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München - Borussia Dortmund hat mit dem Norweger Erling Haaland einen neuen Superstar. Bei SPORT1 spricht ein Landsmann und Freund des Vaters über den Neuzugang.

Halb Europa wollte Erling Haaland. Borussia Dortmund hat den neuen Wunderknaben aus Norwegen bekommen. 

JuventusManchester United, RB Leipzig - sie schauen nun alle in die Röhre. Dabei ist das Interesse der Top-Klubs verständlich: 35 Torbeteiligungen in 22 Pflichtspielen für Ex-Klub Red Bull Salzburg sprechen eine mehr als deutliche Sprache. Alleine acht Tore in sechs Champions-League-Spielen, vier Tore im ÖFB-Cup und 16 Treffer in 14 Partien in der Liga.

19 Jahre ist Haaland erst jung, hat noch eine große Karriere vor sich. Dafür wird sein Berater Mino Raiola, der unter anderem Superstars wie Zlatan Ibrahimovic und Paul Pogba betreut, schon sorgen.  

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"Ich habe ein gutes Gefühl bei diesem Transfer. In diesem vollen Stadion zu spielen, das hat ihn heiß gemacht auf den BVB. Das motiviert ihn", sagt Haalands Landsmann, der frühere Stürmer Jörn Andersen, im Gespräch mit SPORT1.

"In norwegischen Zeitungen sagte Erling, dass er das beste Gefühl in Dortmund hatte, weil man ihn da braucht. Das war der entscheidende Punkt."

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Andersen einst als Torschützenkönig gefeiert

Andersen weiß, wie es ist, als Stürmer in der Bundesliga für Furore zu sorgen. Er ging in Deutschland unter anderem für den 1. FC Nürnberg, Eintracht Frankfurt und Fortuna Düsseldorf auf Torejagd und wurde 1990 Torschützenkönig.

"Wir haben einen Fehler gemacht: Wir hätten definitiv eine zweite Nummer 9 verpflichten müssen", gestand BVB-Boss Hans-Joachim Watzke auf der Mitgliederversammlung am 24. November. Diesen Fehler hat er nun mit Haaland als verspätetem Weihnachtsgeschenk für alle BVB-Fans berichtigt. Und damit den Druck auf das Team und auch auf Trainer Lucien Favre ordentlich erhöht. Haaland, der bis 2024 unterschrieben hat, ist ein echtes Ausrufezeichen.  

"Ich war selbst Stürmer und bin stolz, dass so ein kleines Land wie Norwegen so einen tollen Stürmer rausbringt. Das ist nicht normal", meint Andersen, der zuletzt als Trainer für den südkoreanischen Klub Incheon United FC tätig war und aktuell keinen Job hat.

"Haaland ein Typ, den Dortmund braucht"

Er habe Haaland in Salzburg verfolgt und der BVB sei "die richtige Entscheidung für ihn, weil es dort keinen klassischen Stürmer gibt wie bei den Bayern einen Robert Lewandowski. Die Dortmunder brauchen so einen Spielertyp wie Haaland", betont Andersen und begründet dies auch: "Da gibt es eine starke Mannschaft, aber keinen Mittelstürmer. Da fehlte ein Vollstrecker. Wenn sie einen solchen gehabt hätten, dann würde der Klub in der Tabelle viel weiter vorne stehen. Haaland kann genau der Typ sein, den Dortmund braucht."

Der frühere Stürmer habe Haaland in diesem Jahr schon "mehrmals live und im Fernsehen" gesehen und sei zudem gut befreundet mit dessen Vater Alf-Inge, der als Profi einst unter anderem für Leeds United und Manchester City spielte.

Kein Vergleich mit Odegaard 

Haaland junior spielte schon mit 17 beim norwegischen Drittligisten Bryne FK und wechselte von dort nach Molde. "Mit 18 Jahren wurde er während er Schulzeit ein Superstar in Norwegen. Dann kam der nächste Schritt nach Salzburg, das war sehr clever. Obwohl er damals schon Angebote aus großen Ligen hatte", betont Andersen. 

Und denkt da an einen anderen norwegischen Fußballer, der einst als Wunderkind galt: Martin Odegaard, der 2015 im Alter von 17 Jahren zu Real Madrid wechselte und dort bislang kein Bein auf den Boden bekam. Von den Königlichen wurde er bisher drei Mal an andere Klubs verliehen.  

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"Bei Odegaard war es eine ähnliche Situation", erinnert sich Andersen an die Anfänge. "Nur wählte er vor einigen Jahren einen anderen Weg, wollte zu schnell zu viel, und ging für viel Geld nach Madrid. Erst jetzt scheint er wieder auf seinem starken Niveau von einst zu sein und Real will ihn im Sommer wieder haben. Doch das Wichtigste bei einem jungen Spieler ist, dass er Schritt für Schritt vorgeht. Das macht Haaland besser als Odegaard."

Andersen belegt dies durch Haalands Stationen: "Bryne, Molde, Salzburg, jetzt Dortmund - und nicht gleich Juventus oder Manchester United. Das finde ich gut. Und es ist wirklich sehr klug von ihm und seinen Beratern."

Deshalb nicht zu RB Leipzig

Die Bundesliga werde Haaland gut tun, glaubt Andersen. "Er kommt zu einem Verein, bei dem er regelmäßige Spielzeiten bekommt. In Leipzig hätte er einen Timo Werner vor sich gehabt."

Und worauf dürfen sich die BVB-Fans bei ihrem neuen Hoffnungsträger besonders freuen?

"Haaland hat alles. Er ist noch jung, physisch stark und klar im Kopf, sehr groß, kopfballstark, schnell und hat auch eine super Einstellung", schwärmt Andersen. Dabei sei Haalands Entwicklung noch lange nicht am Ende. "Sein Vorteil ist, dass er groß und schnell ist. Er ist auch unheimlich schnell im Kopf, wie er im Spiel denkt. Und er hat auch einen starken linken Fuß", ergänzt Andersen.

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Vater Alf-Inge, der seinen Sohn auch berät, ist der große Rückhalt. "Sein Vater ist ein sympathischer Typ und sehr zurückhaltend. Er war selbst Profi und ist einen ähnlichen Weg gegangen über Bryne, war dann in drei Klubs in England und ist zehn Jahre jünger als ich", erklärt Andersen.

"Der Vater weiß, wie Fußball läuft"

"Wir waren bei einigen Lehrgängen zusammen, bevor ich aufgehört habe. Der Vater weiß, wie Fußball läuft und ist 100 Prozent da für seinen Sohn. Als wir uns in Salzburg trafen, hat er wie ein Vater liebevoll und doch souverän über seinen Jungen gesprochen."

Er wolle seinen Sohn nicht hetzen, sondern ihm Zeit geben und ihn unterstützen. An Probleme, die oft auftreten, wenn junge Fußballer von ihren Vätern beraten werden, glaubt Andersen nicht: "Er denkt nicht nur an das große Geld, denn er weiß, dass sein Sohn noch genug Geld verdienen wird."

In der neuen Umgebung wird sich Haaland alleine behaupten wollen.

"Der Vater wird nicht mitkommen, das hat er in Salzburg auch nicht gemacht", prophezeit Andersen: "Er war zwar oft zwei, drei Wochen am Stück da, aber mehr nicht. Er hat Erling oft besucht, war auch bei wichtigen Spielen dabei, aber der Junge hat es alleine geschafft. So wird es in Dortmund auch sein."

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