Heidel: "Haben alle Wünsche von Goretzka erfüllt!"
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München - Leon Goretzka wechselt nach langem Hickhack von Schalke 04 zum FC Bayern. Die Verkündung des Transfers läuft genauso chaotisch wie der Weg dorthin.

Was Christian Heidel am Freitagmittag um 11.01 Uhr in einer Mischung aus Traurigkeit und Frustration bestätigte, war sicherlich keine allzu große Überraschung mehr. 

Leon Goretzka dürfte trotzdem nicht schlecht gestaunt haben, als er kurze Zeit später sein Smartphone checkte. Sein Vorgesetzter hatte seinen Wechsel im Sommer von Schalke 04 zum FC Bayern nämlich offiziell bekanntgegeben, ohne ihn vorher darüber zu informieren.

"Ich habe versucht, Leon anzurufen, habe ihn aber nicht erreicht", erklärte Schalkes Sportvorstand. Kein Wunder also, dass die Bayern erst 45 Minuten später mit ihrer Pressemitteilung nachzogen und sich Goretzka selbst erst am Nachmittag zu Wort meldete, um die erbosten Schalke-Fans in einem Facebook-Post um Contenance zu bitten.

Das sagt Heynckes über den Goretzka-Transfer

Die Verkündung des Transfers lief genauso ab wie der Weg dorthin: chaotisch. Alles begann im Mai 2017, als Schalke "intensivste Verhandlungen" über eine Vertragsverlängerung des 22-Jährigen aufnahm, wie Heidel ausplauderte. Die damaligen Gespräche mit Berater Jörg Neubauer trugen Früchte.  

Confed Cup zerstörte Schalkes Coup

"Es war nicht nur so, dass wir uns nur mündlich einig waren - die Anwälte hatten sich sogar schon mit der Ausarbeitung der Verträge beschäftigt. Es gab ein finales Agreement", berichtete Heidel am Freitag. Man habe die frohe Botschaft bei der Saisoneröffnung am 6. August in der Veltins-Arena verkünden wollen.

Doch der Confed Cup kam den Königsblauen in die Quere. Goretzka zählte beim Turniersieg des DFB-Teams in Russland zu den besten Spielern und erweiterte seinen Markt. Nicht nur der deutsche Rekordmeister, sondern auch internationale Topklubs wie der FC Barcelona, Real Madrid oder Juventus Turin wurden auf ihn aufmerksam.

Selbst Ex-Bayern-Coach Pep Guardiola, so heißt es in englischen Medien, soll ihn mehrfach kontaktiert haben. Kein Wunder, dass Goretzka ins Grübeln kam. Dennoch seien die Verträge laut Heidel kurz nach dem Turnier "mit der Zustimmung von Leon und seinem Berater final aufgesetzt" worden.

Alles sah nach einem Happy End für Schalke aus - bis es sich Goretzka plötzlich anders überlegte und Heidel vertröstete. "Er sagte, dass er noch mal abwarten möchte, bevor der Vertrag unterschrieben wird".

Schon monatelang mit Bayern einig?

Goretzka habe seine Bitte mit dem Argument begründet, die sportliche Entwicklung auf Schalke abwarten zu wollen. Ähnlich äußerte er sich auch immer wieder in Interviews.

"Da unsere sportliche Entwicklung dann nicht so schlecht war, haben wir immer wieder nachgehakt", sagte Heidel. Zu Weihnachten war Schalke Bayern-Jäger Nummer eins. Doch die Reaktion aus dem Goretzka-Lager? "Es wurde uns immer gesagt, dass eine Entscheidung noch nicht gefallen sei."

Diese schien Goretzka aber schon längst getroffen zu haben. Nach Angaben der WAZ wurde der Deal mit den Bayern im Herbst eingefädelt. Sein Berater war schon im Sommer an der Säbener Straße aufgeschlagen. 

Doch selbst Ende Dezember, als die Sport Bild und spanische Medien Goretzkas Wechsel nach München als fix vermeldeten, wurden die Schalker weiter in dem Glauben gelassen, in diesem Poker nicht chancenlos zu sein. 

Heidel verkündet Transfer ohne Goretzkas Wissen

Bis Anfang dieser Woche. Dann brach Goretzka sein Schweigen und ließ Heidel endlich wissen, nach München wechseln zu wollen.

Als Bayerns Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge am Donnerstagabend schließlich Heidel über den bestandenen Medizincheck von Goretzka informierte, nahm dieser Verkündung des Transfers selbst in die Hand.

Mit diesem Entschluss dürfte der Manager nicht unbedingt auf Gegenliebe bei seinem Noch-Arbeitnehmer gestoßen sein.

Heidels Aussagen am Freitag zum Verlauf des Transfers lassen Goretzka nicht im besten Licht erscheinen. Außerdem hatte der Mittelfeldspieler immer wieder bekräftigt, vor einem öffentlichen Statement zuallererst seine Mitspieler über seine Zukunftspläne unterrichten zu wollen.

Am Donnerstag hatten die Schalker jedoch trainingsfrei. Dem künftigen Bayern-Star blieb de facto nur der Freitag, um die Katze endgültig aus dem Sack zu lassen.

Doch als er gegen 13.30 Uhr auf dem Schalker Trainingsgelände erschien, war das längst passiert.

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