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Kevin Durant (l.), DeMar DeRozan (m.) und Isaiah Thomas (r.): Spieler und Teambesitzer in der NBA handeln oft eiskalt © SPORT1-Grafik: Marc Tirl/Getty Images/iStock
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München - DeMar DeRozans jüngster Trade zeigt, wie eiskalt es in der NBA zugeht. DeRozan ist sauer auf Torontos Besitzer - doch auch die Spieler zeigen sich oft unloyal.

DeMar DeRozan gab neun Jahre alles für Toronto. Er entwickelte sich vom neunten Pick des Drafts 2009 zum NBA-Star.

Der Shooting Guard wurde zur Dunkmaschine, zum Publikumsliebling, zum Anführer. Der beste Scorer in der Geschichte der Raptors? DeRozan, noch vor einem gewissen Vince Carter.

Trotz eines erneut enttäuschenden Playoff-Aus wollte die Franchise einen neuen Angriff mit DeRozan angehen. Das hatte man dem 28-Jährigen auch so mitgeteilt. Doch wenige Tage später schickte Präsident Masai Ujiri seinen Star nach San Antonio.

DeRozan fühlt sich betrogen

DeRozan fühlte sich betrogen. "Man bekommt etwas erzählt und das Gegenteil kommt heraus. Ich kann ihnen nicht vertrauen. Es gibt keine Loyalität in diesem Spiel. Sie schicken dich für quasi nichts weg", schrieb DeRozan bei Instagram.

Bei ESPN legte der US-Amerikaner nach: "Ich sage nicht, dass sie mich nicht traden dürfen. Aber sagt mir, wenn etwas passieren könnte - denn ich habe alles geopfert. Lasst es mich einfach wissen. Mehr verlange ich nicht."

Ujiri begründete den Trade auf einer Pressekonferenz damit, dass er dem Team alle Chancen gegeben hatte - nach dem erneuten Aus gegen die Cleveland Cavaliers um LeBron James sah er sich jedoch zum Handeln gezwungen.

DeRozan ärgert diese Aussage, denn Torontos Nemesis James wäre durch seinen Wechsel in den Westen zu den Los Angeles Lakers den Raptors nicht mehr im Weg gestanden: "Der einzige Typ, der uns von den Finals abhielt, ist aus dem Weg. Ich habe alles für dieses Team gegeben. Also wenn du sagst 'ich gab ihnen Chancen' und 'ich muss etwas tun', ist das meiner Meinung nach Bullshit."

NBA-Stars stehen hinter DeRozan

Aus der Liga bekam DeRozan Rückendeckung, mehrere NBA-Kollegen sprangen ihm zur Seite.

"Viel Glück den Raptors in der Free Agency, wenn Kawhi geht, nachdem, was sie mit DeMar abgezogen haben. Kein Superstar will für eine lügende A****-Organisation spielen", schrieb Anthony Morrow.

Auch Damian Lillard schüttelte den Kopf. "Kaltes Spiel", schrieb der Portland-Star nur. "Er gab der Stadt und der Organisation sein Herz und seine Seele. Er war loyal und sie fielen ihm in den Rücken", meinte Lou Williams.

Der Trade zeigt einmal mehr: Die NBA ist ein knallhartes Business. Anders als im Fußball haben die meisten NBA-Spieler ihr Schicksal selten selbst in der Hand. Wer unter Vertrag steht, kann grundsätzlich immer per Trade zu einem anderen Team geschickt werden (außer es existiert eine No-Trade-Klausel, ein Veto gegen einen Wechsel).

Dem Erfolg wird alles untergeordnet, persönliche Schicksale spielen nur selten eine Rolle. 

Boston schickt Thomas nach Cleveland

Das weiß auch Isaiah Thomas nur zu gut. In den Playoffs der Saison 2016/17 spielte Isaiah Thomas einen Tag nach dem tragischen Tod seiner Schwester für die Celtics, biss trotz einer Hüftverletzung auf die Zähne. In Boston sah er seine langfristige Zukunft, hoffte auf einen verdienten fetten Vertrag.

Zum "Dank" schickte ihn Boston im Mega-Trade um Kyrie Irving nach Cleveland. "Lernt von meiner Geschichte. Loyalität ist nur ein Wort in diesem Spiel", sagte Thomas als Reaktion auf den DeRozan-Trade.

Auch Charlie Villanueva kann von fehlender Loyalität ein Liedchen singen. Nach seinem starken Rookie-Jahr bei den Raptors 2006 wurde der Power Forward auch einfach getradet.

"Ich erinnere mich noch daran, wie Bryan Colangelo und Sam Mitchell (damals GM und Coach der Raptors, Anm. d. Red.) mir sagten, ich werde definitiv nicht getradet. Sam sagte, 'Nur wenn Michael Jordan noch einmal anfängt, werden wir dich abgeben!' und wurde am nächsten Tag nach Milwaukee abgegeben."   

Im vergangenen Sommer verlängerte Blake Griffin unter großem Tamtam bei den Los Angeles Clippers. Sechs Monate später wurde er aus dem sonnigen Kalifornien zu den Detroit Pistons verfrachtet - einem Team, mit der er als Free Agent nicht einmal ein Treffen für Vertragsgespräche vereinbart hätte.

Wirbel um "Verräter" Durant

Nur als Free Agent haben Spieler selbst ihr Schicksal in der Hand - bekommen für illoyales Verhalten dann aber auch den geballten Zorn von Fans und Experten ab. Kevin Durant musste sich nach seinem Wechsel von OKC zu den Golden State Warriors einiges anhören.

"Leute werden seit Jahren getradet, während sie schliefen. Leute haben seit Jahren die A****karte gezogen. Und manche Jungs haben die Organisation verarscht", giftete Durant im Podcast von Bill Simmons, der dabei sicher auch an DeAndre Jordan dachte, der sich bei den Mavericks einst den Ruf als Wortbrecher verdiente, ehe er nun doch nach Dallas wechselte.

Durant schloss: "Es gibt keine Loyalität. Es ist ein Business."

Nowitzki: Es geht nicht mehr um Loyalität

Ähnlich äußerte sich Dirk Nowitzki, einer der letzten loyalen Akteure in der Liga, im September 2017. "Die neue NBA ist etwas anders. Es geht darum, Geld zu verdienen, zu gewinnen und kaum mehr darum, loyal zu sein", sagte Nowitzki beim SiriusXM Radio.

Dass Nowitzki nun in seine 21. Saison bei den Mavs geht, ist aufgrund der Entwicklungen in den letzten Jahren noch einmal höher anzusiedeln.  

DeRozan hätte sich vermutlich bei seinen Raptors liebend gerne ein ähnliches Denkmal gebaut.

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