Früher Transferschluss in England: Das sagt die Liga
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München - In der Premier League schließt das Transferfenster schon am 9. August. Deutsche Klubs könnten sich danach in England bedienen - doch es gibt auch Schwierigkeiten.

In den vergangenen vier Spielzeiten - die aktuelle mit eingerechnet - wechselten gerade einmal neun Akteure von der Premier League in die Bundesliga. Und in die andere Richtung? Ganze 39.

Das macht zwei Dinge deutlich: Einerseits, dass Deutschland immer mehr Spieler für die finanzstarken englischen Klubs anliefert. Aktuelle Beispiele: Naby Keita (für 60 Millionen Euro von Leipzig zu Liverpool), Bernd Leno (25 Millionen/von Leverkusen zu Arsenal) und Jannik Vestergaard (20 Millionen/Mönchengladbach zu Southampton).

Andererseits zeigt es, dass Bundesliga-Vereine es extrem schwer haben, Spieler aus England zu verpflichten.

Zur Erinnerung: Der letzte Spieler mit einem klangvollen Namen, der von der Insel nach Deutschland umzog, war Kevin de Bruyne in der Saison 2013/14, für 22 Millionen Euro von Chelsea zum VfL Wolfsburg. Der Wechsel klappte aber nur, weil sich der Belgier in London nicht durchsetzen konnte.

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Früherer Transferschluss als Chance

Die einseitigen Transfer-Zustände könnten sich nun teilweise ändern, weil das Transferfenster in England in dieser Saison bereits am 9. August schließt. Bis zum Monatsende dürfen die englischen Klubs allerdings noch Spieler abgeben.

Für die Bundesligisten bietet sich dadurch eine Chance, weil sie noch bis zum 31. August einkaufen dürfen. Attraktiv sind dann auch Stars aus England, die Premier-League-Trainer gerne noch loshaben wollen. 

"Ich kann verstehen, dass die Bundesliga spekuliert, dass beim geschlossenen Transferfenster der deutsche Markt für die Spieler attraktiv werden kann, die noch nirgendwo untergekommen sind", sagt auch Huddersfields Trainer David Wagner im Interview mit SPORT1.

Bundesliga-Manager geteilter Meinung

Alexander Rosen, Direktor Profifußball bei der TSG Hoffenheim, kann sich positive Auswirkungen für die Bundesliga ebenso vorstellen: "Es kann dazu führen, dass aufgrund der großen Kader in England Spieler frei werden, auf die man vorher vielleicht keine Chance hätte."

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Die Kaderbreite und die Dichte an hochkarätigen Kickern bei Klubs wie Manchester City oder dem FC Chelsea sprechen für dieses Szenario.

Schalkes Sportdirektor Christian Heidel bewertet die Thematik im SPORT1-Interview allerdings anders: "England ist ein Kaufland. Ab dem 9. August werden sie ein Verkaufsland. Für die deutschen Klubs wird es trotzdem schwierig, Spieler aus England zu verpflichten, weil dort ein anderes Gehaltslevel herrscht."

Die ganz großen Namen aus der Premier League fest zu verpflichten, dürfte für die Bundesligisten bis auf wenige Ausnahmen ohnehin weiterhin ein fast unmögliches Unterfangen sein. 

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Kompromisse als mögliche Lösung

Um das Problem der hohen Gehälter zu umgehen, werden die deutschen Klubs einmal mehr auf Leihgeschäfte setzen. Das klappte in den vergangenen Jahren das ein oder andere Mal. So stürmte Chelseas Michy Batshuayi eine halbe Saison lang für Borussia Dortmund, Liverpools Divock Origi eine Spielzeit für Wolfsburg.

Eine weitere Möglichkeit für die deutschen Klubs: Sie holen junge Talente aus England, wenn diese keinen festen Platz in ihren Profi-Mannschaften finden. Der BVB ging so im vergangenen Sommer bei Top-Talent Jadon Sancho vor. Ablöse für den 17-Jährigen: 7,84 Millionen Euro. Gehalt: zumindest bezahlbar.

Ähnliches gilt für Stuttgarts Pablo Mafeo (20 Jahre / 9 Millionen / von ManCity), Gladbachs Keanan Bennetts (19 / 2,25 Millionen / U23 Tottenham) und Herthas Javairo Dilrosun (20 / ablösefrei / U23 ManCity). Sie alle kommen zur neuen Spielzeit nach Deutschland.

Welche Qualität die Jung-Profis aus den englischen Akademien haben, bewies neben Sancho auch Ademola Lookman bei RB Leipzig.

Klar ist aber auch: Zwar wollen die jungen Profis sich weiterentwickeln - doch vermutlich auch eines Tages in der finanzstärksten Liga der Welt kicken. Das ist dann allerdings nicht die Bundesliga, sondern eher die Insel.

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