Das steckt hinter dem Ende der Ära Markus Krösche
"Die Champions League war eine Nummer zu groß"
Markus Krösche und Eintracht Frankfurt gehen getrennte Wege. Was für viele überraschend kam, bahnte sich schon vor einigen Monaten an. Das sind die Details.
Es war ein Paukenschlag am Sonntagabend: Markus Krösche ist nicht mehr länger Sportvorstand von Eintracht Frankfurt, wurde mit sofortiger Wirkung auf eigenen Wunsch freigestellt.
Zur Wahrheit gehört aber auch: Die vorzeitige Trennung hatte sich schon über Monate hinweg angebahnt. Im Sommer 2026 wurde allen Beteiligten nach und nach klar, dass Krösche seinen Vertrag (bis 30. August 2028) nicht erfüllen wird.
Das Krösche-Aus hatte sich angebahnt
Im August berichtete SPORT1 von einem potenziellen Abschied des Kaderplaners und enthüllte die Ausstiegsklausel in seinem Vertrag: Für circa drei bis vier Millionen Euro hätten im Winter ausgewählte Vereine zuschlagen können – darunter der FC Bayern, Borussia Dortmund und einige Top-Klubs aus der Premier League. Ob und inwiefern diese Klausel nun im „angepassten“ Vertrag abgeändert wurde, bleibt abzuwarten. Fest steht: Die Eintracht kann und wird höchstwahrscheinlich eine Ablöse verlangen.
Derweil hätten die Eintracht-Bosse um Präsident Mathias Beck eigentlich gerne mit Krösche verlängert, waren sie doch sehr zufrieden mit der Arbeit des 46-Jährigen. Doch der gebürtige Hannoveraner hat nun mal andere Pläne.
SPORT1 berichtete bereits im Sommer, dass sich Krösche nach einer neuen Herausforderung sehnt. „In den vergangenen Monaten habe ich mich intensiv mit meiner persönlichen Situation und meiner beruflichen Zukunft beschäftigt. Nach über fünf sehr erfolgreichen, aber auch sehr fordernden Jahren bei diesem großartigen Klub habe ich seit einiger Zeit das Gefühl entwickelt, dass ich eine Veränderung brauche – und der Eintracht womöglich ein neuer Impuls auch helfen könnte“, bestätigte Krösche nun.
Den ehemaligen Zweitliga-Profi zieht es wohl ins Ausland. Denn: Ein Engagement bei den Bayern oder beim BVB scheint maximal unwahrscheinlich. Max Eberl verlängerte seinen Vertrag beim deutschen Rekordmeister jüngst. Und auch Dortmunds Kaderarchitekt Ole Book sitzt erstmal fest im Sattel. Andere deutsche Klubs waren für Krösche nicht infrage gekommen.
Im zweiten Anlauf könnte es mit Milan klappen
Im Juni kursierten Gerüchte über ein mögliches Engagement bei der AC Mailand, doch daraus wurde erstmal nichts. Krösche lehnte das lukrative Angebot ab und entschied sich für einen Verbleib. Vier Monate später suchen die Rossoneri immer noch nach einem neuen Sportvorstand – das Interesse an Krösche ist weiterhin vorhanden. Und es kommt sogar noch besser: Über die Vertragsmodalitäten waren sich beide Parteien grundsätzlich schon einig. Laut italienischen Medienberichten hat Milan bereits erneut Kontakt aufgenommen.
Und England? Der Sportdirektor-Posten beim FC Liverpool ist inzwischen nachbesetzt. Aber da wären ja noch andere Klubs auf der Insel. In der Vergangenheit hatte bereits unter anderem Tottenham Hotspur vorgefühlt. Auch Manchester United hat Krösche auf dem Radar. Unlängst prüfte der FC Arsenal ein Engagement, auch wenn es bislang noch nicht zu konkreten Gesprächen, geschweige denn Verhandlungen, kam. Klar ist aber: Das Interesse aus England bleibt bestehen.
Und wer folgt in Frankfurt auf Krösche? Die Suche läuft auf Hochtouren. Zu den Kandidaten zählen unter anderem Christoph Spycher von den Young Boys Bern, Joti Chatzialexiou vom 1. FC Nürnberg und Horst Heldt von Union Berlin. Eine Rückkehr von Fredi Bobic oder Pirmin Schwegler wurde zwar intern diskutiert, gehören aber nicht zu den Wunschlösungen. Zunächst einmal wurde Axel Hellmann am Sonntag zum Vorstandsvorsitzenden ernannt. Er übernimmt interimsweise die Aufgaben des Sportvorstands.
Konzeptuelle Neuausrichtung bei Eintracht Frankfurt
Bei den Adlerträgern steht derweil neben personellen Veränderungen auch eine konzeptuelle Neuausrichtung an. Billig einkaufen und teuer verkaufen? Schön wär’s, doch die Preise für junge Talente sind explodiert – das Risiko ist enorm hoch. In Zukunft sollen die Top-Talente wieder vermehrt aus dem eigenen Nachwuchsleistungszentrum kommen und der Fokus auf die eigene Jugendarbeit nochmal intensiviert werden.
Am Montag findet in Frankfurt erstmal die Mitgliederversammlung statt. Die Wiederwahl von Präsident Beck gilt als sicher. Dort soll auch zum Ausdruck gebracht werden, dass man mit der Arbeit von Trainer Adi Hütter im Großen und Ganzen zufrieden ist. Und vielleicht gibt es ja auch schon einen ersten Hinweis, was den Nachfolger von Krösche angeht. Er selbst wird sich am Montag persönlich verabschieden, das ist ihm wichtig.
Krösches Amtszeit in Frankfurt endet also früher. Der Manager hat bei der SGE Großes geleistet und kaum für möglich gehaltene Transferüberschüsse erzielt. „Die vergangenen Jahre bei Eintracht Frankfurt waren für mich eine außergewöhnliche, intensive und unvergessliche Zeit. Wir haben gemeinsam große Erfolge gefeiert und den Klub sportlich wie wirtschaftlich weiterentwickelt“, so Krösche.
Dabei stechen besonders die Transfers von Randal Kolo Muani (kam 2022 ablösefrei vom FC Nantes und wechselte ein Jahr später für 95 Millionen Euro zu Paris Saint-Germain), Omar Marmoush (kam 2023 ablösefrei vom VfL Wolfsburg und wechselte anderthalb Jahre später für 75 Millionen Euro zu Manchester City) und Hugo Ekitiké (kam 2024 für 31,5 Millionen Euro von Paris Saint-Germain und wechselte ein Jahr später für 95 Millionen zum FC Liverpool) ins Auge. Krösches Nachfolger wird in große Fußstapfen treten.