Kein normaler Klopp-Neuling

Löst dieser Neuling Klopps großes Problem?
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Löst dieser Neuling Klopps großes Problem?

Vitaly Janelt ist einer von elf Neulingen, die Bundestrainer Jürgen Klopp für die deutsche Nationalmannschaft nominiert hat. Doch im Gegensatz zu vielen anderen Debütanten bringt der 28-Jährige deutlich mehr Erfahrung mit – und offenbar auch ein gesundes Maß an Selbstbewusstsein.

An Erfahrung im Nationaltrikot mangelt es Vitaly Janelt nicht einmal. Der Mittelfeldspieler durchlief sämtliche Nachwuchsteams des DFB und gehörte 2021 jener U21-Auswahl an, die mit Spielern wie Florian Wirtz und Nico Schlotterbeck den EM-Titel gewann. Zu den früheren Jahren seiner Karriere gehört allerdings auch ein unschöneres Kapitel, das so mancher offenbar nicht vergessen hat. Darauf wurde der 28-Jährige am Dienstag von einem Journalisten angesprochen. 

Genau zehn Jahre ist es her, dass der damals 18-Jährige in einen Eklat verwickelt war. Während eines Lehrgangs der U19-Nationalmannschaft in Albanien soll eine Shisha-Pfeife im Hotelzimmer von Janelt und Idrissa Touré in Brand geraten sein – das entdeckte offenbar eine Mitarbeiterin, während die Mannschaft trainierte. Die Folgen waren drastisch. Beide wurden von Trainer Frank Kramer suspendiert und vorzeitig nach Hause geschickt. Und auch bei Janelts Ex-Verein RB Leipzig blieb der Vorfall nicht folgenlos.

Sportdirektor Ralf Rangnick zog die Reißleine und trennte sich von beiden Spielern. Hinzu kamen eine Geldstrafe sowie Sozialstunden. Damals bestritten beide, die Shisha selbst mitgebracht und geraucht zu haben.

Vitaly Janelt bekommt wohl seine Chance gegen Serbien
Vitaly Janelt bekommt wohl seine Chance gegen SerbienVitaly Janelt bekommt wohl seine Chance gegen Serbien© IMAGO/Nordphoto

Heute blickt Janelt deutlich gelassener auf diese Zeit zurück. „Am Ende des Tages bin ich zehn Jahre älter. Ich habe eine kleine Tochter, jeder wird mal erwachsen“, sagte der 28-Jährige in einer Medienrunde: „Ich glaube, dass da jeder seine Fehler daraus ziehen muss. Ich habe das relativ schnell erkannt. Was war, das war.“ Und jetzt startet ein neues Kapitel. 

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Vitaly Janelt: Der „Unsung Hero“

Während Tourés Nationalmannschaftskarriere damals praktisch endete, kämpfte sich Janelt nun zurück. Über den VfL Bochum führte sein Weg nach England zum FC Brentford. Dort entwickelte er sich zu einem der konstantesten und wichtigsten Spieler des Premier-League-Klubs. Nun könnte die außergewöhnliche Geschichte ihren vorläufigen Höhepunkt finden: Janelt steht vor seinem Debüt in der A-Nationalmannschaft, möglicherweise schon am Donnerstag gegen Serbien (ab 20:45 Uhr im LIVETICKER) oder am Sonntagabend in Griechenland.

Darauf musste er lange warten. Anders als Schlotterbeck oder Wirtz erhielt Janelt lange nie den ersehnten Anruf eines Bundestrainers, obwohl seine Leistungen ihn längst zu einem Kandidaten gemacht hatten. In Brentford etablierte er sich über Jahre als feste Größe im defensiven Mittelfeld, in nahezu jeder Saison absolvierte er mindestens 30 Pflichtspiele. Lediglich ein Fußbruch bremste ihn in der vergangenen Spielzeit aus. Sein früherer Trainer Thomas Frank adelte ihn einst als „Unsung Hero“, als unbesungenen Helden also, dessen Wert oft erst dann sichtbar wird, wenn er fehlt.

Janelt ist einer, der gerne organisiert, das Aufbauspiel strukturiert und die Balance zwischen den Mannschaftsteilen hält. Robust in den Zweikämpfen, laufstark gegen den Ball und sauber im Passspiel. Trotzdem blieb das Nationalteam für lange Zeit außer Reichweite. „Ich hatte irgendwann keine Lust mehr, in Interviews darüber zu reden“, betonte er: „Wenn der Trainer Bock hat auf mich, hat er Bock. Wenn nicht, dann nicht. Brentford ist nicht Chelsea, Manchester United, Manchester City. Da ist es nicht ganz so einfach. Aber ich bin niemandem böse oder sauer.“

Empfiehlt sich Janelt auf der Kimmich-Position?

Nun ist die Chance endlich da. Bundestrainer Jürgen Klopp berief Janelt erstmals. Der 28-Jährige gehört damit zu den elf Neulingen im Aufgebot – bringt im Gegensatz zu vielen anderen aber bereits reichlich Erfahrung mit. Auch deshalb trat Janelt vor seinem möglichen DFB-Debüt auffallend selbstbewusst auf. Der körperbetonte englische Fußball hat es Klopp angetan, Janelt verkörpert genau diese Eigenschaften. Und er selbst weiß, was er einbringen kann: „Ich bin ein Teamspieler. Ich mache die Drecksarbeit für die Jungs vor mir.“

Er „versuche, ein Bindeglied zwischen den jüngeren und den älteren Spielern zu sein. Das ist eine Stärke von mir.“ Dass er die Dimension dieser Möglichkeit erkannt hat, daraus machte er keinen Hehl: „Das ist mit die letzte Chance für mich, bei dem einen oder anderen großen Turnier dabei zu sein.“ Und offensichtlich spürt er auch, dass im zentralen Mittelfeld des Teams noch längst nicht alle Rollen fest vergeben sind. Unter anderem die gestandenen Felix Nmecha und Joshua Kimmich machten dort zuletzt nicht immer eine gute Figur. 

Vor der Abwehr fehlte es der deutschen Nationalmannschaft des Öfteren an Stabilität. Der Akteur des FC Brentford könnte also genau diese Lücke schließen und damit zu einer wichtigen Lösung für Klopp werden. Jedenfalls tritt Janelt in seiner ersten Woche im DFB-Kreis so auf, als wolle er mehr sein als nur ein Kandidat auf Probe. Nach einer Karriere mit Umwegen, Rückschlägen und jahrelanger Geduld könnte für Janelt nun genau die Bühne kommen, auf die er lange warten musste.