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München - Blake Griffin sprengte einst YouTube mit seinen Dunks - später wird er von den Clippers nach Detroit verscherbelt. Gelingt jetzt der Neustart bei den Super-Nets?

Auf den ersten Blick haben die Brooklyn Nets in der NBA den nächsten Transfercoup gelandet.

Schließlich hat Blake Griffin einem Vertrag für den Rest der Saison zugestimmt. Der Forward soll die Nets mit ihrem Supertrio James Harden, Kevin Durant und Kyrie Irving auf der Jagd nach der Meisterschaft verstärken. (SERVICE: Die Tabellen der NBA)

Am vergangenen Freitag hatte sich der 31-Jährige erst mit den Detroit Pistons auf einen Buyout geeinigt. In Brooklyn wird er die Nummer 2 tragen und 1,2 Millionen Dollar (ca. eine Million Euro) für die restliche Saison erhalten. (SERVICE: Der Spielplan der NBA-Saison 2020/21)

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Doch der einstige Überflieger der Liga ist in den letzten Jahren ziemlich abgestürzt. Wie groß ist die Verstärkung durch Griffin für die Nets also wirklich?

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Griffin als Dunk-Phänomen und Clippers-Retter

Zu Beginn seiner Karriere standen Griffins Qualitäten außer Frage. 2009 kam der Nummer-1-Pick zu den Los Angeles Clippers, weil er sich in der Vorbereitung die Kniescheibe brach, gab er sein Debüt erst ein Jahr später - und schlug in der NBA-Welt ein wie eine Bombe!

Dank Dunk- und Highlight-Maschine Griffin wurde aus einer Lachnummer ein Team mit Playoff-Abo - und der Power Forward mit einem spektakulären Dunk nach dem anderen zum YouTube-Phänomen.

"Ich glaube wirklich, dass die Geschichte der Clippers in 'vor Blake' und 'nach Blake' unterteilt werden muss", erklärte Doc Rivers, der langjährige Head Coach des Teams, kurz nach Griffins Ankunft in L.A.

Es kamen Chris Paul und DeAndre Jordan dazu, "und dann wurde auf einmal wieder über die Clippers gesprochen. Blake ist für all das verantwortlich", sagte Rivers damals. Doch das Supertrio wurde trotz viel Spektakel in der "Lob City" den hohen Erwartungen nicht gerecht.

Clippers traden Griffin nach Detroit

Paul verabschiedete sich 2017 Richtung Houston. Griffin sollte das Zepter wieder übernehmen und unterschrieb einen neuen Fünfjahresvertrag für 171,2 Millionen Dollar - allerdings ohne No-Trade-Klausel. Der Deal sollte seinen Weg als "Clipper for life" ebnen - doch dieser Weg fand genau 212 Tage später ein abruptes Ende.

Am 29. Januar 2018 verschiffte Los Angeles seinen Starspieler völlig überraschend zu den Detroit Pistons. Der Franchise-Retter wurde von seinem eigenen Team verscherbelt. Von seinem Trade hörte Griffin über die Sozialen Medien. "Es über Twitter zu erfahren, über andere Personen, ist hart, wenn du so lange bei einer Franchise warst."

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Sogar LeBron James schaltete sich in die damalige Loyalitäts-Debatte ein. "Das ist bedauerlich. Wenn ein Spieler getradet wird, dann heißt es, das Team hat gemacht, was das Beste für die Franchise ist. Wenn ein Spieler das Team verlässt, wird er als illoyal oder als Schlange bezeichnet", schimpfte der Lakers-Star.

Griffins Leistung stürzt bei Pistons ab

In seiner ersten vollen Saison im Pistons-Trikot führte Griffin Detroit in die Playoffs, wurde selbst ins All-NBA-Third-Team gewählt und erstmals seit vier Jahren wieder All-Star. Zwar war er nicht mehr die Dunk-Maschine früherer Tage, überzeugte aber mit einem deutlich verbessertem Ballhandling und einem respektablen Dreier.

Doch Knieverletzungen machten ihm immer wieder einen Strich durch die Rechnung. Im April 2019 unterzog er sich einer OP am linken Knie. Danach war Griffin nicht mehr derselbe Spieler. In der Saison 2019/20 verpasste er 18 Spiele. Im Januar 2020 folgte eine zweite Knieoperation, die schließlich seine Saison beendete.

Trotz einer vielversprechenden Off-Season stellte sich auch in der neuen Spielzeit keine Verbesserung ein. Ganz im Gegenteil: Obwohl Griffin schon weniger Last zugemutet wurde, verschlechterte sich seine Trefferquote aus dem Feld auf 43 Prozent - Karrieretiefstwert!

Gewohnte Athletik von Griffin verschwunden

Aber damit nicht genug: Auch seine Athletik schwand immer mehr. Dem Forward gelang in dieser Saison noch kein erfolgreicher Dunk.

Laut den Daten von Basketball-Reference.com ist Griffin damit der einzige Spieler in der NBA, der größer als 1,90 Meter ist und in dieser Saison mehr als 150 Wurfversuche ohne einen einzigen erfolgreichen Dunk hatte.

Auch mit seinen Würfen von Downtown konnte Griffin die nachlassende Athletik nicht mehr kompensieren. Seine Dreierquote lag zuletzt bei nur 28 Prozent, laut Stathead.com der drittniedrigste Wert unter Spielern mit mindestens 200 Dreier-Versuchen.

Rehabilitiert sich Griffin bei Nets?

Dennoch besteht eine Chance, dass die Nets die richtige Umgebung für Griffin sind, sich wieder zu rehabilitieren.

In Brooklyn ist der frühere Starspieler als Backup-Big eingeplant und könnte den Nets auch bei ihren Rebounding-Problemen helfen. Griffin hat in seiner Karriere durchschnittlich 8,7 Rebounds pro Spiel geholt und auch wenn diese Zahl in dieser Saison gesunken ist, hat der Big Man immer noch die Möglichkeit, in diesem Bereich einen Beitrag zu leisten.

Hinzu kommt, dass Griffin in Brooklyn wieder an der Seite seines früheren Clippers-Kollegen DeAndre Jordan spielt. Möglicherweise findet das Duo ein bisschen von der "Lob City"-Magie wieder und hilft den Nets, die Chemie im Team noch weiter zu verbessern.

Griffin kann das Nets-Problem nicht lösen

Wenn Griffin von der Bank kommt, könnte er auch vermehrt seine Spielmacherfähigkeiten unter Beweis stellen, die für einen Big Man überdurchschnittlich sind.

Allerdings war die größte Schwäche der Nets bisher die Defense - und weder als Help-Verteidiger noch als Ringbeschützer weiß Griffin zu überzeugen. Diese bleibt daher auch mit Griffin die Schwachstelle des Superteams, falls sie nicht durch weitere Zugänge noch behoben wird.

Für Griffin steht fest, dass er eine wesentlich kleinere Rolle als bisher spielen wird. Das kann jedoch auch Vorteile mitbringen, da die gegnerische Defense sich deutlich weniger auf ihn konzentrieren wird.

Womöglich stellt sich daher gerade die kleinere Rolle am Ende als Trumpf heraus, wenn auf Griffin nicht mehr so ein enormer Druck lastet.

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