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Trainer Jean McVay (r.) formte die Los Angeles Rams zum Spitzenteam der NFL
Trainer Sean McVay (r.) formte die Los Angeles Rams zum Spitzenteam der NFL © SPORT1-Grafik: Davina Knigge/Getty Images
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München - Die Los Angeles Rams pflügen wie kein anderes Team durch die NFL. Dabei lag die Franchise noch vor zwei Jahren am Boden. Doch ein neuer Coach bringt die Trendwende.

Super-Bowl-Champ Philadelphia Eagles? Dauerbrenner New England Patriots? Rekord-Quarterback Drew Brees und seine New Orleans Saints? Von wegen. Das heißeste Team der NFL sind nach sieben Spieltagen die Los Angeles Rams. (Tabellen der NFL)

Schon in der Vorsaison begeisterten die Rams phasenweise in der Regular Season, qualifizierten sich - erstmals seit 2003 - als Sieger der NFC West für die Playoffs, scheiterten dann aber krachend an den Atlanta Falcons.

Diese empfindliche Niederlage scheinen Quarterback Jared Goff, Running Back Todd Gurley und Co. aber recht schnell aus den Köpfen bekommen zu haben. Denn in der neuen Saison präsentieren sich die Rams sogar noch stärker, machen einen gereiften Eindruck. Nach sieben Spieltagen ist das Team aus Los Angeles als einziges in der NFL noch ungeschlagen.

Hohe Siege für die Rams

Die meisten Gegner zerlegt das Team von Chefcoach Sean McVay regelrecht. Am schlimmsten erwischte es in der zweiten Woche die Arizona Cardinals, die von den Rams mit 34:0 demontiert wurden. Aber auch die Oakland Raiders (33:13) oder die San Francisco 49ers (39:10) kamen ordentlich unter die Räder.

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Doch auch in heiklen Situationen beweist die junge Truppe von McVay, angeführt vom Nummer-1-Pick von 2016, Jared Goff, inzwischen kühlen Kopf. Die Seattle Seahawks rang L.A. trotz der Ausfälle der beiden Star-Receiver Cooper Kupp und Brandin Cooks, die das Spiel mit Gehirnerschütterungen verlassen mussten, mit 33:31 nieder.

Und auch die harte Gegenwehr der Denver Broncos, die die Offense der Rams als bislang einziges Team unter 30 Punkten halten konnten, erwischte den Tabellenführer der NFC West in Woche 6 nicht auf dem falschen Fuß. Am Ende stand ein 23:20-Arbeitssieg zu Buche. Das alles bestärkt den Eindruck: Auf dem Weg zum Super-Bowl-Triumph muss man dieses Jahr erst einmal die Rams ausschalten.

Todd Gurley (r.) ist in dieser Saison ein zuverlässiger Punktelieferant bei den Rams
Todd Gurley (r.) ist in dieser Saison ein zuverlässiger Punktelieferant bei den Rams © Getty Images

Trainer-Wechsel zu McVay als Schlüsselmoment

Um diese Erfolgsstory zu verstehen, lohnt ein Blick zwei Jahre zurück. Damals zog die Franchise, die eigentlich in Cleveland gegründet worden war, vom eher verschlafenen St. Louis zurück ins schillernde Los Angeles. Rams-Heimspiele im Memorial Coliseum sollten wieder, wie schon zwischen 1946 und 1979, zum Hollywood-Spektakel werden.

Sogar die Filmemacher der Amazon Prime-Serie "All or Nothing" begleiteten den Geheimfavoriten. Doch die Saison 2016/17 wurde zum Desaster. Am Ende stand eine Bilanz von vier Siegen und zwölf Niederlagen zu Buche. Hoffnungsträger Goff, der während der Saison zum Starting-Quarterback befördert wurde, gab Anlass zu Zweifeln. Head Coach Jeff Fisher musste seinen Hut nehmen.

In ihrer Verzweiflung ernannten die Rams McVay zu Fishers Nachfolger und machten ihn damit zum jüngsten Cheftrainer der NFL-Geschichte. Ein 30-Jähriger ohne eigene Erfahrung als Profi, der noch nie zuvor ein Team in der besten Football-Liga der Welt hauptverantwortlich betreut hatte. Ein Wagnis. Im Nachhinein aber der Jackpot.

Goff blüht auf

Trainer-Wunderkind McVay verjüngte das Team vor der Saison 2017/18 rigoros und hauchte den Rams mit seinem kreativen und risikofreudigem Playbook wieder Leben ein. Unter ihm blühte Hoffnungsträger Goff sofort auf, zeigte auf einmal wieder die Selbstsicherheit und Spielfreude, die ihn an der University of California zum begehrtesten Draft-Ziel seines Jahrgangs gemacht hatten. Experten wählten den jungen Spielmacher am Ende der Saison zum "Most Improved Player of the Year".

First-Round-Pick Gurley knüpfte wieder an die herausragenden Leistungen aus seiner Rookie-Saison 2015 an, wurde am Ende der Saison von der NFL sogar zum "Offensive Player of the Year" ernannt. Defensive Tackle Aaron Donald, First-Round-Pick des Jahres 2014, wurde "Defensive Player of the Year" und McVay selbst, wie könnte es anders sein, "Coach of the Year".

Und McVays Youngster, die mit ihren günstigen Rookie-Verträgen aktuell quasi alle unter Marktwert spielen, machen in diesem Jahr genau da weiter, wo sie in der Vorsaison aufgehört haben: Goff hat bislang die viertmeisten Yards (2130) aller Quarterbacks der Liga erworfen. Gurleys 14 Touchdowns nach den ersten sieben Wochen sind NFL-Rekord in der Super-Bowl-Ära. Donald führt die Liga mit acht Sacks an.

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Dass die Rams im Vorjahr sowohl den Award für den besten Offensiv- als auch für den besten Defensivspieler abräumten, steht sinnbildlich für McVays Spielphilosophie. Bei allem Offensiv-Feuerwerk, das Goff, Gurley und das Receiver-Trio Kupp, Cooks (kam vor Saisonbeginn von den New England Patriots) und Robert Woods (kam 2017 von den Buffalo Bills) abfackeln, hat es auch die Abwehrreihe der Rams in sich.

Offense und Defense stark

Neben Quarterback-Schreck Donald verbreitet Linebacker Corey Littleton Angst und Schrecken, steht unter den Top Ten der Spieler mit den meisten Tackles (58) der Liga. Mit lediglich 327 erlaubten Yards pro Spiel stellen die Rams statistisch die siebtbeste Defense der Liga - und das bei der zweitbesten Offense (445 Yards pro Spiel).

Kein anderes Team in der NFL weist derzeit ein so ausgeglichenes Verhältnis zwischen Angriff und Abwehr auf. Auch vor der altgedienten Sportlerweisheit "Offense wins games, defense wins Championships" braucht sich das Team von McVay auf dem Weg zum Super Bowl also keineswegs zu fürchten. Sogar die perfekte Saison ist noch drin, wobei die größten Brocken zugegebenermaßen noch warten.

Trotzdem: Die Konkurrenz ist alarmiert. Denn der Traumstart der Rams könnte erst der Beginn sein. Keiner von McVays Leistungsträgern ist älter als 27. Sollten die Young-Guns um Goff und Gurley (beide 24) verletzungsfrei bleiben und der Coach seine Truppe zusammenhalten können (Knackpunkt: Vertragsverlängerungen), haben die Rams sogar das Zeug dazu, der NFL über Jahre ihren Stempel aufzudrücken.

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