer sieht darin keinen Fehler.

Konstanz ist ein häufig strapaziertes Wort, das für die Performance eines Profi-Sportlers noch häufiger herhalten muss als für Otto-Normal-Verbraucher.

So gesehen ist Alexander Zverev höchst konstant - zwischen 2017 und heute stand der beste deutsche Tennisspieler am Jahresende stets zwischen Weltranglistenplatz vier und sieben.

Und noch etwas ist höchst konstant bei Zverev, ungeachtet des Wirbels in letzter Zeit: seine Familie. Insofern stimmte es nur bedingt, als der 23-Jährige nun erklärte, er wolle "zurück zu den Wurzeln" - und damit die Trennung von der vom Schweizer Superstar Roger Federer mitbegründeten Management-Agentur TEAM8 bekanntgab.

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Dabei hat Zverev die Familien-Wagenburg eigentlich nie wirklich verlassen.

Seit jeher vertraut der Hamburger auf Mutter Irina, Vater Alexander, Bruder Mischa, seinen heiß geliebten Pudel Lövik, Fitnesstrainer Jez Green, Physiotherapeut Hugo Gravil und seinen besten Freund, den brasilianischen Spieler Marcelo Melo.

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Zverev: Trennung vom Management - das sagt Kiefer 

"Sascha war schon immer ein Familienmensch. Und dass er nun noch mehr auf seine Familie setzt, ist für ihn und seinen Charakter absolut nachvollziehbar", sagte Nicolas Kiefer, der mit Mischa Zverev im Doppel beim World Team Cup und der ATP-Mannschaftsweltmeisterschaft gespielt hat, zur Zverev-Entscheidung bei SPORT1. "Gerade er macht damit keinen Fehler."

Der ehemalige Profi widerspricht denn auch Unkenrufen, wonach sich die neuerliche Trennung nachteilig auswirken könnte für Zverev, dieser falsche Entscheidungen treffe, nachdem er auch kürzlich schon nach nur einem halben Jahr die Zusammenarbeit mit Trainer David Ferrer wieder beendet hat.

"Er ist noch so jung und hat schon so viel erreicht", meint Kiefer und verweist auch auf weitere Tennis-Stars, die voll auf die Familienkarte setzen - und das mit Erfolg: "Es gibt genügend andere Beispiele, siehe Rafael Nadel mit seinem Onkel Toni oder Serena und Venus Williams."

Bei Zverev ist für das Coaching nun alleinig sein Vater zuständig, fürs Management sein Bruder und Sergej Bubka, Sohn der als Funktionär und Geschäftsmann umtriebigen Stabhochsprung-Legende Sergej Bubka senior: Zverev hatte erst Ende des vergangenen Jahres vor Gericht in der Auseinandersetzung mit seinem Ex-Manager Patricio Apey gesiegt.

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Zverev und der Faktor Familie - wie auch Nadal und Williams

Ein vertrautes Umfeld ist das eine - aber besteht bei Zverev nicht die Gefahr der familiären Komfortzone, in der keine neuen Reize mehr gesetzt werden können zur Weiterentwicklung?

Kiefer verneint das: "Impulse sind da trotzdem möglich. Es kommt schließlich aus einer reinen Tennisfamilie, seine Eltern haben ja selbst erfolgreich gespielt (Vater Alexander war als Profi 1985 Weltranglistenplatz 375, Anm. d. Red.)."

Auch die zuletzt recht kurzen Halbwertszeit bei Zverevs Ex-Trainern wie dem früheren Weltklassespieler und Boris-Becker-Rivalen Ivan Lendl oder Juan Carlos Ferrero, der Zverev danach fehlende Disziplin vorwarf, mag der 43 Jahre alte Holzmindener nicht überwerten: "Diese Engagements waren nie auf eine permanente Zusammenarbeit ausgelegt, sondern für die großen Turniere."

Kiefer fügt an: "Dass es mal Hochs und Tiefs gibt, das ist doch normal. Grundsätzlich aber zeigt der Weg doch nach oben." Und führt am Ende dabei stets zurück in Zverevs "Inner Circle", auf den drei Wochen vor dem Start der Australian Open am 8. Februar nun eine Menge Arbeit wartet.

Ein Übriges tun die erschwerten Corona-Rahmenbedingungen vor Ort.

Zverev: Auch Konflikt im Vater-Sohn-Verhältnis

Melbourne wird somit zum Lackmustest dafür, welche Spuren Zverevs jüngsten Entscheidungen möglicherweise nach sich ziehen.

Nicht nur allein in Bezug auf Trainer- wie Management-Wechsel, obendrein im vergangenen Jahr noch überlagert durch Zverevs Teilnahme an Novak Djokovics umstrittener Adria-Tour und einen Partybesuch in Monaco sowie noch größeren Wirbel um Vorwürfe häuslicher Gewalt seiner Ex-Freundin Olga Sharypova.

Auch Konflikte oder Meinungsverschiedenheiten im Vater-Sohn-Verhältnis zwischen Zverev senior und junior dürften ein Neues auf die Probe gestellt werden.

Zur Erinnerung: Vor ziemlich genau einem Jahr bei der Pleite im ATP Cup in Brisbane gegen Stefanos Tsitsipas beschimpfte er seinen Vater: "Halt die Klappe, was zum Teufel redest du da? Ich habe keinen Aufschlag mehr, und du erzählst mir irgendeinen Scheiß."

Am Ende aber obsiegt stets der Zusammenhalt, gibt es doch keine Abnabelung oder Emanzipation.

"Es bedeutet mir sehr viel, mit meiner Familie jedes Jahr eine tolle Reise zu unternehmen, oft fliegen wir auf die Malediven", sagte Zverev dazu einst in einem Gala-Interview.

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