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München - Der Trade von den Lakers ist von den Ambitionen ein Rückschritt für Moritz Wagner und Isaac Bonga. Die schwachen Wizards könnten aber zum Glücksfall werden.

Der Wechsel von Anthony Davis von den New Orleans Pelicans zu den Los Angeles Lakers ist der Blockbuster-Deal des Sommers.

Was dabei aber oftmals in Vergessenheit gerät: In den Trade war neben den Lakers und den Pelicans mit den Washington Wizards noch eine dritte Franchise involviert.

Um Platz im eigenen Cap-Space zu schaffen, gab Los Angeles mit Moritz Wagner, Isaac Bonga und Jemerrio Jones gleich drei Spieler nach Washington ab, die obendrein auch noch einen Zweitrundenpick für das Jahr 2022 erhielten. Die Wizards überwiesen dafür ihrerseits 1,1 Millionen Dollar nach New Orleans.

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Während L.A. und die Pels in diesem Sommer an ihrem jeweiligen Super-Team gefeilt haben und ambitioniert in die neue Saison gehen, sieht das in der Hauptstadt ganz anders aus. Alerdings könnte genau dieser Fakt zum Glücksfall für die beiden jungen Deutschen werden.

Beal und Wall als kongeniales Duo mit Fragezeichen

Die Stars des Teams sind ohne Frage John Wall und Bradley Beal. Gemeinsam bilden die beiden All-Stars einen gefährlichen Backcourt, der theoretisch jede Defense der NBA vor erhebliche Probleme stellen kann.   

Mit weitem Abstand waren die beiden in der abgelaufenen Spielzeit, in der man mit nur 32 Siegen die Playoffs klar verpasste, die Top-Scorer. Allerdings ist die Zukunft des Duos offen.

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Am 26. Juli, exakt drei Jahre nach Beals letzter Vertragsverlängerung zum Maximum, können die Wizards dem Shooting Guard ein neues Angebot über weitere drei Jahre unterbreiten.

Ob dieser dies annimmt, wird jedoch stark bezweifelt. Zwar erklärte Beal erst kürzlich gegenüber Candace Buckner von der Washington Post, er "wäre naiv, wenn ich kein Interesse an Gesprächen über eine Verlängerung hätte", in NBA-Kreisen gilt es dennoch praktisch als ausgeschlossen, dass der 26-Jährige seinen Kontrakt verlängert.

420 Millionen für 2 Spieler?

Sollte dies der Fall sein, droht den Wizards der Super-Gau. Schon in den vergangenen Wochen wurde er immer wieder mit einem Trade in Verbindung gebracht. Schafft er in der kommenden Saison den Sprung in ein All-NBA Team, könnten ihm die Wizards einen Supermax-Deal von rund 250 Millionen anbieten.

Es wäre wohl die einzige Chance, ihn zu halten. Allerdings beginnt bei Wall gerade erst sein 171-Millionen-Deal. Das wäre verdammt viel Geld nur für den Backcourt. Zudem fällt Wall nach einer Fersen-OP im Dezember, folgender Infektion und einem Achillessehnenriss noch lange aus. Ob er seine alte Klasse wieder erreicht, darf zumindest bezweifelt werden.

Hinter dem Duo hat man in Isaiah Thomas einen erfahrenen Backup geholt. Der 30-Jährige stand zuletzt bei den Denver Nuggets unter Vertrag und unterzeichnete einen Einjahresvertrag über 2,3 Millionen Dollar in Washington.

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Zwar bringt er aus seiner Zeit bei den Nuggets, den Sacramento Kings, Phoenix Suns, Boston Celtics, Cleveland Cavaliers und Los Angeles Lakers viel Erfahrung mit, ist aber nach seiner langen Leidenszeit auch nicht mehr der All-Star aus Celtics-Tagen.

Es könnte die Chance für Isaac Bonga sein. Denn seine Kontrahenten neben Thomas um Spielzeit heißen Tarik Philip, Jordan McRae und Ish Smith - wahrlich keine Überflieger. Für Wagner sieht es ähnlich gut aus. Thomas Bryant ist als Center gesetzt, dahinter verdient sich Mavericks-Meister Ian Mahinmi sein Gnadenbrot. Auf der Vier sind Neuzugang Davis Bertans (von den Spurs) und Rookie Rui Hachimura Wagners Kontrahenten.

Wagner und Bonga hoffen auf mehr Spielzeit

Das deutsche Duo in ihrem Rookie-Jahr bei den Lakers nicht über die Rolle der Bankspieler hinaus und bestritten lediglich 43 (Wagner) bzw. 22 Spiele (Bonga). Gerade Bonga hatte im Schatten von LeBron James, Rajon Rondo und Co. kaum eine Chance auf Spielzeit.

In der Summer League zeigte vor allem Wagner zuletzt bereits gute Ansätze und avancierte bei der 87:103-Niederlage gegen die New York Knicks mit 20 Punkten zum besten Werfer seiner Mannschaft. Ein Stammplatz im Verlauf der Saison scheint daher definitiv nicht unmöglich.

Niedrige Ambitionen können zum Vorteil für Deutsche werden

Zum Vorteil für die beiden Deutschen könnte auch werden, dass die Wizards - anders als die Lakers - keine Chance auf die Playoffs haben dürften, was die Chance auf Spielzeit drastisch erhöhen sollte.

Denn je weiter das Team zurückfällt, desto weniger Sinn macht es die Veteranen Thomas, Mahinmi oder Ish Smith noch einzusetzen. Auch bei Wall dürfte man wohl kaum ein Risiko eingehen, sollte er sich überhaupt im Frühjahr noch zurückmelden. Insofern sollten die jungen Spieler jede Chance bekommen, sich zu beweisen.

Außerdem haben die Wizards in Scott Brooks einen Head Coach, der dafür bekannt ist, Spieler zu entwickeln und besser zu machen. Allerdings setzte der 53-Jährige in der vergangenen Saison zumeist auf alte und erfahrene Veteranen, anstatt den jungen Spielern eine Chance zu geben und verpasste es damit genau das zu tun, wofür er 2016 geholt worden war: Spieler zu entwickeln.

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Bei den Oklahoma City Thunder hatte er seinerzeit maßgeblichen Anteil daran, dass Rollenspieler wie Serge Ibaka, Reggie Jackson oder Steven Adams reifen konnten, auch auf die persönliche Entwicklung von Russell Westbrook, James Harden und Kevin Durant hatte er maßgeblichen Einfluss.

Am deutlichsten zu sehen ist dies bei den Wizards an Bradley Beal, der unter Brooks zum zweimaligen All-Star wurde und seine Stats kontinuierlich steigern konnte.

Wizards weit weg von den Playoffs

Diese Qualitäten muss er nun erneut beweisen. Denn der Kader der Wizards ohne den verletzten Wall ist einer der schlechtesten in der gesamten Eastern Conference. Beal könnte somit spätestens zur Trade-Deadline im Februar auf einen Wechsel drängen, denn auch am Flügel ist man mit Troy Brown, Admiral Schofield oder Jemerrio Jones oder Veteran C.J. Miles weit von Playoff-Klasse entfernt.

Überhaupt schaffte es die Franchise unter ihrem heutigen Namen in 22 Jahren gerade acht Mal in die Playoffs, wobei das viermalige erreichen der Conference-Finals bereits das Höchste der Gefühle war. Zuletzt scheiterte man 2017/2018 in der ersten Runde an den Toronto Raptors.

Den Wizards steht somit erneut eine schwierige Saison bevor.

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