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München - Uli Hoeneß teilt bei einem Fanclub-Besuch gegen Paul Breitner aus. Der Bayern-Präsident erklärt, wie es zur Verbannung kam und verrät, warum er Breitner nicht anrief.

Im Zoff mit Paul Breitner haben die Bayern-Bosse Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge am Wochenende nachgelegt. 

Bei seinem Fanklubbesuch im südtiroler Feldthurns kritisierte Vorstandsboss Rummenigge Äußerungen der Vereinslegende. "Dass sich ein ehemaliger Spieler ins Fernsehen setzt und den Uli Hoeneß verbal schlachtet, finde ich nicht gut. Ich befürchte, das Band zwischen beiden ist endgültig zerschnitten."

Breitner hatte die Münchner Verantwortlichen für ihre Krawall-Pressekonferenz am 19. Oktober gescholten. Im Bayerischen Rundfunk hatte der frühere Marketingbotschafter gesagt, er habe sich "nicht vorstellen, dass sich dieser Verein diese Blöße gibt und diese Schwäche zeigt".

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In Richtung von Präsident Hoeneß hatte Breitner gesagt: "Es geht immer um die Familie, die FC-Bayern-Familie. Und dann müssen die Kinder heute sagen: Für den Papa müssen wir uns jetzt mal gewaltig schämen."

Diese Aussagen nahm Hoeneß am Sonntag zum Anlass für einen Rundumschlag gegen seinen einstigen Freund.

"Paul Breitner wird ja gerade zum Märtyrer gemacht. Er ist nicht Opfer, sondern Täter", sagte Hoeneß bei einem Fanclub-Besuch im oberfränkischen Kersbach. "Er hat in den letzten acht Jahren beim FC Bayern fast zwei Millionen Euro an Honorar für 15 bis 20 Vorträge bei Sponsoren erhalten. Anfang 2017 hat er diesen Vertrag nach einer Auseinandersetzung mit Karl-Heinz Rummenigge wegen Presseauftritten hingeschmissen."

Hoeneß: Deshalb wurde Breitner von Bayern-Tribüne verbannt

Hoeneß erklärte, wie es zur Entscheidung gekommen sei, seinen Ex-Mitspieler Breitner von der Ehrentribüne der Allianz Arena zu verbannen.

"Dieser unsägliche Auftritt bei Bayern 3 (gemeint ist die TV-Sendung Blickpunkt Sport des BR, d. Red.) hat dazu geführt, dass Jan DreesenKarl-Heinz Rummenigge beschlossen haben, ihm nahe zu legen, nicht mehr in den Ehrengast-Bereich des FC Bayern zu kommen. Denn er hat in einer unsäglichen Art und Weise den FC Bayern beschädigt. Wenn er mit uns ein Problem hat, soll er es uns selbst sagen – nicht der Presse", sagte Hoeneß.

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Den auf der Jahreshauptversammlung von einem Fan geäußerten Vorwurf, dass Hoeneß nun Dreesen "zum Telefonlakaien degradiert" habe, weil er selbst sich nicht getraut habe, Breitner anzurufen, wollte der Präsident nun nicht so stehen lassen.

"Dass nicht ich ihn angerufen habe, war keine Boshaftigkeit. Ich habe mit Paul Breitner seit fünf Jahren keinen Kontakt. Ich habe in Athen mit Jan Dreesen und Karl-Heinz Rummenigge besprochen, ob ich ihn anrufen soll. Jan Dreesen hat gesagt, ich übernehme das, da ich wegen den Vertragsangelegenheiten ständig mit Paul im Gespräch gewesen bin", sagte Hoeneß.

Hoeneß unversöhnlich: "Verhältnis nicht mehr zu kitten"

Nachdem er auf die Frage eines Fans bezüglich einer Versöhnung zwischen ihm und Breitner noch vorsichtig mit "das ist ganz schwierig. Ich kann keine Zusage machen" geantwortet hatte, wurde er gegenüber den Medienvertretern deutlicher.

"Dieses Verhältnis ist nicht mehr zu kitten. Er hat den Rubikon klar überschritten mit seinen Attacken. Es war nicht das erste Mal, dass er seinen Vertrag hingeschmissen hat. Bei der Auseinandersetzung mit Karl-Heinz Rummenigge war ich gar nicht beteiligt. Daher kann ich nur sagen: Verwechselt Opfer mit Täter nicht", stellte Hoeneß klar.

Hoeneß "schockiert" von Kritik auf der JHV

Hoeneß ging neben der Causa Breitner auch noch auf die Kritik ein, die das Münchner Vereinsmitglied Johannes Bachmayr am Freitag auf der Jahreshauptversammlung geäußert hatte.

"Es wurde von einem ganz kleinen Teil – vor allem von Herrn Bachmayr – der Versuch unternommen worden, meinen tadellosen Ruf als Manager, Vorstand und jetzt Präsident durch polemische Behauptungen und fast alles falsche Unterstellungen zu beschädigen. Da muss ich ehrlich sagen: Ich war schockiert", bekannte Hoeneß auf SPORT1-Nachfrage.

Er fuhr fort: "Deshalb bin ich sehr glücklich, dass ich nicht reagiert habe. Denn darauf hat ein kleiner Teil dieser Gruppe gewartet. Ich habe so etwas in meinen 40 Jahren beim FC Bayern nie erlebt und ich hoffe, dass sich das wieder ändert – sonst ist das nicht mehr mein FC Bayern.“

Er werde nun "in den nächsten Wochen, Monaten beobachten, wie sich das entwickelt und mir viele Gedanken machen", kündigte Hoeneß an. "Dieser Abend geht nicht spurlos an einem vorüber und man kann nicht zur Tagesordnung übergehen. Solange sich Herr Bachmayr für diesen Auftritt nicht entschuldigt, werde ich nicht mit ihm sprechen."

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