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Carmelo Anthony hofft nach Stationen bei den New York Knicks und Oklahoma City Thunder jetzt mit den Houston Rockets wieder auf eine Titel-Chance
Carmelo Anthony hofft nach Stationen bei den New York Knicks und Oklahoma City Thunder jetzt mit den Houston Rockets wieder auf eine Titel-Chance
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München - Carmelo Anthony sahnte in der NBA bisher vor allem ab, Titelchancen hatte er kaum. Kann er in Houston seinen Ruf retten und um die Meisterschaft mitspielen?

Lang genug hat es gedauert, jetzt hat Carmelo Anthony nach seinem Trade zu den Atlanta Hawks und dem dortigen Buyout endgültig seinen Vertrag bei den Houston Rockets unterschrieben.

Im Idealfall soll Melo die Texaner an der Seite des Super-Duos aus MVP James Harden und Point Guard Chris Paul zum ernsthaften Konkurrenten für Champion Golden State Warriors machen, gegen den Houston letzte Saison im Conference Finale ausschied. 

Die Euphorie über die Unterschrift des dreimaligen Olympiasiegers bei den Rockets ist groß, Paul begrüßte seinen "Bruder" mit diesem Tweet.

  

Ob Anthony die Rockets allerdings wirklich zum ernsthaften Konkurrenten für den schier übermächtigen Meister machen kann, darf durchaus bezweifelt werden. Das liegt zum einen am sportlichen Fit in Houston, zum anderen am zweifelhaften Ruf, der Melo nachhängt. 

Buyout bei Hawks - aber volle 27,9 Millionen Gehalt sicher

Auf den ersten Blick könnte man Anthonys Buyout in Atlanta als harten Absturz bezeichnen. Das zweitschlechteste Team der Liga entlässt den einstigen Superstar mit einem Jahresgehalt von 27,9 Millionen Dollar.

Auch wenn das natürlich Anthonys Wunsch war - letztlich zahlen die Hawks einen unglaublichen Batzen Geld, obwohl er nicht eine Sekunde für sie spielt. Genau gesagt: 25,5 Millionen. 

Die Einbuße von 2,4 Millionen Dollar Gehalt akzeptierte Melo, um den Buyout möglich zu machen – weil er genau diese 2,4 Millionen von den Rockets bekam.

Dass es so kommen wird, war von Anfang an klar. Anthony verzichtete auf sein Trade-Veto, damit er von den Oklahoma City Thunder im Tausch für Dennis Schröder nach Atlanta geschickt werden konnte.

Die Hawks machten sich sogar einen Spaß aus dem kuriosen Deal und bedruckten extra noch ein Trikot, das der NBA-Profi nie tragen wird.

Letztlich bekommt Anthony durch Buyout und folgenden Minimum-Deal alles was er will: Er kassiert seine vollen 27,9 Millionen Gehalt und ist dazu bei einem Meisterschaftskandidaten. Es ist aber die wohl letzte Chance für Einen, der in seiner Karriere zu oft die falsche Entscheidung getroffen hat.

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Anthony schadet Knicks und sich selbst

Denn Melo ist zwar ein begnadeter Scorer, gilt trotz College-Titel mit Syracuse 2003 und drei Olympiasiegen aber nicht als Gewinner. Eher im Gegenteil. Kritiker werfen dem Forward sportlich wie finanziell Egoismus vor.

Dass er in schlechten Teams fette Statistiken auflegt, statt sich einzufügen und selten auch nur einen Dollar auf dem Verhandlungstisch hat liegen lassen, ist ein Rucksack, den Anthony seit Jahren mit sich herumschleppt. Auch wenn er seine Megagehalt aus Markt-Sicht natürlich verdient hatte. In seiner Karriere verdiente er bisher 227 Millionen Dollar nur an NBA-Gehalt.

Doch nicht nur sportlich, vor allem was seine Karriereplanung angeht, hat sich Anthony mehrfach selbst torpediert und dafür gesorgt, dass außer den drei Goldmedaillen mit Team USA bei Olympia kein großer Titel in seiner Vita steht.

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Da wäre vor allem der verheerende Trade zu den New York Knicks 2011. Statt noch ein paar Monate zu warten und nach der Saison einfach als Free Agent in der Heimat zu unterschreiben (Anthony ist in Brooklyn geboren), forcierte der damalige Topstar der Denver Nuggets seinen Trade in den Big Apple.

Die Knicks, auf Druck vom berüchtigten Besitzer James Dolan, mussten im Gegenzug den halben Kader in die Rocky Mountains schicken. Wilson Chandler, Danilo Gallinari, Raymond Felton und Timofey Mozgov – allesamt mindestens brauchbare Rollenspieler, mitunter sogar fähige Co-Stars – waren weg.

Anthony hatte den Knicks und sich selbst geschadet. Nach dem Aderlass kam New York nur noch dreimal in die Playoffs, überstand nur 2013 die erste Runde.

Geld und New York statt Titelkampf

2014 stand der Superstar dann erneut vor der Wahl: Ein neuer, fetter Vertrag in New York, wo allerdings absehbar war, dass es mit dem Kampf um die Meisterschaft kaum würde klappen können – oder Wechsel zu einem Titelkandidaten? Die Chicago Bulls und Houston Rockets galten als mögliche Adressen.

Und Anthony? Er entschied sich gegen Ambitionen, sondern für seine Heimat New York – aber letztlich auch für das Geld. Bei seiner erneuten Unterschrift in New York nahm der Star zwar nicht ganz die maximal möglichen 129 Millionen für fünf Jahre, über 122 Mio. für seinen neuen Deal zeigten aber klar, wo die Reise hingeht.

Trotz minimaler "Einsparung" konnten die Knicks keine großen Sprünge auf dem Transfermarkt machen, von Chancen auf die Meisterschaft ganz zu schweigen. Statt den unbequemeren Weg wie beispielsweise unter Tom Thibodeau bei den Bulls zu gehen, blieb Melo in der Heimat New York – und erreichte mit den Knicks nie wieder die Playoffs, sondern fristete im Tabellenkeller ein Schattendasein.

2017 schmeckte dann selbst Anthony, dessen Ruf über die Jahre nicht besser wurde, die Suppe, die er sich selbst eingebrockt hatte, dann endgültig nicht mehr. In Folge des immer offensichtlicheren Zwists mit Knicks-Präsident Phil Jackson forderte Anthony letztes Jahr im Sommer einen Trade – und wurde zu den Oklahoma City Thunder verschifft.

Die brachen nun aber nach nur einem Jahr das Big-Three-Experiment mit Melo, Russell Westbrook und Paul George ab, weil sich Anthony mit seiner Rolle als dritte Geige nie anfreunden konnte.

Letzte Chance Houston - klappt das?

In Houston bietet sich Anthony nun die vielleicht letzte Chance, seinen Ruf zu retten und vielleicht doch noch auf die Gewinnerstraße abzubiegen. Als balldominanter Scorer wird es Melo allerdings auch neben Harden und Paul schwer haben, genug Touches zu bekommen, um wirklich weiterzuhelfen.

Den Beweis, dass er dauerhaft auch abseits des Balles weiterhelfen kann, blieb er Zeit seiner Karriere schuldig. Zumal Anthony nicht von der Bank kommen will – das hat er diesen Sommer erneut betont. "Ich werde das nicht tun, solange ich noch weiß, welche Fähigkeiten ich habe und weiß, was ich kann", erklärte er kürzlich ESPN.

Auch Anthonys eher zweifelhafte Defense dürfte ein Problem für die Rockets werden, zumal der wuchtige Forward bereits 34 Jahre alt und damit nicht mehr der Schnellste ist.

Letztlich hat Houston diesen Sommer Trevor Ariza (überragender Verteidiger und Dreierschütze, jetzt bei den Suns) und Luc-Richard Mbah a Moute (ebenfalls Defense und zumindest passabler Dreier, jetzt bei den Clippers) gegen Anthony getauscht. Ob die Rockets damit wirklich besser sind und sich gegen das Überteam der Golden State Warriors durchsetzen können?

Zweifel sind berechtigt.

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