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München - Dirk Nowitzki hat bei den Dallas Mavericks in 21 Jahren die NBA geprägt und verändert. Vor allem auf dem Parkett sorgt er für eine Revolution.

Als Dirk Nowitzki seinen nächsten und womöglich letzten Meilenstein erreicht hatte, konnte er es selbst kaum glauben. 

"Es ist immer unglaublich, wenn man eine dieser Legenden einholt. Dass man in einer Liste mit solchen Namen steht, ist surreal." Zuvor hatte der 40-Jährige mit nun 31.424 Punkten in der ewigen Scorerliste Wilt Chamberlain überholt und belegt damit Platz sechs. Über mehrere Jahre oder gar Jahrzehnte wird sein Name nun in den Top 10 der besten Punktesammler der NBA zu finden sein. Von den aktuellen Stars wird ihn wohl erst einmal nur Kevin Durant attackieren können. (Die NBA LIVE im TV auf SPORT1+ und im LIVESTREAM) 

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Nowitzki hat die Liga seit seiner Ankunft vor 20 Jahren revolutioniert. Das Spiel der Big Men, insbesondere das des Power Forwards, im Basketball hat vor allem durch Nowitzki einen Wandel erfahren. 

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Dominierten bis zur Ära Nowitzki vor allem kräftige und athletische Big Men, die unter dem Korb agierten, stellte der Deutsche alles auf den Kopf. Denn er wagte sich auch in Regionen außerhalb der Zone - sogar von jenseits der Drei-Punkte-Linie, die bis dato nur den Guards und Small Forwards vorbehalten schien, warf der Würzburger.

Nowitzki: "Ich glaube, ich kam zur richtigen Zeit"

Plötzlich mussten seine Gegenspieler auch außerhalb der Zone agieren und Nowitzki konnte entweder über sie drüber werfen oder an ihnen vorbei ziehen - ja, das konnte er bei allem Understatement seiner Schnelligkeit früher. Gab es zu Beginn seiner Zeit noch große Zweifel an seiner NBA-Tauglichkeit, räumte er diese durch seinen neuen Spielstil beiseite. Zwölf Jahre in Folge (2000-2012) gelangen ihm über 21 Punkte im Schnitt, fünf davon beendete er sogar mit 25 Punkten oder mehr.

"Ich glaube, ich kam zur richtigen Zeit, als sich das Spiel ein bisschen verändert hat. Die Liga wollte etwas mehr Scoring und etwas mehr Bewegung", blickt Nowitzki auf seine Anfänge zurück. Statt auf pure Athletik, setzte er auf die perfekte Wurftechnik und Vielseitigkeit. So kann er auch bis zur aktuellen Saison noch mit den NBA-Stars konkurrieren.

Big Men werfen Dreier - dank Nowitzki

Mit insgesamt 1.960 verwandelten Dreiern rangiert der 2,13-Meter-Mann momentan auf Rang elf in der ewigen Dreier-Rangliste und ist mit Abstand der erfolgreichste Spieler in seiner Größe. Als er in die NBA kam, gab es laut ESPN mit Arvydas Sabonis lediglich einen Spieler in seiner Größe, der mindestens 25 Dreier pro Saison nahm. In der laufenden Saison gibt es 17 Spieler über 2,13 Meter, die diese Marke erreichen - ein Verdienst von Nowitzki.

"Es ist unwahrscheinlich, dass diese Entwicklung ohne Dirk so schnell passiert wäre", sagt Mavericks-Coach Rick Carlisle. "Er hat das Spiel verändert." 

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Nowitzki reiht sich zweifelsohne in die Reihe der prägenden Figuren für ihre jeweilige Position ein. "Magic" Johnson auf der Point-Guard-Position, Michael Jordan auf Shooting-Guard, LeBron James auf Small Forward, Nowitzki auf Power Forward und Kareem Abdul-Jabbar als Center sind die Vorbilder und stilprägenden Figuren ihrer Ära.

Flamingo als Markenzeichen

Neben seinen Verdiensten um das spielerische Element hat sich Nowitzki auch seinen ganz persönlichen "Signature Move" - ein Markenzeichen - erschaffen. So ist sein einbeiniger Flamingo-Wurf im Rückwärtsfallen zu einem echten Markenzeichen geworden. Die NBA widmete ihm sogar ein eigenes Emoji in den sozialen Medien anlässlich des All-Star-Games.

Außerhalb des Parketts gilt er als Pionier. Denn erst mit Nowitzkis Siegeszug in der NBA, suchten die Franchises auch verstärkt außerhalb der USA nach neuen Talenten. Spricht man ihn darauf an, wiegelt Nowitzki ab und verweist auf die Kroaten Drazen Petrovic und Toni Kukoc als Pioniere für Europäer in Übersee. Trotzdem: Nowitzki war 2007 der erste MVP aus Europa, 2011 der zweite europäische Finals-MVP nach dem Franzosen Tony Parker.

Nowitzki als Vorbild und Hoffnungsträger

Spieler wie die Gasol-Brüder aus Spanien oder Parker wären wohl ohne den Würzburger nicht in der besten Liga der Welt gelandet. Und auch in Dallas wird man in Zukunft - ohne Nowitzki - auf internationale Talente setzen. Neben Luka Doncic (Slowenien) wird in der kommenden Saison der Lette Kristaps Porzingis für die Texaner auflaufen. Das "Unicorn" ist der legitime Nachfolger des Deutschen und erinnert in Spielweise und Statur beinahe an einen Klon.

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Fragt man nicht-amerikanische Spieler nach Nowitzkis Bedeutung, nennen diese ihn oftmals als Vorbild und Hoffnungsträger, dass auch sie es in der NBA schaffen könnten. 

Dies liegt zu einem gewichtigen Teil sicherlich auch an der Bodenständigkeit und Bescheidenheit des Deutschen. Seinen Status als Superstar merkt man ihm nicht an, stattdessen hat er während seiner Karriere immer wieder Abstriche für den Erfolg der Mavericks in Kauf genommen. Gehaltsverzicht, um einen neuen Star zu verpflichten - für Nowitzki eine Selbstverständlichkeit. Auch seine Treue zu Dallas ist beispiellos, noch nie hat ein Spieler 21 Jahre bei der selben Franchise gespielt. 

Verzicht auf Geld und Treue zu Mavs

Nie hat er sich dem nächstbesten Titelanwärter angeschlossen, um eine Meisterschaft einzufahren. Stattdessen wurde er 2011 mit "seinen" Mavs gegen das vermeintliche Überteam Miami Heat Meister. Diese Einstellung macht ihn zum absoluten Fan-Liebling in der Liga. Dies zeigen die zahllosen Huldigungen auf seiner vermeintlichen Abschiedstour durch die NBA. 

Höhepunkt war eine Auszeit von Clippers-Coach Doc Rivers wenige Sekunden vor Ende der Partie. "Bei den Clippers wusste ich nicht, was los ist. Warum nimmt er die Auszeit und sagt, es sollen alle aufstehen? Zwei Minuten stehe ich dann da. Das war mir natürlich auch ein bisschen peinlich. Aber es ist eine Riesen-Erfahrung, dass man von Auswärts-Fans so einen Empfang bekommt", sagte Nowitzki bei SPORT1.

Nicht überall wird der 40-Jährige so gefeiert. Besonders schwer ist sein Stand in den eigenen vier Wänden, wie Nowitzki nach seinem womöglich letzten Meilenstein verriet. "Ihre Lieblingsspieler sind Maxi Kleber, Dwight (Powell, d. Red.) und Salah Mejri. Wenn ich sie frage, warum, sagen sie: Die dunken oft. Dann ziehe ich sie an den Haaren vor den Fernseher und zeige ihnen alte YouTube-Clips", sagte er über seine drei Kinder, wo er anscheinend nicht die Nummer eins ist.

Auch Nowitzkis Nachwuchs wird in wenigen Jahren den Einfluss des eigenen Vaters auf den Basketball und die NBA erkennen. Der Rest der Welt verneigt sich schon jetzt.

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