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München - Jana-Franziska Poll spielt mit 31 Jahren ihr erstes großes Turnier als Starterin. Im SPORT1-Interview spricht sie über ihren persönlichen Wunsch und lobt den Bundestrainer.

Sie ist die Spätstarterin im deutschen Team: Außenangreiferin Jana-Franziska Poll.

"Ich kenne Jana seit vielen Jahren und habe in ihr immer eine tolle Spielerin gesehen. Jetzt mit 31 Jahren erstmals in der Starting-Six bei einer EM zu stehen, ist auch außergewöhnlich", lobte Bundestrainer Felix Koslowski die 31-Jährige auf SPORT1-Nachfrage und fügte hinzu: "Mit ihrer Erfahrung kann sie auch etwas Ruhe und Gelassenheit ins Team bringen. Das tut der jungen Mannschaft natürlich auch sehr gut."

Im SPORT1-Interview spricht Poll, deren Wechsel zu den Ladies in Black Aachen überraschend doch nicht zu Stande kommt, über die bisherige EM, das Erfolgsgeheimnis der deutschen Mannschaft und ihren Traum. 

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Poll: Darum war der Sieg gegen Russland ein Schlüsselmoment

SPORT1: Frau Poll, das DVV-Team ist mit fünf Siegen in fünf Spielen durch die Vorrunde marschiert. Hätten Sie das vor dem Turnier erwartet?

Jana-Franziska Poll: Ich finde schon, weil wir eine gute EM-Quali gespielt haben. Beim Turnier in Kaliningrad haben wir guten Volleyball gezeigt. Die Generalprobe mit dem Testspiel in Bremen ging dann schief, aber das war keine Wettkampf-Situation, wie wir sie kennen. Wir haben abends noch in Münster gespielt, sind dann weitergereist und es war kein richtiger Wettkampf, daher darf man das nicht überbewerten. Von daher sind wir mit einem guten Gefühl in die EM gestartet. Anvisiert hatten wir Platz zwei, aber Platz eins auch nie ausgeschlossen.

SPORT1: War der Sieg gegen Topfavorit Russland ein Schlüsselmoment?

Poll: Ja, weil dadurch die Ausgangslage für uns ein Stück besser wird.

SPORT1: Was ist nach der furiosen Vorrunde im Turnier jetzt noch möglich?

Poll: Die Gegner werden sicherlich nicht einfacher, das ist klar. Wir hatten in der Vorrunde wirklich starke Gegner. Alle Teams, die ins Achtelfinale gekommen sind, stehen da zu Recht. Daher müssen wir jetzt auch wieder 100 Prozent in jedem Spiel und in jedem Satz geben, um weiterzukommen.

Poll lobt Koslowski: "Volleyball ist für ihn eine Leidenschaft"

SPORT1: Was ist aus Ihrer Sicht das Erfolgsgeheimnis des deutschen Teams?

Poll: Wir haben eine echt gute Atmosphäre. Das Team harmoniert sehr gut. Durch die unerwarteten Ausfälle von Lenka Dürr (Rücktritt, d. Red.) und Hanna Orthmann (Verletzung, d. Red.) wurden wir noch mehr zusammengeschweißt.

SPORT1: Welche Rolle spielt dabei Bundestrainer Felix Koslowski?

Poll: Der Bundestrainer hat eine enorm wichtige Rolle, wenn der Trainer nicht gut ist, kann die Mannschaft nicht funktionieren. Wenn ich von der guten Teamchemie spreche, meine ich ja nicht nur die Mädels, sondern auch den Staff. Dazu gehört natürlich auch der Bundestrainer, aber auch die Co-Trainer und der medizinische Bereich.

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SPORT1: Was ist die besondere Stärke des Bundestrainers?

Poll: Er hat eine hohe Fachkompetenz und ist selbst mit Leib und Seele dabei. Volleyball ist für ihn eine Leidenschaft. Er kann sich gut in uns Spielerinnen hineinversetzen und hat für alle ein offenes Ohr. Er ist nicht nur Trainer, sondern hat auch neben dem Feld immer ein offenes Ohr.  Er zeigt viel Verständnis, solange du immer 100 Prozent gibst, verzeiht er auch Fehler. Er arbeitet sehr akribisch und will das Beste aus jeder Spielerin herauskitzeln.

"Eine Medaille wäre natürlich ein Traum"

SPORT1: Mit 31 Jahren sind Sie die älteste Spielerin im deutschen Kader. Was ist Ihre Rolle?

Poll: Ich habe erst 2013 mit der Nationalmannschaft angefangen (im Alter von 25 Jahren, d. Red.). Ich war nicht die typische Internatsgängerin. Denise Hanke hat zum Beispiel viel mehr Länderspiele absolviert. Diese EM ist auch meine erste als Stammspielerin, das ist für mich eine ganz neue Rolle. Daher kann man nicht pauschal sagen, dass ich – weil ich die älteste Spielerin bin – vorangehen muss. Es gibt jüngere Spielerinnen, die bereits mehr Erfahrung haben. Aber ich – und auch die anderen Spielerinnen – wachsen natürlich mit den Aufgaben.

SPORT1: Fragen die jüngeren Spielerinnen bei Ihnen nach Ratschlägen?

Poll: Das kommt natürlich ab und an vor, aber alle wissen, dass ich ein offenes Ohr habe. Die jungen Spielerinnen sind manchmal noch etwas scheu, dann gibt man ihnen eher mal einen Rat. Das weiß ich noch von mir früher, da gingen die älteren Spielerinnen eher auf einen zu und gaben Ratschläge, weil man sich selbst nicht immer getraut hat.

SPORT1: Was würden Sie sich denn persönlich wünschen, was den Ausgang der EM angeht?

Poll: Eine Medaille wäre natürlich ein Traum, aber wir sollten keinen Höhenflug kriegen, weil wir Gruppensieger geworden sind. Das Turnier ist noch nicht beendet und wir dürfen uns nicht auf den Lorbeeren ausruhen, weil auch die Gegner nicht einfacher werden. Das Halbfinale zu erreichen, wäre schon ein Traum, aber der Weg dorthin wird hart.

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