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München - Mit dem Wechsel nach Eindhoven eröffnen sich für Mario Götze neue Möglichkeiten. Um sich bei Roger Schmidt durchzusetzen, muss er aber noch viel tun.

Venlo statt Bayern, Sittard statt Schalke, PAOK Saloniki statt Lazio Rom.

Für Mario Götze wird in Zukunft alles ein wenig kleiner werden, nicht nur die Namen der Gegner.

Wenn der Finalheld der WM 2014 in den kommenden zwei Jahren für die PSV Eindhoven aufläuft, wird er sich auf kleinere Stadien und - auch nach Corona - geringere Zuschauerzahlen einstellen müssen, als er es aus seiner Zeit bei Borussia Dortmund gewohnt war.

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Aber auch der mediale Druck wird ungleich geringer ausfallen als in Deutschland, wo er seit seinem Tor von Rio vor sechs Jahren Erwartungen geweckt hatte, denen er danach nie gerecht werden konnte. (Presse feiert "Super-Mario" Götze)

Das aber ist nur ein Grund, warum der 28-Jährige die Bundesliga verlassen hat und sich nun einer neuen Herausforderung in der Liga des nordwestlichen Nachbarn stellt. (SPORT1-Kommentar: "Man kann Götze nur gratulieren")

Götze: "Gute Gespräche mit Schmidt"

Noch mehr ist es eine Entscheidung für den dortigen Trainer Roger Schmidt gewesen, der ihn vom Reiz der Aufgabe in Eindhoven überzeugt hat. Götze sprach von "mehreren guten Gesprächen" mit Schmidt, nach denen er einen Wechsel in die Niederlande "ernsthaft in Erwägung" gezogen hatte.

"Ich hatte sehr viele Angebote im Sommer, aber ich bin ein Gefühlsmensch und treffe meine eigenen Entscheidungen", sagte Götze, der bei der PSV die Rückennummer 10 gegen die 27 eintauscht.

Auch Huub Stevens, elf Jahre lang Spieler der PSV und später Trainer in Eindhoven, sieht in Schmidt "den entscheidenden Punkt" für Götzes Wechsel.

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Stevens gibt Götze einen Rat

"Mario wäre nicht einfach so in die Niederlande gewechselt, wenn er nicht die Überzeugung gehabt hätte, dass da ein Trainer ist, der ihn gut kennt und ihn weiterbringen kann. Schmidt ist so ein Trainer", sagt Stevens bei SPORT1.

Der Schalker Trainer des Jahrhunderts bereitet Götze aber auch auf eine harte Zeit vor. "Mario wird sich an das Spiel von Roger gewöhnen müssen, weil man weiß, dass er gerne mit sehr viel Druck nach vorne spielen lässt", betont der 66-Jährige. "Dann musst du als Mittelfeldspieler natürlich auch bereit sein, gewisse Meter zu machen, wenn der Ball bei der gegnerischen Mannschaft ist."

Das ist in der Tat das große Fragezeichen. Wie schnell schafft er es, sich auf Wettkampfniveau zu bringen, nachdem er rund drei Monate kein Mannschaftstraining mehr absolviert hat?

Die anstehende Länderspielpause kommt da natürlich gelegen, dürfte für Götze aber wohl nicht ganz ausreichen, um wieder zu alter Fitness zu gelangen.

Denn für Schmidts kräfteraubendes Pressingsystem, das der Coach selbst im Magazin 11Freunde einmal mit einer "Jagd" verglichen hat, ist die körperliche Fitness elementar.

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Bosz lobt seinen ehemaligen Spieler Götze

Sollte Götze aber seine physischen Rückstände aufgeholt haben, könnte er für die PSV der erhoffte Gewinn werden. Dessen ist sich auch Peter Bosz sicher, der den offensiven Mittelfeldspieler einst beim BVB trainierte. "Er ist auf mehreren Positionen einsetzbar, aber zentral hinter den Stürmern als Nummer 10 ist er am besten", wird der jetzige Bayer-Coach im Algemeen Dagblad zitiert.

In Schmidts Konstrukt dürfte Götze auch deshalb so gut passen, weil er in Eindhoven auf viele ehemalige Kollegen aus der Bundesliga trifft.

Er ist nach Philipp Max, Adrian Fein, Lars Unnerstall, Timo Baumgartl und Vincent Müller bereits der sechste deutsche Profi im Team. Außerdem steht mit Yvon Mvogo der ehemalige Ersatzkeeper von RB Leipzig mittlerweile regelmäßig im Tor der PSV.

Unnerstall und Baumgartl spielen bereits seit 2019 in Eindhoven. Schmidt, der selbst erst seit diesem Sommer Trainer der PSV ist, verstärkte die deutsche Fraktion mit vier weiteren Spielern.

Der Auftrag an den ehemaligen Trainer von Bayer Leverkusen ist klar: Er soll den Traditionsklub aus der 223.000-Einwohner-Stadt wieder am Erzrivalen Ajax Amsterdam vorbeiführen und zur Nummer 1 im Land machen.

PSV im Schatten von Ajax

Seit einigen Jahren schon steht der 24-malige Meister im Schatten von Ajax. Zuletzt gewann der Verein, für den schon Weltstars wie Arjen Robben oder der Brasilianer Ronaldo spielten, 2018 den Titel. Der letzte Double-Erfolg liegt schon 15 Jahre zurück.

32 Jahre ist es schon her, dass die PSV mit dem Gewinn des Europapokals der Landesmeister den bislang größten Erfolg der Vereinsgeschichte feierte. Von einer Wiederholung des Triumphs in der Champions League wagen in Zeiten der Superklubs aus Madrid, München und Paris nicht einmal die kühnsten Optimisten zu träumen.

In dieser Europapokalsaison greift Eindhoven erst einmal in der Europa League an. Bei den Gegnern Granada, Omonia Nikosia und Saloniki ist davon auszugehen, dass die PSV die Gruppenphase übersteht.

Wie lange das Team danach noch im Wettbewerb bleibt, hängt womöglich auch von Götzes Leistungen ab.

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