Lesedauer: 4 Minuten
teilenE-MailKommentare

München und Gelsenkirchen - Der FC Schalke 04 präsentiert sich gegen Düsseldorf desolat. Domenico Tedesco droht das Aus - und es gibt weitere Baustellen. Die Brennpunkte der S04-Krise.

War es schon sein letzter Gruß an die Schalker Fans?

Als sich Domenico Tedesco ganz allein den wütenden Fans in der Nordkurve der Veltins Arena stellte, faltete er zunächst demütig die Hände - und deutete dann ein kurzes Winken an.

Würde der neue Sportvorstand Jochen Schneider nicht erst am Dienstag vorgestellt, der Trainer der Königsblauen wäre womöglich noch am Samstag nach dem desolaten 0:4 vor heimischer Kulisse gegen Fortuna Düsseldorf entlassen worden.

Anzeige

Doch die Trainerposition ist längst nicht die einzige Baustelle. Wie schlimm steht es nach dem Debakel gegen den Aufsteiger wirklich um die Knappen?

SPORT1 zeigt die Brennpunkte auf Schalke.

- Leblose Mannschaft

Domenico Tedesco fällte nach dem Offenbarungseid gegen die Fortuna ein vernichtendes Urteil. Die Vorstellung der Königsblauen gegen Düsseldorf nannte er unmittelbar nach dem Abpfiff "leer" und "mutlos".

Meistgelesene Artikel

"Wir haben es heute extrem schlecht gemacht. Das war leblos und brotlos. Wir waren von Beginn an sehr nervös. Wir haben wahnsinnige Ballverluste gehabt", legte er auf der Pressekonferenz nach: "Vor dem Spiel war die Mannschaft lebendig, im Spiel war sie eher tot. Wir wehren uns zu wenig auf dem Platz."

CHECK24 Doppelpass mit Friedhelm Funkel und Hans Meyer - Sonntag ab 11 Uhr LIVE im Free-TV auf SPORT1 und im LIVESTREAM

Über sieben Kilometer mehr (113,8 zu 106,4) waren die Gäste gelaufen, schossen doppelt so oft (14 Mal) auf das Tor wie der S04.

Die für 160 Millionen Euro zusammengestellte Mannschaft präsentierte sich wie ein Absteiger.

- Handlungsunfähige Vereinsführung

"Ich bin keiner, der sich verpisst", sagte Tedesco als er von Sky auf einen möglichen Rücktritt angesprochen wurde. Und entlassen wird er vorerst auch nicht.

Jetzt das Trikot von Schalke kaufen - hier geht es zum Shop! | ANZEIGE

Denn derjenige, der über seine Zukunft entscheidet, ist noch nicht im Amt. Jochen Schneider, der künftige Nachfolger des zurückgetretenen Christian Heidel, saß aber schon auf der Tribüne neben Aufsichtsratschef Clemens Tönnies.

"Der Sportvorstand ist noch nicht eingesetzt. Er wird am Dienstag was dazu sagen", sagte Tönnies nach dem Spiel dem SID. Am Montag tritt der Aufsichtsrat zusammen, um den 48-Jährigen in den Vorstand zu berufen - erst danach kann Schneider die Trainerfrage beantworten.

- Fans wenden sich ab

Schon während der Partie sah sich das Team gellenden Pfiffen, wüsten Beschimpfungen und Schmähgesängen ausgesetzt. Nach der Partie kippte die Stimmung dann vollends.

Dennoch stellte sich die Mannschaft den Fans. Gemeinsam versammelten sich Spieler und Trainer am Mittelkreis und traten den bitteren Weg Richtung Nordkurve an.

Tedesco führte den königsblauen Gang nach Canossa an. Der Volkszorn schlug aber nicht nur Tedesco entgegen, sondern auch Ersatzkapitän Benjamin Stambouli.

Zwei Ultras rissen ihm nach dem Schlusspfiff die Spielführerbinde mit dem Aufdruck "Nordkurve" vom Arm, dem Franzosen standen Tränen in den Augen. "Wir sind kleine Spieler in einem großen Verein", sagte er, "es ist Zeit für uns, zu zeigen, dass wir Männer sind."

- Abstiegssorgen

So allmählich wird es bedrohlich. Nach sechs Bundesliga-Spielen in Folge ohne Sieg und der höchsten Heimpleite gegen Düsseldorf seit dem ersten Abstiegsjahr 1981 trennen die Königsblauen nur noch zwei Punkte vom Tabellen-15. FC Augsburg.

Sollte am Sonntag der VfB Stuttgart gegen Hannover 96 gewinnen, würde der Vorsprung auf den Relegationsplatz auf vier Zähler zusammenschrumpfen. (SERVICE: Die Tabelle der Bundesliga)

"Wir sind definitiv jetzt drin in der Misere", gab Tedesco zu, "es geht um Überlebenskampf".

- Ratloser Trainer

Wer den Schalker Coach nach dem Abpfiff sah, konnte nicht unbedingt den Eindruck gewinnen, dass dieser Mann das Ruder noch herumreißen kann.

"Die Trainingswoche war eigentlich gut, hat uns richtig viel Mut gemacht", sagte der 33-Jährige zwar. Doch dann sei seine Mannschaft von Anfang an "gehemmt und nervös" gewesen.

Tedesco schafft es derzeit offensichtlich nicht, seiner Mannschaft die nötige Sicherheit und einen Plan für das Spiel an die Hand zu geben. "Ich verstehe nicht, was mit uns los ist", beschrieb Daniel Caligiuri das Dilemma.

Seinem Trainer geht es da offenbar ähnlich.

Nächste Artikel
previous article imagenext article image