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München - Die Phoenix Suns um Devin Booker sind das Überraschungsteam der NBA. Der Guard hält eine Botschaft der verstorbenen Ikone in Ehren. Die Konkurrenz buhlt um ihn.

Die Los Angeles Lakers um NBA-Superstar LeBron James beobachten das Ringen um die Plätze acht und neun in der Bubble im Disney World in Orlando vermutlich mit Skepsis.

Denn da es so eng zugeht, wird ein Play-in-Tournament zwischen dem Achten und Neunten um den letzten Playoff-Platz stattfinden. Die Lakers erfahren somit als letztes Team ihren Playoff-Gegner - und können sich daher wenig darauf vorbereiten.

Statt des von vielen in den USA erhofften Traumduells zwischen James und Zion Williamson von den New Orleans Pelicans streiten die Portland Trail Blazers, Memphis Grizzlies, Phoenix Suns und San Antonio Spurs um das letzte Playoff-Ticket. (Tabellen der NBA)

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Suns sind Überraschungsteam der NBA

Während mit den Grizzlies aufgrund des Vorsprungs zum Start der Bubble und den vor der Corona-Pause verletzungsgeplagten Trail Blazers zu rechnen war, sind die in Orlando noch ungeschlagenen Suns das Überraschungsteam.

Hatten zu Beginn des Restarts viele Experten noch hinterfragt, warum die Suns überhaupt teilnehmen durften, haben sie inzwischen sieben Siege in Folge eingefahren. Phoenix schlug dabei starke Teams wie die Los Angeles Clippers, Miami Heat, Oklahoma City Thunder und Dallas Mavericks.

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"Ich sehe das als eine Art Wendepunkt für uns. Wir hatten Phasen in dieser Saison, in denen wir sehr gut spielten - aber wie es für ein junges Team üblich ist, hatten wir einige Auf und Abs", hatte Suns-Star Devin Booker bei ESPN nach dem Sieg gegen Miami gesagt.

Trotz der längsten Siegesserie der Franchise seit der Saison 2009/2010 müssen die Suns aber auch ihre letzte Partie gegen die Mavs (ab 22 Uhr in den LIVESCORES) gewinnen und zudem auf eine Niederlage der Grizzlies oder der Trail Blazers hoffen, um mindestens Rang neun zu ergattern.

Booker ein Kandidat für Bubble-MPV

Den Hauptanteil am Erfolg der Cinderella-Suns, denen die erste Playoff-Teilnahme seit 2010 winkt, hat der unscheinbarste Superstar der NBA: Devin Booker.

Booker dürfte sich sehr darüber freuen, dass die NBA einen Bubble-MVP vor den Playoffs küren wird. Denn mit 31 Punkten und mehr als sechs Assists pro Partie ist der Guard des einzig ungeschlagenen Teams in Orlando ein heißer Kandidat auf die Auszeichnung.

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Beim jüngsten Sieg gegen die Philadelphia 76ers knackte er sogar den Franchise-Rekord von Walter Davis, der 90 Spiele mit mindestens 30 Punkten absolviert hatte. Davis war damals 33 Jahre alt und spielte elf Jahre für die Suns - Booker schaffte es nun 91 Mal mit nur 23 Jahren.

"Es macht Spaß. Wir spielen richtig guten Basketball. Wir haben auf und neben dem Court Spaß. Wir lernen uns besser kennen und kommunizieren miteinander", sagte Booker, der seinen eigenen Franchise-Rekord mit dem 16. Spiel in einer Saison mit mindestens 35 Punkten verbesserte.

Booker lässt Leonard alt aussehen

Den vielseitigen Offensivspieler mit Playmaker-Fähigkeiten zeichnet neben verrückten Dreiern von nahe der Mittellinie vor allem seine Fähigkeiten in Clutch-Momenten aus, was er gegen die Clippers erneut unter Beweis stellte.

Dort nahm er es mit Kawhi Leonard und Paul George, zwei der besten Verteidiger der Liga auf, und versenkte eiskalt den Buzzerbeater. Es war bereits sein dritter seit seinem NBA-Debüt in der Saison 2015/2016. Kein Spieler in der NBA schaffte mehr in diesem Zeitraum - einzig Superstar James gelangen ebenfalls drei.

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Booker, der in dieser Saison erstmals zum All-Star gewählt wurde, schrieb bereits im März 2017 Geschichte, als der damals 20-Jährige als jüngster Spieler der Historie 70 Punkte im Spiel gegen die Boston Celtics erzielte.

Nur sechs Spieler in der langen Liga-Geschichte schafften ebenfalls mindestens einmal 70 Punkte oder mehr. Mit 81 Punkten war die verstorbene NBA-Legende Kobe Bryant der letzte Spieler, dem dieses Kunststück gelungen war.

Bryant mit Botschaft an Booker

Ausgerechnet Bryant. Booker, der 2015 von der Universität Kentucky in die NBA gewechselt war, traf als Rookie mit 19 Jahren auf Bryants Lakers. Nachdem er in der Partie 28 Punkte erzielt hatte, erhielt Booker eine besondere Botschaft von seinem Idol.

"To Book: Be legendary" schrieb Bryant dem jungen Nachwuchsspieler auf dessen Schuhe. Inzwischen schreibt sich Booker diese Message selbst auf die Schuhe, wie er nach dem vierten Sieg der Suns in der Bubble verriet.

"Kobe ist damit jeden Tag bei mir. Ihr seht ja, was ich mit 'Be Legendary' auf meine Schuhe schrieb. Es ist eine Erinnerung", sagte Booker, während er ein Shirt der Lakers trug. Booker hatte sich nach Bryants Tod zudem ein Tattoo mit "Be Legendary" stechen lassen.

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Green: Booker muss raus aus Phoenix

Um aber tatsächlich eines Tages "legendär" zu werden, wird Booker früher oder später wie sein großes Idol auch Titel gewinnen müssen. Die Frage, die sich alle in der NBA stellen - kann er das mit den Suns?

In der Liga zweifeln nicht wenige daran. Draymond Green von den Golden State Warriors forderte jüngst in seinem Auftritt bei TNT sogar ziemlich lautstark den Wechsel des 1,98 Meter großen Guards.

"Es ist nicht gut für ihn und seine Karriere. Er muss zu einem Team, wo er groß aufspielen und auch gewinnen kann", forderte Green. Ob er dabei an seine Warriors dachte, beantworte er zwar nur mit einem "vielleicht" - die NBA verdonnerte den 30-Jährigen dennoch zu einer Geldstrafe von 50.000 US-Dollar.

Greens freche Forderung zeigt jedoch eines deutlich: Auch wenn Booker weltweit noch nicht das Standing vieler anderer Stars der Liga genießt - die NBA-Profis haben ihn genau im Auge und würden ihn nur zu gerne zu ihrem Team locken.

Langer Vertrag bei den Suns

Das dürfte in absehbarer Zeit schwierig werden, da Booker erst 2018 eine Verlängerung über fünf Jahre und 158 Millionen US-Dollar unterschrieben hatte. Doch vor allem die jüngere Vergangenheit hat gezeigt, dass Spieler sich bei großer Unzufriedenheit von Teams auch wegekeln können.

Bisher fühlt sich Booker der Franchise, die ihn an 13. Stelle gedraftet hatte, allerdings weiter verpflichtet. Angesprochen auf die Green-Aussagen sagte er: "Seit ich in Phoenix bin, hatten wir nicht so viel Erfolg, aber die Unterstützung war da. Und das (der aktuelle Erfolg, Anm. d. Red.) schulden wir den Fans und der Organisation."

Ob es diesmal zur Playoff-Teilnahme reicht, werden die nächsten Tage zeigen. Ein Playoff-Duell gegen die Lakers wäre in jedem Fall das Highlight in Bookers NBA-Karriere und die ideale Gelegenheit, um an der Umsetzung von Bryants Botschaft zu arbeiten.

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