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München - Dennis Schröder will bei den Los Angeles Lakers gleich den Anführer spielen. Doch der Point Guard geht angesichts von LeBron James ein gefährliches Spiel ein.

Manchmal ist es ein schmaler Grat zwischen gesundem Selbstbewusstsein und über das Ziel hinausschießender Rhetorik.

Als Dennis Schröder nun die ersten Ansprüche als neuer Spieler der Los Angeles Lakers formulierte, wurde mancher erneut hellhörig: "Ich bin als Anführer hier, auch auf dem Platz. Ich will dem Team dabei helfen zu gewinnen", sagte der 27-Jährige bei seiner ersten Pressekonferenz nach dem Wechsel von Oklahoma City Thunder zum Meister der NBA.

Ähnlich hatte sich der 27-Jährige bereits tags zuvor im Gespräch mit der Hamburger Morgenpost geäußert - und dabei erklärt, sich anders als zuletzt bei OKC nicht als Sixth Man, sondern fortan als Starter zu verstehen:  "Das war für mich Bedingung." (SERVICE: Alle News zur NBA)

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Nun legte Schröder - gekleidet in einem lila T-Shirt und mit einem dunkelgelben Stirnband um den Kopf - forsch nach: "Dieses 'Von-der-Bank-Kommen' habe ich nun zwei Jahre gemacht. Ich versuche voranzukommen."

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Heißt konkret: Der zweitbeste Einwechselspieler der vergangenen Saison will für die Franchise um Superstar LeBron James und Anthony Davis, der noch keinen neuen Vertrag unterschrieben hat, mehr sein als nur die Waffe von der Bank.

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Schröder geht LeBron und Davis an

Mehr noch: Er will die Rolle von James gewissermaßen übernehmen. Gerade James, der sonst oft den Ballvortrag übernahm, müsse dann nicht mehr "an so viel denken" und könne öfter einfach Schröders Vorlagen einnetzen. "Mit AD und LeBron kann ich hilfreich sein als Startspieler auf der Point-Guard-Position, dann hat LeBron nicht so viel im Kopf", sagte Schröder. 

Spannende Frage nur, ob die Lakers das drei knapp Wochen vor dem Saisonstart (22. Dezember) genauso sehen - und ob LeBron da mitmacht. Das Wort des 35 Jahre alte Mega-Stars dürfte am Ende ungleich gewichtiger sein als Schröders.

Mag der auch noch so sehr behaupten: "Ich bringe Energie und versuche, es meinem Team so einfach wie möglich zu machen. Ich bin hier als Anführer, auch auf dem Platz, will offene Würfe erzeugen, auch eigene und will dem Team dabei helfen, zu gewinnen - in Deutschland sind beim Wechsel alle durchgedreht."

Zur Erinnerung: James hatte in der vergangenen Saison zum ersten Mal in seiner Karriere mit einem Durchschnitt von 10,2 pro Spiel die Statistiken bei den Assists angeführt. Und trotz (oder gerade wegen) seines Wechsels von der angestammten Position des Small Forwards zum Point Guard trieb er L.A. am Ende zum Titel nach 13 Jahren.

Lakers: Schröder noch nicht in Starting 5

Dass Schröder den Unantastbaren in dieser Rolle nun sogleich zu verdrängen plant, wirkt irritierend bis absurd. Es ist kaum zu erwarten, dass die Lakers für den Braunschweiger ihr komplettes Lineup umwerfen.

Zumal der Titelverteidiger um LeBron, der nur noch ein Jahr Vertrag hat, ESPN-Quellen zufolge sich auf eine Starting 5 bisher noch gar nicht festgelegt hat und sich die Neuverpflichtung von den Thunder also möglicherweise erst einmal wieder ins zweite Glied rücken lassen müsste.

Was auch Schröder indirekt einräumen muss: Mit Lakers-Trainer Frank Vogel habe er sich darüber noch nicht verständigt, "ich glaube, mein Agent hat mit der Organisation gesprochen, bevor sie mich getradet haben."

Wie auch immer: Bei Oklahoma war es Schröders Erfolgsrezept, von der Bank als Ersatz für Chris Paul zu glänzen. So brachte er es durchschnittlich auf 18,9 Punkte und vier Assists pro Spiel.

Ob der Deutsche an der Seite von LeBron und ohne Ball in den Händen gleichermaßen performt, bleibt abzuwarten.

Lakers ohne Backup für Point-Guard-Position

Was erschwerend dazukommt, ist der Umstand, dass die Lakers keinen wirklichen Backup für die Point-Guard-Position haben: Rajon Rondo, zuletzt der erste Ersatzmann für James, ging als Free Agent zu den Atlanta Hawks.

Weg ist auch Quinn Cook, während Alex Caruso und Talen Horton-Tucker sich für die Position bislang durchs Raster fielen.

Immerhin reagierte James bisher gelassen auf die kesse Lippe von Schröder.

"Wenn er auf deiner Seite ist, liebst du ihn, und wenn er auf der anderen Seite steht, kannst du ihn verdammt nochmal nicht ausstehen", meinte der "King" in einer TV-Show über seinen neuen Adjutanten, der im Lakers-Hofstaat kein unterwürfiger Lakai sein mag.

Noch hat Schröder den schmalen Grat also nicht überschritten.

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