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Martin Schindler spricht bei SPORT1 über Rob Cross und seinen Sieg über Michael van Gerwen
Martin Schindler spricht bei SPORT1 über Rob Cross und seinen Sieg über Michael van Gerwen © Imago
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München - Martin Schindler kann die Kritik von Rob Cross am deutschen Publikum kaum nachvollziehen. Vor dem World Matchplay spricht er bei SPORT1 auch über seinen Coup gegen MvG.

Nach den German Darts Masters steigt mit dem World Matchplay (LIVE im TV auf SPORT1) schon das nächste Highlight im Darts.

Das Event in Blackpool gilt nach der WM als das Turnier mit dem größten Prestige. Martin Schindler ist in diesem Jahr zwar nicht als Spieler dabei, kommentiert aber für SPORT1 die Partien um die Phil Taylor Trophy.

Im Interview spricht der 22-Jährige über seinen Sensationssieg gegen Michael van Gerwen vor einer Woche, die Kritik von Rob Cross am deutschen Publikum und die Favoriten für das PDC World Matchplay.  

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SPORT1: Herr Schindler, am vergangenen Wochenende sorgten Sie beim German Darts Masters mit dem Sieg über Michael van Gerwen für die große Sensation. Haben Sie schon realisiert, was Ihnen da gelungen ist?

Martin Schindler: Ja, natürlich. Ich muss aber auch ehrlich sagen, es war ein normales Darts-Spiel und van Gerwen war auch nicht so gut. Er hat mich wieder ins Spiel reingelassen. Ich habe ihn später noch mal getroffen. Er meinte dann, 'der einzige, dem ich die Schuld geben kann, bin ich selbst'. Es war natürlich eine krasse Sache, als ich gewonnen habe. Da ist man super happy.

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SPORT1: Zumal Sie ja schon mit 1:5 zurückgelegen hatten. Hatten Sie mit dem Match zu diesem Zeitpunkt schon abgeschlossen?

Schindler: Ich habe überhaupt nicht damit abgeschlossen. Ich hab‘ einfach weitergespielt und alles gegeben, was ich konnte. Das Spiel aufgegeben habe ich zu keiner Sekunde, auch wenn ich wusste: ein Leg noch, und van Gerwen ist durch. Als ich 1:5 hinten lag, war mir das schon bewusst. Aber als es dann 3:5, 4:5 stand, war der Gedanke weg.

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SPORT1: Hat Ihnen van Gerwen denn auch gratuliert?

Schindler: Er hat mich schon beglückwünscht. Er ist ein sehr fairer Verlierer. Er kann sehr gut mit Niederlagen umgehen. Das macht ihn mental auch sehr stark. Ich habe ihn ja schon einmal geschlagen. Da hat er sich auch nichts anmerken lassen.  

SPORT1: Wie fielen ansonsten die Reaktionen der Darts-Welt aus?

Schindler: Wir waren zwei, drei Tage später noch bei den Players Championships. Da haben mir sehr viele Spieler gratuliert. Ich glaube, es ist vorher auch noch nie jemandem gelungen, ein Spiel gegen van Gerwen nach so einem Rückstand noch zu drehen. Dementsprechend gab es natürlich schon eine sehr positive Resonanz, vor allem von den englischen Spielern - aber auch von den deutschen.

SPORT1: Rob Cross hat das deutsche Publikum nach den German Darts Masters als respektlos bezeichnet. Können Sie die Kritik nachvollziehen?

Schindler: Auf der einen Seite ja, auf der anderen Seite nicht. Man kann Darts zwar schwer mit anderen Sportarten vergleichen. Aber was die Zuschauer angeht, ist es bei anderen Sportarten nicht anders. Wenn 1860 München in der Allianz Arena bei den Bayern spielt, wird 1860 wohl kaum bejubelt werden. Das gleiche gilt für die Schalker, wenn sie in Dortmund spielen. Da gibt es auch Pfiffe. Beim Darts gibt es Spieler wie Gerwyn Price. Der kommt damit klar, dass die Fans so sind wie sie sind. Man muss auch sagen, dass Rob Cross etwas gegen die Pfiffe hätte unternehmen können. Er hat sich teilweise mit dem Publikum angelegt. Das war ein Fehler.

SPORT1: Die Kritik traf indirekt auch die deutschen Spieler, denen er vorwarf, nur wegen der Unterstützung so gut zu sein.

Schindler: Nur weil die Fans pfeifen oder buhen, macht es die Sache für uns deutsche Spieler nicht leichter. Im Gegenteil, das macht es für uns schwerer. Wir freuen uns natürlich über die Unterstützung. Aber auch für uns ist es schwierig, die laute Kulisse auszublenden. Dass Gegner der heimischen Fans ausgepfiffen werden, habe ich übrigens auch schon in anderen Ländern erlebt. Die Schotten stehen zum Beispiel auch sehr hinter ihren Spielern. Wenn Gary Anderson zum Beispiel gegen Phil Taylor gespielt hat, waren auch schon Pfiffe gegen Taylor dabei. Ob das nun dazu gehört oder nicht, muss jeder für sich selbst wissen.

SPORT1: Kommen wir zum World Matchplay. Wer sind für Sie die Favoriten?

Schindler: Definitiv van Gerwen. Man muss aber auch Spieler nennen wie Gary Anderson oder Peter Wright, der in den letzten Tagen drei Turniere gewonnen hat. Auf der anderen Seite ist die Distanz zu Beginn auch nicht so lang. Das Niveau ist höher geworden. Da kann auch in der ersten Runde schon ein Topgesetzter auf Wiedersehen sagen.

SPORT1: Glauben Sie, dass van Gerwen nach der Niederlage gegen Sie noch motivierter auftritt?

Schindler: Das glaube ich nicht. Der ist abgebrüht genug. Bei MvG ist es so: Sobald er die Bühne verlässt, ist das Ding für ihn quasi vergessen. Er wird wieder sehr motiviert sein, allein weil es das World Matchplay ist.

SPORT1: Wie erklären Sie sich das beeindruckende Comeback von Peter Wright?

Schindler: Er ist ein Darts-Profi. Es gibt Phasen, da läuft es schlecht. Dann nagt es am Selbstvertrauen. Aber wenn man dann ein Turnier gewinnt, pusht einen das ungemein, allein vom Kopf her. Wright wird deshalb viel selbstbewusster auftreten.

SPORT1: Was trauen Sie Max Hopp zu?

Schindler: Er muss erstmal schauen, dass er Dave Chisnall in Runde eins schlägt. Das ist ein etablierter Profi. Aber wenn er in den richtigen Momenten da ist und die Nerven behalten kann, traue ich ihm gegen Chisnall den Sieg zu. In der zweiten Runde könnte es schon gegen Michael Smith gehen. Auch das ist definitiv keine einfache Hürde. Wenn er bei den Finishes die Nerven bewahrt, könnte er die eine oder andere Runde gewinnen.

SPORT1: Was sind Ihre nächsten großen Ziele?

Schindler: Ich will mich jetzt erst einmal auf die Pro Tour konzentrieren, damit ich die Quali für die WM schaffe. Ich möchte aber eines Tages auch gerne bei der Premier League mitspielen, obwohl das mit viel Reisen verbunden wäre. Da hätte ich schon Bock drauf. Das würde ja auch heißen, dass ich ganz oben in der Darts-Szene angekommen bin.

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