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Dirk Nowitzki (r.) sieht im Tanking eine Gefahr für die NBA © SPORT1-Grafik: Getty Images/dpa
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München - Erstmals in der NBA-Historie könnten acht Teams unter 30 Siegen bleiben. Nicht nur Dirk Nowitzki sieht Tanking kritisch. Die NBA droht und versucht, das Spiel zu retten.

Der große Vorteil des US-Sportsystems wird der NBA aktuell zum Verhängnis.

Dass die schlechtesten Teams im Draft zuerst bei den besten Talenten zugreifen können, hat seit jeher – in Verbindung mit der Gehaltsobergrenze - für eine gewisse Ausgeglichenheit und Chancengleichheit in den großen Ligen gesorgt. (Die NBA LIVE im TV auf SPORT1 US und im LIVESTREAM)

Allerdings erreicht im Frühjahr 2018 ein besorgniserregender Trend in der NBA seinen Höhepunkt: das sogenannte "Tanking". Gleich acht Teams versuchen alles, um möglichst viele Spiele zu verlieren und dann im Sommer mit einem Supertalent wie Luka Doncic (Real Madrid), Marvin Bagley (Duke) oder Michael Porter (Missouri) nachzuladen.

So clever diese Strategie auch sein mag, neben der Liga geht das allerdings auch zunehmend Spielern wie Dirk Nowitzki gegen den Strich, der in seiner gesamten Karriere alles aus sich herausholte, um zu gewinnen.

"Ich werde für so etwas nie stehen. Einfach aufgeben und nicht hart spielen? So eine Kultur willst du nicht haben. Das ist das falsche Zeichen für die Zukunft", kritisierte Nowitzki.

Cuban für Tanking-Aussage hart bestraft

Nichtsdestotrotz spielen seine Dallas Mavericks in dem wenig glanzvollen Rennen ganz weit vorne - oder eben hinten – mit. Teameigner Mark Cuban hatte zuletzt sogar offen zugegeben, dass Verlieren die beste Option sei. Für seine Ehrlichkeit hatte ihm die NBA mit 600.000 Dollar eine heftige Geldstrafe aufgebrummt.

Verlieren also das neue Siegen? Im Zeitalter der Superteams, wenn sich die großen Stars in großen TV-Märkten konzentrieren, ist das fast die einzige Chance irgendwann wieder relevant zu werden, will man nicht im Conference-Mittelmaß auf den Rängen sieben bis zwölf versauern.

76ers erheben Verlieren zur Kunstform

Zur Kunstform hatten die Philadelphia 76ers das Versagen in den vergangenen Jahren erhoben. Zwischen 2013 und 2016 gewannen die einst so stolzen Sixers nie mehr als 19 Spiele, ehe in der vergangenen Saison der monumentale Sprung auf 28 Erfolge gelang.

Der wunderbare Nebeneffekt der Conference-Ränge 14 oder 15: nach und nach konnten Toptalente wie Joel Embiid und Ben Simmons gedraftet und langsam aufgebaut werden.

Für ihr Mantra "Trust the Process" wird Philly nun von allen Seiten mit Lob überschüttet – und kopiert.

Historische Negativmarke winkt der NBA

Acht Teams verlieren aktuell fleißig mit fragwürdigen Entscheidungen um die Wette und liegen alle zwischen 18 und 21 Siegen, keine dieser Truppen gewann mehr als drei ihrer vergangenen zehn Partien.

Nie zuvor in der NBA-Historie blieben acht Mannschaften in einer Saison unter 30 Siegen – heuer könnte es dazu kommen. Laut Brian Windhorst von  ESPN besteht sogar der Verdacht, Teams würden mit analytischen Methoden, die Aufstellungen berechnen, die ihnen die beste Chance auf eine Niederlage garantieren.

Die NBA ist naturgemäß nicht begeistert und fragte nun beispielsweise bei den Chicago Bulls interessiert nach, weshalb denn Robin Lopez und Justin Holiday aktuell überhaupt nicht mehr spielen, obwohl fit und über weite Strecken der Saison Starter.

"Wir haben mit der Liga darüber gesprochen, es war ein fruchtbarer Dialog mit der Liga. Die Spieler fallen unter den Begriff 'Schonung', dennoch werden wir in Zukunft alle Vorschläge der Liga beachten", sagte Chicagos Vizepräsident John Paxson.

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Warnschuss an die Bulls

Das Eingreifen der NBA darf als Warnschuss verstanden werden. "Die Integrität und der Wettkampf auf dem Court sind ein Eckpfeiler dieser Liga. Nur deshalb sind wir eine so erfolgreiche Organisation, das sind wir nicht zuletzt den Fans schuldig", sagte Commissioner Adam Silver.

Genau in diesem Teufelskreis steckt die NBA. Natürlich ist es legitim für schwache Teams, gegen Ende einer Saison mehr auf die jungen Spieler zu setzen und diese zu entwickeln.

Wenn allerdings dem Produkt Basketball geschadet wird und die Fans sich fragen, wieso bei diesen Teams überhaupt noch in die Halle gehen sollen - ganz zu schweigen von Wettbewerbsverzerrung für Teams im Playoff-Rennen -, droht ein massiver Imageverlust.

Zum Beispiel leidet aktuell der deutsche Markt unter dem Tanking. Nowitzki mit den Mavs, Dennis Schröder mit den Hawks, Paul Zipser mit den Bulls – drei deutsche stecken im Keller fest und spielen um die goldene Ananas.

Draft-Lotterie wird reformiert

Was kann Silver aber überhaupt unternehmen? Das Draft-Prinzip an sich ist schließlich unantastbar. Seine Antwort: an der Draft-Lotterie wird herumgeschraubt.

Ab der nächsten Saison haben die drei schlechtesten Teams der Liga die gleiche Chance auf den ersten Pick im Draft - bisher hatte diese die schlechteste Franchise.

Das kann aber nur der erste Schritt sein - sonst wird die NBA dauerhaften Schaden nehmen.

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