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Julian Nagelsmanns Optionen für den nächsten Schritt sind in Deutschland begrenzt
Julian Nagelsmanns Optionen für den nächsten Schritt sind in Deutschland begrenzt © SPORT1-Grafik: Marc Tirl/Getty Images/Imago/iStock
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München - Hoffenheim-Boss Dietmar Hopp verbietet dem in Dortmund und München begehrten Julian Nagelsmann einen Wechsel im Sommer. Vielleicht muss er das aber gar nicht.

Julian Nagelsmann hat langsam die Faxen dicke.

"Ich kann mir gerne ein Klebeband mit KK auf die Stirn kleben. Kein Kontakt", antwortete der Trainer der TSG Hoffenheim zuletzt sichtlich genervt auf die Frage nach seinem möglichen Wechsel zu Borussia Dortmund.

Mittlerweile vergeht kein Tag mehr, an dem nicht darüber debattiert wird, welchen Klub er ab der kommenden Saison trainiert. Schuld daran ist Nagelsmann aber vor allem selbst.

Zum einen, "weil er einen sehr guten Job macht", wie Stuttgarts Sportvorstand Michael Reschke im CHECK24 Doppelpass auf SPORT1 erkannte. Zum anderen aber auch, weil er offensichtlich doch irgendwie Gefallen daran findet, mit Deutschlands Branchenriesen in Verbindung gebracht zu werden. 

Reschke über Nagelsmanns größtes Problem

Nagelsmann spielt mit seiner Zukunft

Erst im September, als er ausplauderte, von einem Engagement beim FC Bayern zu träumen. 

Und jetzt, weil er die zunehmenden Spekulationen um eine Beschäftigung beim BVB ab Sommer mit Floskeln wie "Fakt ist, dass ich Trainer von Hoffenheim bin und mich auf den Verein konzentriere" und "Stand jetzt bleibe ich" zulässt, anstatt sich klar zur TSG zu bekennen. 

Man kann Nagelsmann durchaus verstehen. Er ist mit dem Erreichen von Tabellenplatz vier und dem europäischen Geschäft innerhalb eines Jahres vom Rohdiamanten zum heißesten Eisen der deutschen Trainergilde aufgestiegen.

Dass in ihm allmählich der Gedanke reift, zeitnah den viel zitierten "nächsten Schritt" zu machen, ist ein normaler Prozess.

Doch dieser Schritt gerät zunehmend in Gefahr. Hoffenheims Mäzen Dietmar Hopp brach just vor dem Auswärtsspiel beim BVB sein monatelanges Schweigen zur Causa Nagelsmann und verwies auf dessen vertragliche Situation.

Hopp schiebt Sommer-Wechsel Riegel vor

"Julian weiß, dass wir darauf bestehen, dass der Vertrag, den wir mit ihm geschlossen haben, erfüllt wird", sagte Hopp den Zeitungen der Funke-Mediengruppe.

Soll heißen: Nagelsmann darf frühestens am 30. Juni 2019 gehen. Vorher kann er nicht von seiner Ausstiegsklausel in seinem eigentlich bis 2021 gültigen Arbeitspapier Gebrauch machen.

Hopps Ansage allein ist sicherlich kein Hindernis für einen Wechsel. Wenn sein Freund Uli Hoeneß im Sommer bei ihm anklopfen würde, hätte er wohl keine Schwierigkeiten, eine zufriedenstellende Lösung für alle Beteiligten zu finden.

Dazu wird es aber wahrscheinlich nicht kommen. Die Bayern-Bosse haben sich vorerst von Nagelsmann distanziert.

Die Zweifel, ob der Jungspund wirklich der ideale Nachfolger für den routinierten Jupp Heynckes wäre, sind an der Säbener Straße deutlich gewachsen. Daher gilt Dortmund momentan auch als das realistischere Ziel.

Dortmund lässt sich Zeit

Doch die Borussen sind nach dem starken Start von Peter Stöger nicht sicher, ob sie im nächsten Sommer überhaupt einen neuen Mann an der Seitenlinie brauchen oder den neuen Interimscoach möglicherweise weiter beschäftigen. 

"Es ist noch zu früh, um darüber zu diskutieren. Aber wehe, es geht so weiter wie bisher und Stöger feiert mit seinem Team vor der Südtribüne den zweiten Tabellenplatz! Dann werden sich die Fans fragen: Warum soll er jetzt gehen?", schrieb SPORT1-Experte Marcel Reif in seiner Kolumne am Sonntag.

Stöger: Nagelsmann ist kein Thema!

BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke kündigte wohl auch deshalb im Aktuellen Sportstudio des ZDF an, sich in der Trainerfrage bis zum Frühjahr Zeit zu lassen. Das Kapitel Nagelsmann sei vorerst geschlossen.

"Wenn Hoffenheim sagt, Julian Nagelsmann ist erst 2019 auf dem Markt, dann haben das nicht nur Borussia Dortmund, sondern auch Bayern München und alle anderen Bundesligaklubs zu akzeptieren", sagte Watzke.

Keine Angebote am Saisonende?

Gut möglich also, dass Nagelsmann am Ende kein Angebot erhält und bei der TSG bleiben muss.

Es wäre für den seit 2010 in Sinsheim ansässigen Oberbayern kein Drama, mindestens eine Saison länger zu bleiben, würde seiner Karriere aber auch keinen Auftrieb geben. Eher im Gegenteil. 

Das schwache Abschneiden der Hoffenheimer in der Euorpa League hat der tadellosen Bilanz von Nagelsmann bereits erste Kratzer beschert und ihm obendrein harsche Kritik von Funktionären wie Karl-Heinz Rummenigge eingebracht. 

Zudem droht Hoffenheim nach Sandro Wagners Wechsel nach München weitere Leistungsträger zu verlieren. Mit Mark Uth zieht aller Voraussicht nach der zurzeit beste Torschütze des Teams im Sommer ablösefrei von dannen. Schalke und Gladbach sind interessiert.

Auch Nadiem Amiri, Kerem Demirbay und Andrej Kramaric liebäugeln mit einem Wechsel. Und Serge Gnabry ist bekanntlich nur ausgeliehen.

Nagelsmann steckt in einer Zwickmühle. Kein Wunder also, dass ihn die Fragen zu seiner Zukunft inzwischen nerven.

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