Darum glaubt der HSV noch an das Wunder
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München - Der Hamburger SV taumelt der 2. Liga entgegen. Bei SPORT1 spricht Ex-HSV-Spieler Wolfgang Rolff über den Absturz und äußert Unverständnis für Problem-Profi Walace.

Wolfgang Rolff hat die beste Zeit des Hamburger SV miterlebt. 1983 gewann er mit den Rothosen den Europapokal der Landesmeister, die heutige Champions League.

1:0 besiegten die Hanseaten damals Juventus Turin durch ein Tor von Felix Magath. Das ist lange her. 35 Jahre später steht der Klub vor dem ersten Abstieg der Vereinsgeschichte.

"Seit 2010 ging es für den HSV immer nur bergab und der Verein hat es nicht geschafft, sich so aufzustellen, dass man von der Abstiegszone wegkommt", sagt Rolff vor dem Spiel der Hamburger beim VfB Stuttgart (Sa., 15.30 Uhr LIVETICKER) im Gespräch mit SPORT1.

Von 1982 bis 1986 spielte er für den HSV, nach seiner Profikarriere begann Rolff bei den Rothosen als Assistenzcoach seine Trainerkarriere. Die aktuelle Lage beim taumelnden Dino sieht er realistisch. 

"Jetzt muss man es mit aller Macht drehen - mit einem neuen Präsidenten und einem neuen Trainer, aber die Zeit ist zu knapp, um die Liga zu halten. Der HSV ist über sich selbst gestürzt."

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Hauptproblem für Absturz

Rolff nennt ein Hauptproblem für den Absturz. Die Verantwortlichen würden "zu überstürzt" handeln, "was das Finanzielle angeht", so der Ex-Profi. "Da wird sinnlos Geld verbrannt durch eine Verbannung von Walace zur U21, der dort an Marktwert verliert, oder einer möglichen Suspendierung von Kyriakos Papadopoulos."

Der Brasilianer Walace wurde in die 2. Mannschaft verbannt, nachdem er mehrfach seinen vertraglichen Pflichten nicht nachgekommen war. Er habe sich nicht teamorientiert verhalten, hieß es.

Beim Spiel gegen Hertha BSC war Walace auch gar nicht im Stadion anwesend, sondern postete stattdessen lieber ein Bild bei Instagram. Am Sonntag nun fehlte er beim Auslaufen, weilte stattdessen in Mailand

Einsicht also Fehlanzeige! Walace provoziert seinen Abschied.

Zukunft von Papadopoulos offen

Wie es mit Papadopoulos weitergeht, ist noch offen. Der Grieche hatte HSV-Coach Christian Titz wegen seiner Ausbootung für das Spiel gegen die Berliner öffentlich kritisiert und sich "unangemessen gegenüber" seinen Mitspielern geäußert.

Rolff kann sich nur wundern. "Ich kann das nicht verstehen, denn es geht darum, dass man solche teuren Spieler zumindest bei Laune halten soll, damit sie bei einem Verkauf auch gutes Geld bringen. Oder ich sage einfach, sie müssen bleiben und in der 2. Liga spielen."

Und weiter: "Sanktionen können sicher verhängt werden, aber dann klagt der Spieler das Training ein, das kann es auch nicht sein. Beim HSV müssen sie anfangen, dass sie ein anderes Gespür für Gehälter bekommen, die sich der Klub auch leisten kann."

Rückendeckung für Kühne

In dem Zusammenhang fällt natürlich der Name Klaus-Michael Kühne. "Ich kann das Gerede um Kühne nicht mehr hören", meint Rolff. "Er hat den HSV schon immer unterstützt. Ohne ihn wäre der Klub längst abgestiegen. Es ist doch positiv, so einen Mann in der Hinterhand zu haben, der so viel Geld gibt und den Verein am Leben gehalten hat." Kühne sei "nicht der Totengräber des HSV."

Titz ist seit anderthalb Wochen Chefcoach des HSV. Rolffs Urteil fällt bescheiden aus. 

"Er scheint Ideen zu haben und will etwas umsetzen, aber ob das mit U23-Spielern klappt, sei mal dahin gestellt. Wenn die Ergebnisse nicht stimmen, kann man auf einem guten Weg sein mit den Talenten, aber es bringt dann nichts."

Dann werde ein Neuanfang in der 2. Liga "auch mit Titz schwer". Er habe "eine Spiel-Philosophie, die er in der U23 super angewendet hat, und da war er auch erfolgreich, aber reicht das für den Klassenerhalt?"

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Rolff: "Bin nicht gefragt worden"

Würde Rolff dem HSV helfen wollen, wenn es schief geht? 

"Ich bin die vergangenen 20 Jahre nicht gefragt worden, von daher gehe ich davon aus, dass der HSV kein Interesse hat, sich mit älteren Ex-Spielern an einen Tisch zu setzen." Dies sei "schade", er könne aber damit leben.

Leben müssen die HSV-Fans bei einem Abstieg auch mit dem Verkauf von Talent Jann-Fiete Arp. Auch hier hat Rolff kein Verständnis. "Wenn man sofort wieder aufsteigen will, müsste man Arp halten, es müssen Entscheidungen getroffen werden, die unbequem sind für Spieler."

Der neue Boss Bernd Hofmann hat erste harte Entscheidungen getroffen. Jetzt sei es wichtig, "das Ding nicht aus dem Ruder laufen zu lassen", sagt Rolff. "Ein Jahr 2. Liga würde der HSV verkraften, ein zweites aber nicht."

Es werde schwer, "denn es werden weiter Fehler gemacht, indem man Spieler abgibt, die man in der 2. Liga brauchen könnte, wie einen Törles Knöll, der zum 1. FC Nürnberg wechselt."

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