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München - Während der Coronakrise ruht auch die Darts-Welt weitestgehend. Michael van Gerwen verrät im SPORT1-Interview, was er über den deutschen Dartssport denkt.

Die HYLO CARE PDC Europe Superleague 2020 (Der finale Showdown am Sonntag ab 14.30 Uhr im Stream, ab 15 Uhr im TV und Stream) ist aktuell eine der wenigen Live-Sportveranstaltungen.

Doch auch die Darts-Profis mussten in den vergangenen Monaten wegen der Coronakrise zurückstecken. Einige Turniere fielen aus, sie waren hauptsächlich auf Training angewiesen.

SPORT1 sprach mit Superstar Michael van Gerwen darüber, wie er die schwierige Zeit erlebt und ob er die WM-Niederlage gegen Peter Wright schon verarbeitet hat.

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Dazu gibt "Mighty Mike" seine Einschätzungen zu den deutschen Darts-Stars Gabriel Clemens und Nico Kurz - und erklärt, warum ihm die deutsche Szene Angst einjagt.

SPORT1: Herr van Gerwen, am 1. April wurden Sie zum zweiten Mal Vater. Herzlichen Glückwunsch dazu! Wie haben Sie das erlebt?

Michael van Gerwen: Es war sehr komisch, weil wir wegen Corona nicht ins Krankenhaus konnten. So haben wir uns für eine Geburt daheim entschieden. Es ist zum Glück alles gut gegangen und es ist einfach nur ein tolles Gefühl. Und obwohl ich schon Vater war, wir haben ja schon unsere Tochter Zoe, war es einfach unbeschreiblich.

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SPORT1: Die Coronakrise trifft auch den Dartssport hart. Was vermissen Sie aktuell am meisten?

Michael van Gerwen: Am meisten vermisse ich es, auf der Bühne zu stehen und mich vor Publikum auf höchstem Level messen zu können. Ich bin ein Profi. Ich weiß, was ich zu tun habe und möchte das zeigen. Es liegt auch in der eigenen Verantwortung, sich in Form zu halten, damit man bereit ist, wenn es wieder losgeht.

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SPORT1: Vor zwei Wochen hat in Deutschland die Superleague begonnen. Was wissen Sie über diese Veranstaltung und was denken Sie über Darts ohne Zuschauer?

Michael van Gerwen: Ich habe natürlich davon gehört, gesehen habe ich allerdings nichts davon. Aber ich denke, es ist ein guter Kompromiss, um den Fans und Spielern etwas zu bieten. Einerseits ist es nicht so einfach, ohne Zuschauer zu spielen, auf der anderen Seite weiß ich nicht, ob es alle Spieler bei der Superleague gewohnt sind, vor vielen Menschen zu spielen.

Van Gerwen: Clemens ist richtig gut

SPORT1: Gabriel Clemens ist einer der Topfavoriten der Superleague. Sie kennen ihn ebenfalls. Was denken Sie über ihn?

Michael van Gerwen: Gabriel Clemens ist ein richtig guter Spieler. Ich kenne ihn sehr gut von der Tour und wir haben viel Spaß miteinander. Sein Spiel wirkt so einfach und er bringt eine Menge Talent mit. Er hat noch ein paar Schwächen, manchmal bräuchte er noch etwas mehr Angriffslust und Power in seinem Spiel. Aber die Art, wie er auftritt und auch schon große Namen geschlagen hat, ist gut für das deutsche Darts.

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SPORT1: Ein anderer großer Name in Deutschland ist Nico Kurz. Was halten Sie von ihm und was erwarten Sie von ihm in der Zukunft?

Michael van Gerwen: Er hat noch eine Menge zu lernen. Bei der Weltmeisterschaft war noch alles neu für ihn. Er hat das dort sehr gut gemacht und hat einen starken Wurf. Aber er ist noch am Anfang. In der PDC muss man immer einen Schritt nach dem anderen machen. Egal, ob man wie ich an der Spitze ist oder noch etwas weiter unten, man muss immer dazulernen. Daher hat auch er noch viel zu lernen, aber er ist ein guter Junge und gut für die Darts-Welt.

Van Gerwen: In Deutschland lauern 100 Stars

SPORT1: In der Super League hat Gabriel Clemens die Gruppe A gewonnen. Gruppe B konnte Daniel Klose für sich entscheiden. Sagt Ihnen der Name was?

Michael van Gerwen: Nein, sorry. Von ihm hab ich noch nie gehört. Aber es gibt viele deutsche Dartsspieler, von denen ich noch nie gehört habe. Das Wichtigste ist, dass das deutsche Darts immer größer und besser wird. Ich bin mir ziemlich sicher, dass da noch 100 Stars in Deutschland lauern, die nur noch nicht ihr Talent entdeckt haben. Aber lasst sie ruhig weiter auf der Couch sitzen. Ich will meine Krone noch eine Weile behalten.

SPORT1: Wir haben gehört, Sie wollen in einigen Wochen nach Hannover zu einem besonderen Event reisen. Was erwarten Sie von dem Cinema-Darts, das die Zuschauer per Drive-in verfolgen?

Michael van Gerwen: Ich habe keine Ahnung, was mich da erwartet. Ich hoffe, dass viele Menschen kommen. Als Dartsspieler möchte ich vor so vielen Zuschauern wie möglich spielen. Es ist etwas Neues, aber wir müssen neue Wege gehen. Es wird nicht einfach, aber wenn wir nichts ausprobieren, wird sich auch nichts weiterentwickeln.

SPORT1: Und Sie wollen vielleicht auch ein Auto waschen?

Michael van Gerwen: Wir werden einige Fensterscheiben putzen. Es ist ein Spaß und so etwas gehört zu einem Spaß-Event mit dazu. Wir wollen einfach miteinander Lachen und eine gute Zeit haben. Das ist Darts. Einfach mal an nichts anderes denken müssen und Spaß daran zu haben, Darts zu schauen. Das Leben ist zu kurz, um keinen Spaß zu haben.

MvG glaubt an WM im Ally Pally

SPORT1: Glauben Sie, dass eine Weltmeisterschaft im Dezember realistisch ist?

Michael van Gerwen: Ich gehe fest davon aus. Natürlich hängt es davon ab, wie sich die Dinge bis dahin entwickeln. Aber ich wünsche es uns Spielern und allen Fans, dass die Weltmeisterschaft stattfinden wird. Aber wir haben noch so viele Events davor - sei es die Premier League oder das Matchplay – daher müssen wir abwarten, was die einzelnen Regierungen für Maßnahmen beschließen und dann können wir Schritt für Schritt vorangehen.

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SPORT1: Glauben Sie, dass der Ally Pally ohne Fans Sinn macht?

Michael van Gerwen: Das ist eine schwierige Angelegenheit. Hoffentlich verkündet die PDC bald, wie sie sich entscheidet. Da sind auch noch andere Dinge, die für mich wichtig sind. Wie viel Distanz muss ich zum Beispiel zum Gegner halten?

SPORT1: Bei der vergangenen Weltmeisterschaft unterlagen Sie im Finale Peter Wright. Schmerzt es immer noch?

Michael van Gerwen: Nein. Natürlich hatte ich damit ein bisschen zu kämpfen. Aber ich habe selbst verloren. Niemand anderes trägt die Schuld dafür. Daher muss man dafür sorgen, dass man das nächste Mal besser spielt. Danach bin ich auch zu Winmau als Sponsor gewechselt. Daher war es eine schwere Zeit für mich. Aber man muss schauen, dass es dann wieder bergauf geht. Manchmal gewinnt man und manchmal verliert man. Und jede Niederlage macht einen stärker.

"Ich bin immer hungrig"

SPORT1: Sie sind natürlich immer noch die Nummer eins. Aber wie klingt das Wort Ex-Weltmeister für Sie?

Michael van Gerwen: Ich habe immer noch drei Weltmeistertitel. Dazu habe ich rund 140 PDC-Events gewonnen. Da muss ich mich nicht selbst bemitleiden.

SPORT1: Und Sie sind immer noch hungrig?

Michael van Gerwen: Ich bin immer hungrig. Gerade in der aktuellen Phase habe ich gemerkt, wie sehr ich es vermisse, auf der Bühne zu stehen. Ich bin heiß darauf, wieder zu spielen und das ist fabelhaft.

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