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München - Durch die Erkrankung von Mario Götze ist das Thema Stoffwechselkrankheit ins öffentliche Bewusstsein gerückt. SPORT1 spricht darüber mit Dr. Torsten Gieschen.

Es war keine gewöhnliche Mitteilung, die Borussia Dortmund am Montag veröffentlichte.

Mario Götze - WM-Held von 2014, aber seit langer Zeit schon weit von seiner einstigen Form entfernt - leidet an Stoffwechselstörungen.

Seitdem ist diese Krankheit ins öffentliche Bewusstsein gerückt.

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Was sind Stoffwechselerkrankungen, welche Ausprägungen sind bekannt, welche Therapiemöglichkeiten gibt es?

SPORT1 sprach darüber mit Sportmediziner Dr. Torsten Gieschen, Teamarzt von Frauen-Bundesligist Turbine Potsdam. Er beantwortet die wichtigsten Fragen.

SPORT1: Was sind Stoffwechselerkrankungen und welche Formen sind typisch?

Dr. Torsten Gieschen: Es handelt sich um eine Erkrankung, die dazu führt, dass gewisse Stoffwechselprozesse nicht mehr so richtig funktionieren. Das heißt, es kann sein, dass sie verlangsamt oder beschleunigt ablaufen. Es kann dazu führen, dass der Sportler zunächst milde Symptome hat, wie vermehrte Schläfrigkeit, wie Verminderung der Leistung, also ein Leistungsknick, oder er sich nur schlechter regeneriert. Da gibt es verschiedene Erkrankungen, wie zum Beispiel die Veränderung der Schilddrüse. Das ist eine sehr häufige Erkrankung, die im Leistungssportbereich herausgefunden wird.

Dann gibt es Veränderungen des Blutzuckersystems, was ganz wichtig für den Sportler ist; bekannt als Diabetes. Das tritt auch schon bei jungen Sportlern auf, nicht erst bei Älteren. Da gibt es ganz verschiedene Verläufe. Hierfür kann zum Beispiel eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse eine Ursache sein. Dann gibt es  Veränderungen der Leber und der Niere, die dazu führen, dass der Körper wie vergiftet wird, weil Substanzen, die sonst ausgeschieden werden, sich anhäufen und dann zu einer Leistungsminderung führen.

SPORT1: Wie viele Menschen sind betroffen?

Dr. Gieschen: Wenn man es ganz genau nehmen würde, kann man sagen, dass fast 20 Prozent der Deutschen eine Stoffwechselerkrankung haben. Es gibt mildere Ausprägungsformen. Man könnte beispielsweise auch sagen, dass Übergewicht schon ein Ausdruck einer Stoffwechselerkrankung ist. Die Symptome sind vielfältig. Meistens geht es los mit Müdigkeit und Antriebslosigkeit. Das kann auch zu Schlafstörungen, Gewichtszunahme und reduzierter Konzentrationsfähigkeit führen. Leistungssportler könnten dann ihre Leistung nicht mehr bringen, sowohl was die kurze Abrufbarkeit als auch den Ausdauerbereich betrifft.

SPORT1: Was bedeutet es für einen Leistungssportler?

Dr. Gieschen: Der Leistungssportler, der eine Zeit lang sein Leistungsniveau nicht aufrecht erhalten kann, baut unheimlich ab. Es dauert sehr lange, diesen Trainingszustand wieder zu erreichen. Da ist es unheimlich schwer, es wieder aufzuholen. Die Wahrscheinlichkeit einer Muskelverletzung ist höher, wenn eine Stoffwechselkrankheit vorliegt. Es gibt viele Leistungssportler, die eine Stoffwechselerkrankung haben. Wenn die erkannt worden ist, wird eine Therapie eingeleitet. Es gibt aber auch Leistungssportler, die Diabetes haben. Die müssen ganz eng überwacht werden.

SPORT1: Welche Therapien gibt es?

Dr. Gieschen: Da muss man schauen, ob das betroffene Organ, das das Hormon produziert hat, erkrankt ist. Wenn die Heilung abgeschlossen ist – entweder spontan oder mit Unterstützung von Medikamenten -, kann das Organ wieder normal produzieren. Es gibt aber auch hormonproduzierende Organe, die danach nicht mehr die normale Funktion erlangen. Da muss man schauen, ob man noch Tabletten dazu geben kann, damit der Sportler wieder seine Leistungsfähigkeit hat. Es gibt auch Formen, die stationär diagnostiziert werden, weil man dort ganz andere Untersuchungsmöglichkeiten hat.  

SPORT1: Mit welchen Ausfallzeiten muss man rechnen?

Dr. Gieschen: Wenn die Stoffwechselerkrankung durch einen Mangel an einer gewissen Substanz bedingt ist, kann eine Rückkehr zu normalen Stoffwechselvorgängen innerhalb weniger Wochen stattfinden. Wenn eine Erkrankung eines Organs zugrunde liegt, können auch mehrere Monate verstreichen.  Es kann auch sein, dass keine vollständige Ausheilung erfolgt. 

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