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München - Jérôme Boateng kann die Bayern nun doch verlassen. Renato Sanches auch. Welcher Verkauf ist wahrscheinlicher und würde der Klub Ersatz holen? SPORT1 klärt auf.

Das Transferkarussell beim FC Bayern macht doch nicht Halt.

Nach den Leihen von Ivan Perisic und Philippe Coutinho sowie dem Kauf von Michael Cuisance schienen die Transferaktivitäten des Rekordmeisters beendet zu sein. Der Kader umfasst inzwischen 20 Feldspieler. 

Karl-Heinz Rummenigge machte am Mittwoch am Rande der Wahl der DFL-Generalversammlung aber deutlich, dass sich höchstwahrscheinlich noch etwas in Sachen Abgänge tun wird. 

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Jérôme Boateng ist weiter auf dem Markt

Die Verkaufskandidaten sind altbekannt: Jérôme Boateng und Renato Sanches.

Wechseln nun beide bis zum Ende des Transferfensters am 2. September (18 Uhr)? Wechselt nur einer beiden? Oder doch keiner? Wird Ersatz geholt, falls mindestens einer geht? SPORT1 klärt auf.

Im Fall von Boateng bestätigte Rummenigge, was SPORT1 zuvor berichtet hat: Der Ex-Nationalspieler ist weiterhin auf dem Markt.

Soll heißen: Obwohl Boateng von den Klubbossen und Trainer Niko Kovac in der Vorbereitung wegen seiner Fitness, seines Trainingseifers und seiner guten Leistungen in den Tests gelobt wurde, stand der 30-Jährige immer auf der Verkaufsliste. Dort steht er, seitdem ihm Bayern-Präsident Uli Hoeneß nach Saisonende einen Wechsel nahegelegt hat. 

Keine faire Chance für Boateng?

Lobte man ihn zuletzt deshalb so offensiv, um ihn öffentlich anzupreisen und ihn für potenzielle Abnehmer attraktiv zu machen? Die jüngsten Aussagen von Rummenigge lassen den Verdacht zumindest zu, denn eine faire Chance auf einen Platz in der Startelf scheint Boateng nie gehabt zu haben.

In der Vorbereitung leistete er sich kaum Fehler, im DFB-Pokal und beim Liga-Auftakt aber spielte er keine Minute. "Wenn er den Klub verlassen möchte, dann muss er uns das mitteilen. Dann werden wir uns damit befassen", erklärte Rummenigge am Mittwoch.

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In Houston hatte er am 20. Juli über Boatengs Zukunft noch anders gesprochen: "Er hat sich top vorbereitet auf diese Reise. Er kam mit bestem Gewicht und schon einer gewissen Fitness. Da ist sicherlich noch nicht das letzte Wort gesprochen". Nun kann er wieder weg. 

Aber will er überhaupt wechseln? Denn Rummenigge machte Mittwoch auch klar, dass der Impuls für einen Transfer von Boateng kommen müsse.

Boateng will um den Henkelpott spielen

SPORT1 weiß: Boateng würde wechseln, aber nicht zu jedem x-beliebigen Verein – möge das Angebot noch so gut sein. Ein Wechsel nach Florenz etwa (wie der von Franck Ribéry) ist für Boateng kein Thema. Sein Anspruch: Er möchte nochmal die Champions League gewinnen – am liebsten mit seinen Bayern. 

Wie schon in den Wochen zuvor, mangelt es derzeit an konkreten, vor allem sportlich interessanten Angeboten für Boateng. Rein monetär betrachtet hat der Innenverteidiger zudem keinen Grund zur Flucht. Sein Jahressalär in München beträgt über zehn Millionen Euro, womit er zu den Top-Verdienern zählt. Geld, das sich die Bayern gern sparen und obendrauf am liebsten noch Ablöse kassieren würden. 

Hinzu kommt, dass 80-Millionen-Neuzugang Lucas Hernández nach seiner Knie-OP bereits fit ist und laut Rummenigge mit den Hufen scharrt. Es werde für Boateng nicht einfach, auf die von ihm eingeforderte Spielzeit zu kommen, machte der Vorstandsboss deutlich. Schließlich hätten sich zum Bundesliga-Start gegen Hertha BSC (2:2) auch Niklas Süle und Benjamin Pavard in der Innenverteidigung bewährt. 

Javi Martínez könnte Boateng-Abschied kompensieren

Die Bayern wissen, dass Boateng (Vertrag bis 2021) das Heft des Handelns in der Hand hat. Würde Boateng wechseln, ist es unwahrscheinlich, dass in der Defensive nachgerüstet wird. Mit Javi Martínez stünde ein Ersatz bereits im Kader.

Tendenz: Boateng bleibt.

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Neu, aber nicht überraschend ist das erneute Umdenken bei Sanches. Der Portugiese galt nach Saisonende bereits als Verkaufskandidat, weil er mehr Spielzeit einforderte und diese Chance in München nicht gegeben sah.

Auf der USA-Reise Mitte Juli gab es zwischen ihm, Kovac und Rummenigge jedoch ein klärendes Gespräch. Mit dem Ergebnis, dass der 22-Jährige nicht verkauft wird, da in ihm großes Potenzial gesehen wird. Sanches willigte mehr oder weniger freiwillig ein, auch weil ihm Spielzeit in Aussicht gestellt wurde.

Renato Sanches wird nach Berlin-Spiel deutlich

Daraufhin kam er in jedem der bislang drei Pflichtspiele zum Einsatz, spielte im Schnitt aber nur 29 Minuten, in denen er nicht vollends überzeugte. Zu wenig für Sanches. Nach seinem Fünf-Minuten-Einsatz gegen die Hertha erklärte er bei SPORT1, nun doch wechseln zu wollen.

Noch am gleichen Abend ermahnte ihn Rummenigge, Ruhe zu geben, und bekräftigte, dass Sanches nicht veräußert werde. "Das geht nicht!", erklärte Rummenigge. Einen Tag später bekam Sanches von Kovac laut Bild eine 10.000-Euro-Strafe aufgebrummt, weil der Trainer sich öffentlichen Unmut nicht mehr gefallen lassen will.

Am Mittwoch erklärte Rummenigge nun: "Wir werden mit ihm und seinem Berater sprechen." Zwar gefalle ihm der Spielertyp Sanches. Allerdings schränke die Leihe von Coutinho Sanches' Einsatzzeiten weiter ein. Daher müsse nun eine Lösung her, bei der Sanches "mitspielt und die auch am Ende des Tages für den FC Bayern und vor allen Dingen auch für den Trainer tragbar ist".

Vereinsintern ist das Sanches-Thema heikel. Zum einen hat er wegen seiner Fähigkeiten viele Befürworter (u.a. Rummenigge, Mitspieler wie Niklas Süle). Zum anderen ist er ein potenzieller Brandherd, weil er sich traut, seinen Unmut auch öffentlich zu äußern. Ohne Spielpraxis sieht er sich aussichtslos im Kampf um eine Rückkehr in die portugiesische Nationalmannschaft. Gäben die Bayern nun allerdings klein bei, könnte das den Anschein erwecken, dass sich Sanches erfolgreich rausgemotzt hätte. 

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Tendenz: Sanches wechselt. 

Ein Sanches-Verkauf dürfte allerdings dafür sorgen, dass die Bayern im Mittelfeld nochmal nachrüsten. Weiterhin auf der Kandidaten-Liste steht der 22-Jährige Marc Roca von Espanyol Barcelona, der den Bayern bisher zu teuer war. Roca-Berater Juan Manuel Mata sagte gegenüber Sky: "Wir haben noch über eine Woche Zeit. Seine Ausstiegsklausel beträgt 40 Millionen Euro, und die müssen gezahlt werden: Es gibt eben Dinge im Leben, über die verhandelt man nicht."

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