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Prag und München - Julian Brandt ist in Dortmund noch auf der Suche nach seinem Platz. In Prag kommt er in weiterer ungewohnter Rolle zum Einsatz – immerhin.

Als am Mittwoch gegen 18 Uhr die Aufstellung von Borussia Dortmund für das Auswärtsspiel in der Champions League bei Slavia Prag bekannt gegeben wurde, sorgte das Personalpuzzle von Trainer Lucien Favre durchaus für Verwunderung. 

Da Paco Alcácer angeschlagen nicht zum Kader gehörte, hatte sich eigentlich Mario Götze beste Chancen auf einen Startelf-Einsatz machen dürfen. 

Götze aber fehlte in der Anfangsformation. Stattdessen übernahm Julian Brandt den Platz im Sturmzentrum. Da Alcácer weiter wegen einer Achillessehnenreizung ausfällt, könnte Brandt auch am Samstag beim SC Freiburg (Bundesliga: SC Freiburg - Borussia Dortmund, ab 15.30 Uhr im LIVETICKER) von Beginn an auflaufen.

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Schlag ins Gesicht für Götze 

Für Götze wäre das ein weiterer Schlag ins Gesicht, zumal er vor einer Woche beim 2:2 gegen Werder Bremen diese Rolle eigentlich ordentlich ausgefüllt und sogar ein Kopfballtor in der klassischen Manier eines Mittelstürmers erzielt hatte. 

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Trainer Lucien Favre wollte sich am Freitag nicht in die Karten schauen lassen, wem er das Vertrauen von Beginn an schenkt. "Sie sind beide keine wahre Nummer neun, können das aber ohne Probleme spielen", meinte der Schweizer auf der Pressekonferenz.

Angesprochen auf Götze meinte Favre nur: "Wir werden sehen. Ab Mitte Oktober werden wir jedes Mal rotieren. Jeder Spieler wird spielen. Wir zählen auf alle Spieler."

Favre lobt Brandt

Brandt habe es gegen Prag "sehr gut gemacht", fügte Favre noch hinzu. Sein durchaus überraschender Kniff mit Brandt in der Sturmspitze und Doppeltorschütze Achraf Hakimi im Mittelfeld ging auf.

Dabei hatte Brandt selbst unter Bundestrainer Joachim Löw noch nie als klassischer Neuner agiert. "Es war für ihn eine ungewohnte Rolle, weil er ganz vorne gespielt hat", stellte BVB-Sportdirektor Michael Zorc nach dem 2:0-Sieg in Prag schließlich fest. 

Brandt selbst gestand nach dem Spiel: "Es ist natürlich schwierig, sich schnell daran zu gewöhnen, wenn man eine Position nicht häufig spielt. Was mir geholfen hat, war, dass ich in der Rückrunde in Leverkusen im Zentrum gespielt habe. Dadurch war’s zumindest ein bisschen bekannter für mich."

Zwei Torvorlagen als Empfehlung

Festzuhalten bleibt: Brandt wusste durchaus zu überzeugen. Zwar strahlte der 23-Jährige nicht die Gefahr eines klassischen Mittelstürmers aus, war als Anspielstation aber stets präsent und darüber hinaus beweglich.

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"Er hat sich aufgerieben und musste viel einstecken. Er hat das sehr gut gemacht, ist in die Zweikämpfe gegangen und hat zwei wichtige Pässe auf Hakimi gespielt", fiel Zorcs Urteil positiv aus. Zumal beide Vorlagen von Brandt auf Hakimi letztlich zu den Toren führten.

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Trotzdem ist es für Brandt derzeit keine leichte Zeit in Dortmund.

Brandts schwieriger Start unter Favre

Nach seinem Wechsel im Sommer von Bayer Leverkusen ist er unter Favre noch nicht über die Rolle des Edel-Jokers hinausgekommen. Auch weil er in der Vorbereitung fast zwei Wochen verletzt aussetzen musste. 

In der Bundesliga stand er bislang lediglich zweimal in der Startelf, am 3. Spieltag bei der Pleite bei Union Berlin und am 4. Spieltag beim beeindruckenden Sieg gegen seinen Ex-Klub Leverkusen. 

Vor allem hat der so ambitionierte Nationalspieler seinen rechten Platz noch nicht gefunden. In Leverkusen agierte er zum Ende der vergangenen Spielzeit zumeist als einer von zwei Spielmachern, in der Nationalmannschaft setzt Löw ihn ausschließlich auf dem Flügel ein.

"In den letzten Spielen habe ich nicht oft von Anfang an gespielt. Das war schon ein bisschen Balsam für die Seele. Nicht nur, weil ich an den Toren beteiligt war, sondern vor allem, weil ich fast durchgespielt habe", machte Brandt nach dem Spiel in Prag aus seiner Erleichterung keinen Hehl.

Die Krux von Prag 

In Dortmund musste Brandt nach seinen Einwechslungen sogar einige Male im zentralen defensiven Mittelfeld aushelfen. Eine Rolle, die ihm nicht unbedingt liegt. Und scheinbar auch nicht den größten Spaß macht. Gegen Bremen nahm er nicht unbedingt die defensiven Zweikämpfe an.

Doch wohin mit Brandt? Im offensiven Mittelfeld ist Kapitän Marco Reus gesetzt.

Auf den offensiven Außenbahnen bekamen bislang Jadon Sancho und Neuzugang Thorgan Hazard den Vorzug. Die Krux von Prag: Durch den sensationellen Auftritt von Achraf Hakimi ist die interne Konkurrenz auf den Außenbahnen noch größer geworden.

Auf die Frage, ob er lieber im Sturmzentrum als auf Außen spielen würde, antwortete Brandt kurz und knapp: "Ja."

Was den internen Konkurrenzkampf zwischen Alcácer, Götze und Brandt zusätzlich anheizen dürfte.

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