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Biathlon-WM: Denise Herrmann - vom Langlauf zur Biathlon-Weltmeisterin
Denise Herrmann steht nach ihrem WM-Gold so richtig im Rampenlicht © Getty Images
Lesedauer: 4 Minuten
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München - Denise Herrmann feiert mit dem WM-Gold den größten Erfolg ihrer Karriere. Für Ex-Biathlet Fritz Fischer ist der Erfolg der 30-Jährigen keine Überraschung.

Es kommt selten vor, dass Sportler im Alter von 30 Jahren den größten Erfolg ihrer Karriere feiern. Doch Denise Herrmann hat genau das geschafft.

Die Biathletin triumphierte am Sonntag in der Verfolgung bei der Biathlon-WM in Östersund und gewann ihren ersten Weltmeistertitel, ja sogar ihre erste Einzelmedaille bei einem Großereignis überhaupt.

"Ich bin verdammt stolz auf das, was passiert ist", gab Herrmann nach ihrem Sensationssieg, den sie vor allem einer coolen Schießleistung zu verdanken hat, zu Protokoll.

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Für den ehemaligen Biathleten Fritz Fischer war der Sieg der Umsteigerin aber keine Überraschung. "Sie hat letztes Jahr in Östersund zwei Weltcups gewonnen, ist mit die schnellste Läuferin und stammt aus dem Langlauf-Bereich", sagte er im Gespräch mit SPORT1.

Denn erst vor drei Jahren stieg die gebürtige Thüringerin von Langlauf auf Biathlon um und ging damit volles Risiko. Denn bei den Langlauf-Spezialisten konnte sie im Sprint-Bereich mit der Weltklasse mithalten und gewann bei Olympia 2014 mit der Staffel Bronze. Eine Einzelmedaille schien wegen der Dominanz der skandinavischen Läuferinnen in unerreichbarer Ferne.

Herrmann mit kurioser Schießübung

Diesen Traum hat sie sich nun aber im Biathlon erfüllt. Und das, obwohl sie das Schießen von Grund auf neu lernen musste. Dabei schreckte sie auch vor ungewöhnlichen Trainingsmethoden nicht zurück. So versah Herrmann ihre Hängeschränke in der Küche mit Zielscheiben und machte mit dem Gewehr Halteübungen.

"Bei ihr sieht man, was in zwei Jahren möglich ist, wenn man täglich seinen Job macht. Natürlich verfügt sie über ein großes Talent, der Rest ist knallharte Arbeit", erklärte Fischer den Erfolg von Herrmann: "Sie hat gemerkt, dass sie an ihrem Stützpunkt in Ruhpolding ein super Team um sich herum hat, speziell mit Laura Dahlmeier als Trainingskollegin."

Das sportliche Talent wurde Herrmann schon in die Wiege gelegt - ihr Vater Lutz spielte in der DDR-Oberliga Handball. Ihre kleine Schwester Nadine eifert ihr als Langläuferin nach und träumt davon, mit der älteren Schwester gemeinsam zu Olympia zu fahren.

Wechsel ins Sportinternat mit zwölf Jahren

Bereits mit zwölf Jahren verließ Herrmann bereits ihren Heimatort Bockau und zog ins 35 Kilometer entfernte Sportinternat nach Oberwiesenthal. Mit Beharrlichkeit und Akribie arbeitete sie sich von dort aus zur besten deutschen Langläuferin nach oben.

2016 dann der plötzliche Wechsel zum Biathlon. "Ich habe dem Langlauf sehr viel zu verdanken, es war eine tolle Zeit mit vielen Highlights, jetzt möchte ich mich neuen Zielen stellen", ließ Herrmann damals verlauten.

Der Neustart verlief freilich nicht reibungslos. Extraeinheiten am Schießstand, Serien von fünf Fehlern, Platzierung um die 50. Doch all das war Herrmann bewusst, als sie sich umorientierte.

Drei Jahre später ist sie als Biathletin am erfolgreichsten Punkt ihrer Sportlerlaufbahn angekommen. Bezeichnend, dass dies in Östersund geschah, wo sie vor Jahresfrist ihren ersten Weltcupsieg in der neuen Sportart feierte.

Besondere Beziehung zu Östersund

Herrmann verriet nach der Goldmedaille ihre besondere Beziehung zu dem schwedischen Örtchen: "Ich liebe diesen Ort. Es ist toll, wenn man an einen Ort zurückkehrt, an den man tolle Erinnerungen hat. Ich mag die Strecke, und der Schießstand passt zu mir auch besser als andere im Weltcup."

Als Weltmeisterin möchte sie nun zeigen, dass auch auf anderen Strecken mit ihr zu rechnen ist. DSV-Trainer Fischer traut ihr das zu: "Sie hat bewiesen, dass sie die Weltbeste sein kann. Das muss sie in die nächsten Rennen mitnehmen, denn Form und Material passen aktuell."

Das Kapitel Langlauf spielt nur noch in ihrem Privatleben – Herrmann ist mit Langläufer Thomas Wick liiert - eine Rolle.

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