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Corona als Schreckgespenst: Auch in Nürnberg geht die Angst um
Corona als Schreckgespenst: Auch in Nürnberg geht die Angst um © Imago
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München - Einige Bosse der DEL-Klubs sehen das deutsche Eishockey im Überlebenskampf. Die aktuellen Regelungen würden gar die Nationalmannschaft in Gefahr bringen.

Geschäftsführer Philipp Walter vom Traditionsklub Kölner Haie sieht den deutschen Eishockeysport in großer Gefahr (Spielplan der DEL).

"Mit 20 Prozent Zuschauern und ohne staatliche Hilfen geht es nicht. Man muss kein Mathe-Genie sein, um zu merken, dass es nicht hinhaut. Unser Geschäftsmodell wird gerade verboten", sagte Walter dem SID.

Haie-Boss: "Schlag in die Magengegend"

Sollten die Zuschauerzahlen nicht angehoben werden oder Ausgleichszahlungen stattfinden, "dann gibt es kein Profi-Eishockey mehr in Deutschland, dann gibt es auch keine Nationalmannschaft mehr", ergänzte Walter in der ARD: "Dessen müssen sich alle bewusst sein."

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Die Entscheidung der Chefs der Staatskanzleien für eine sechswöchige Testphase, in der bei Veranstaltungen mit mehr als 1000 Zuschauern 20 Prozent der Plätze besetzt werden dürfen, bezeichnete Walter als "Schlag in die Magengegend". Durch Aussagen ranghoher Politiker seien "andere Hoffnungen geschürt" worden, nun müssen die Eishockeyklubs mit einem Wirtschaftsszenario umgehen, "das einem die Blässe ins Gesicht treibt".

DEL-Klubs benötigen Unterstützung

Die Deutsche Eishockey Liga (DEL) ist von allen deutschen Profiligen außer dem Fußball die mit dem größten Zuschauerschnitt (6523 in der Saison 2019/20).

Die Klubs finanzieren sich fast ausschließlich über Ticketverkäufe sowie den Merchandising- und Catering-Erlöse an Spieltagen. Bei den Kölner Haien machen diese Posten 60 bis 80 Prozent des Gesamtbudgets aus, deshalb forderte Geschäftsführer Walter: "Es braucht jetzt schnelle Lösungen, denn so können wir nicht spielen. Es geht nur, wenn wir staatliche Unterstützungen bekommen und das Geld ausgeglichen wird."

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Die Bundesregierung hat zwar in ihrem Konjunkturpaket eine Hilfszahlung von bis zu 800.000 Euro pro Klub vorgesehen, doch bei der Umsetzung gibt es Probleme. So besagt zum Beispiel eine EU-Richtlinie, dass bei einer solchen Hilfe der Antragsteller bis zum 31. Dezember 2019 kein negatives Eigenkapital aufweisen dürfe. Diese Bestimmung soll zwar nicht für Kleinunternehmen gelten, doch gerade größere Klubs zählen aufgrund ihres Umsatzes und ihrer Mitarbeiter-Anzahl nicht dazu.

Hopp: "Müssen an einem Strang ziehen"

Die Hoffnung lautet: Die sechswöchige Testphase verläuft sportartenübergreifend ohne größere Coronafälle und die Politik lässt sich vor dem anvisierten DEL-Saisonstart am 13. November auf eine Aufstockung ein. Alle Profiklubs müssten nun "an einem Strang ziehen", sagte Gesellschafter Daniel Hopp von Adler Mannheim dem SID, damit es "schrittweise zu weiterführenden Öffnungen" komme.

Aber auch die erhoffte Aufstockung auf 40 bis 60 Prozent, so DEL-Aufsichtsratsmitglied Lothar Sigl, "liegt schon nah an der roten Linie zur Wirtschaftlichkeit."

Ice Tigers schlagen Alarm: "Kein Überleben möglich"

Auch Wolfgang Gastner, Hauptgesellschafter der Nürnberg Ice Tigers, sieht auch nach der begrenzten Zulassung von Zuschauern die Zukunft vieler Profisportklubs in Deutschland gefährdet. In den Sportarten Eishockey, Basketball und Handball sei es ein "Draufzahlgeschäft", wenn die Hallen nur zu 20 Prozent ausgelastet seien. "Das bringt uns nicht viel weiter. So ist kein Überleben möglich. So machst du die Vereine kaputt", sagte Gastner dem SID.

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Die Ministerpräsidentenkonferenz hatte am Dienstag entschieden, dass bei Einhaltung von Hygienevorschriften Stadien und Hallen wieder bis zu 20 Prozent der Zuschauerkapazität gefüllt werden könnten. "Du hoffst auf einen Lichtblick, und dann kriegst du wieder so einen Genickschlag", sagte Gastner. Die Ice Tigers etwa dürften nun knapp 1600 Zuschauer zulassen, würden aber auch aufgrund der entstehenden Zusatzkosten "ein Minus machen". Erst ab etwa 40 Prozent Auslastung "kannst du die Saison mit Ach und Krach überleben", erklärte Gastner.

Straubing hofft auf mehr Zuschauer

Auch für die Straubing Tigers ist eine 20-prozentige Auslastung "definitiv nicht darstellbar", sagte Geschäftsführerin Gaby Sennebogen auf SID-Anfrage. Die Niederbayern dürfen lediglich 1150 Zuschauer in ihre Arena lassen. Sennebogen hofft, dass es nach der sechswöchigen Probephase zu "einer Erhöhung" kommt.

Nürnbergs Eishockey-Boss Gastner appellierte noch einmal an die Politik, den Profiklubs zu helfen. "Wir zahlen seit Jahren siebenstellige Beträge an Steuern und würden dies auch in den nächsten Jahren tun. Es wäre deshalb schön, wenn man uns in diesem einen Jahr auch mal mit einem siebenstelligen Betrag unterstützen würde." Stattdessen sei es so, dass man um den angekündigten Zuschuss des Bundes von maximal 800.000 Euro "auch noch kämpfen muss".

Unter den derzeitige Voraussetzungen, mahnte Gastner, "werden das Dutzende Profivereine nicht überleben, dann ist die Sportkultur am Boden". Ihm bleibe allein die Hoffnung, dass bis zum geplanten Spielbeginn der DEL am 13. November mehr Zuschauer zugelassen werden.

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