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München - Bei Borussia Mönchengladbach ist seit der Bekanntgabe von Marco Roses Abschied der Wurm drin. Es scheint so, als habe der Coach seine Wirkung auf das Team verloren.

Sieben Spiele in Folge ohne Sieg, in der Tabelle bis auf Rang zehn abgerutscht! 

Seit Trainer Marco Rose vor dreieinhalb Wochen seinen Abschied aus Mönchengladbach zum Saisonende angekündigt hat, geht es für die Elf vom Niederrhein kontinuierlich bergab. Zusätzlich zur Talfahrt in der Bundesliga setzte es mit dem Aus im DFB-Pokal (0:1 gegen Borussia Dortmund) einen weiteren Nackenschlag für die Fohlen-Elf. 

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Eberl: "Wir haben ein Problem"

Nach der 0:2-Niederlage im Achtelfinal-Hinspiel gegen Manchester City haben die Gladbacher auch in der Champions League nur noch theoretische Chancen aufs Weiterkommen. Trotz der anhaltenden Negativ-Serie betonte Sportdirektor Max Eberl zuletzt mehrfach, bis zum Saisonende am scheidenden Cheftrainer festhalten zu wollen.

Nach der 0:1-Heimniederlage gegen Bayer Leverkusen am Samstag gestand dann aber sogar er: "Wir haben ein Problem." Der 47 Jahre alte Eberl bezog sich dabei jedoch nicht auf seinen zunehmend glücklos wirkenden Trainer, sondern allein auf die sportliche Misere. (Spielplan und alle Ergebnisse der Bundesliga)

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Seit jenem Montag vor drei Wochen, an dem Rose seinen Wechsel zum BVB öffentlich gemacht hatte, verlor Gladbach fünf Pflichtspiele hintereinander und ließ in der Bundesliga jeglichen Kontakt zu den internationalen Plätzen abreißen. 

Und obwohl wegen der Pandemie keine Zuschauer im Stadion sind, bekommt Eberl die Reaktionen der Anhänger genau mit - und die sind gegenüber dem (Noch-) Trainer größtenteils negativ. Seit Rose seine Entscheidung bekannt gab, würde ihn der Großteil der Borussen-Fans lieber heute als morgen vom Hof jagen. 

Eberl wandte sich Anfang der Woche mit einem offenen Brief an die Fans und bat um Zusammenhalt in schwerer Zeit.  

"Ich habe in meinen zwölf Jahren als Sportdirektor hier schon so manche Höhen und Tiefen erlebt", erklärte er am Donnerstag auf der PK vor dem Spiel beim FC Augsburg. "Es war mir einfach ein Bedürfnis, mich direkt an die Fans zu wenden. Es war mir wichtig, dass ich mein Herz ausgeschüttet habe."

Seine Maßnahme verbucht er als Erfolg: "Es gab Resonanz in die eine und in die andere Richtung, aber ich spüre, dass ich die Menschen erreicht habe. Ich habe natürlich nicht alles drehen können, aber wir haben viel Verständnis dafür geerntet."

Benutzen die Gladbach-Stars Rose als Alibi? 

Dennoch macht es den Eindruck, als habe Roses Abschiedsankündigung etwas zwischen Trainer und Team zerstört, das den Kader zuvor mit der erforderlichen Motivation und Energie versorgt hat.

Und so drängt sich verstärkt die Frage auf: Verstecken sich die Spieler hinter dem Rose-Dilemma und benutzen ihren Coach als Alibi? 

Dafür, dass sie in der kommenden Saison wieder durch Europa touren dürfen, geben die Gladbach-Stars aktuell jedenfalls ziemlich wenig. Der letzte Sieg datiert vom 3. Februar. Damals war der Klub noch in allen drei Wettbewerben vertreten und hatte in der Bundesliga nur einen Punkt Rückstand auf die Champions-League-Plätze, mittlerweile sind es zehn. (Die Tabelle der Bundesliga)

An den Königsklassen-Ambitionen der einzelnen Spieler dürfte es kaum Zweifel geben. Daran, dass sie diese in der kommenden Spielzeit aber bedingungslos mit Borussia Mönchengladbach erleben wollen, schon.

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Droht Borussia Mönchengladbach der Ausverkauf?

Einige Leistungsträger wie Matthias Ginter oder Denis Zakaria - beide mit Verträgen bis 2022 ausgestattet - haben sich bislang noch nicht über die Saison hinaus zur Borussia bekannt, auch wenn mit mit Ginter Gespräche angedacht sind. Zakaria hat nach SPORT1-Informationen eine Vertragsverlängerung mit Ausstiegsklausel abgelehnt.  

Alassane Plea und Marcus Thuram haben im Sommer Ausstiegsklauseln, sie wollen jeweils abwarten, wie es weitergeht und wer Trainer wird. Derweil halten sie sich ebenso alle Wechseloptionen offen wie Nationalspieler Florian Neuhaus. Der Kontrakt des 23-Jährigen läuft zwar noch bis 2024, jedoch besitzt er eine Ausstiegsklausel über 40 Millionen Euro. Der FC Bayern soll starkes Interesse zeigen.

Der FC Chelsea soll unterdessen Flügelspieler Jonas Hofmann ins Visier genommen haben. Auf Dementi der Borussen-Profis warten die Fans der Fohlen bislang vergeblich. 

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Immerhin einen Erfolg konnte Borussias Sportdirektor verbuchen: Am Donnerstag gab die Borussia die Vertragsverlängerungen von Nico Elvedi und Ersatzkeeper Tobias Sippel bekannt. 

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Vor allem der Gladbacher Offensiv-Motor stockt

Die Probleme bleiben aber erst einmal. Auffällig ist, dass der bis dato so hervorragend funktionierende Offensiv-Motor der Borussia seit der kontrovers diskutierten Derbyniederlage gegen Köln Anfang Februar mächtig ins Stocken geraten ist. Seither blieben die Gladbacher in vier Spielen ohne Tor. Bei ihrer dritten Heimniederlage in Serie gegen Leverkusen schoss Borussia Mönchengladbach sogar erstmals seit August 2019 zuhause kein Tor.

Sinnbildlich für die Gladbacher Offensiv-Durststrecke steht Stürmer Plea. Der 27 Jahre alte Franzose, der nach der Champions-League-Gruppenphase immerhin noch Top-Scorer der Königsklasse war, erzielte in seinen vergangenen zwölf Bundesliga-Einsätzen lediglich einen Treffer. 

Das zuvor noch gefürchtete Offensiv-Quartett um Thuram, Breel Embolo, Hofmann und Plea bringt es seit der Derby-Pleite gegen die Domstädter auf mickrige zwei Tore. Dem Team geht im Angriffsspiel zunehmend der Esprit ab. 

"Uns fehlen Spaß und Freude am Fußball"

"Uns fehlen gerade ein bisschen Spaß und Freude am Fußball", gab Angreifer Hannes Wolf nach dem erneuten Rückschlag gegen Leverkusen zu. Eberl forderte: "Wir müssen Ruhe bewahren." 

Um diese wieder an den Niederrhein zu bekommen, sind die Gladbach-Profis am kommenden Freitag in der Bundesliga-Partie beim FC Augsburg (Bundesliga: FC Augsburg - Borussia Mönchengladbach, Fr., ab 20.30 Uhr im LIVETICKER) vor allem selbst in der Pflicht. Sie spielen in erster Linie auch um ihre eigenen Ziele - und darum, die schlechteste Gladbacher Abschlussplatzierung im deutschen Oberhaus seit 2011 zu vermeiden.  

Seither war der Traditionsklub in der Tabelle immer einstellig geblieben. 

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