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München - PSG-Coach Tuchel trauert ihm nach, Salihamidzic nennt ihn "eines der größten Talente in Europa", Thuram ist sein Vorbild: Das ist Tanguy Nianzou Kouassi.

Der FC Bayern habe sich "eines der größten Talente in Europa" gesichert, freute sich Sportvorstand Hasan Salihamidzic, als er stolz Tanguy-Austin Nianzou Kouassi als Neuzugang des Rekordmeisters vorstellte.

Ablösefrei kommt der 18 Jahre junge Defensivakteur, der seinen Rufnamen Nianzou bevorzugt und auch auf dem Trikot trägt, von Paris Saint-Germain.

In München soll der Youngster, der für seinen ersten Profivertrag gleich den Schritt ins Ausland wagte, nun den nächsten Schritt machen, mehr werden als ein Backup von Niklas Süle, Jérôme Boateng oder David Alaba.

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Bei seiner Vorstellung verriet Bayerns mittlerweile sechster Franzose, dass sein großes Idol seit Kindertagen Legende Lilian Thuram ist. Tatsächlich erinnert Nianzou ein wenig an den Welt- und Europameister.

Aber kann er in seine Fußstapfen treten? Wie gut ist Bayerns neues Juwel?

PSG-Coach Tuchel sauer über Nianzou-Abgang

Wie angefressen sie in Paris sind, Nianzou verloren zu haben, war aus den Worten von Thomas Tuchel in der vergangenen Woche deutlich herauszuhören.

"Es war nicht die Zeit für ihn, den Klub zu verlassen. Wir haben ihm unser Vertrauen geschenkt, obwohl es einige Rückschläge gab", kommentierte der Ex-BVB-Coach enttäuscht den Abgang seines Schützlings: "Tanguy hat für uns gegen Dortmund gespielt, im wichtigsten, engsten, spannendsten Spiel der Saison. Er hat ohne Profivertrag für uns gespielt, als er 17 Jahre alt war, ich habe ihm viel Vertrauen entgegengebracht."

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Nun, Nianzou wurde im Achtelfinal-Rückspiel gegen Dortmund (2:0) in der 92. Minute eingewechselt, die Partie kurz darauf abgepfiffen - dennoch hielten die Verantwortlichen ganz klar auch bei PSG große Stücke auf das Riesentalent.

Der in Paris geborene Sohn ivorischer Eltern wurde mit 14 entdeckt und seither in der Jugendakademie von PSG ausgebildet, wie vorher zum Beispiel auch sein neuer Teamkollege Kingsley Coman sucht er sein Heil nun aber in der Fremde. "Ich bin traurig, ich verstehe das nicht", sagte Tuchel dazu. Ex-PSG-Star Jérôme Rothen nannte den Abgang gar undankbar und "einfach nur skandalös".

Profi-Debüt mit 17 - Abgang zu Bayern mit 18

Mit 17 Jahren und sechs Monaten gab er am 7. Dezember 2019 sein Profi-Debüt für PSG, durchlief zudem die Jugend-Nationalmannschaften Frankreichs (3. Platz bei der U17-WM 2019) - bis zum A-Debüt könnte er sich aber auch noch für die Elfenbeinküste, das Herkunftsland seiner Eltern, entscheiden.

Dass seine Entscheidung auf Vereinsebene gegen PSG fiel, mag auch mit der Konkurrenz von Marquinhos, Presnel Kimpembe, dem Ex-Dortmunder Abdou Diallo oder dem früheren Schalker Thilo Kehrer zusammenhängen.

Selbst ohne Thiago Silva, dessen Vertrag ausläuft, bewerben sich schon jetzt vier Etablierte um zwei Plätze in der Innenverteidigung.

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Bei Bayern stehen aktuell zwar sogar fünf potenzielle Innenverteidiger im Kader (Niklas Süle, Lucas Hernández, David Alaba, Jérôme Boateng, Benjamin Pavard) - doch können drei von ihnen (Hernández, Pavard, Alaba) auch außen spielen.

Die Zukunft von Boateng und Alaba ist zudem noch nicht geklärt. Das könnte die Chance für jemanden wie Nianzou sein, der ebenfalls eine defensive Allzweckwaffe ist.

Allzweckwaffe defensiv, Kopfballungeheuer offensiv

"Er kann in der Mitte spielen, auf der Sechs, in der Innenverteidigung", erklärte Tuchel, Salihamidzic betonte: "Seine Top-Position ist Innenverteidiger, aber er kann auf mehreren Positionen spielen." Landsmann Bixente Lizarazu (1997-2004 und 2005-2006 beim FCB) meint zu Nianzou: "Er ist ein großes Talent in der Defensive."

Auch Willy Sagnol (2000 bis 2009 beim FCB) sieht "viel Potenzial" beim neuen Bayern-Juwel: "Er ist sehr kopfballstark, gerade in der Offensive, aber in der Defensive muss er noch lernen."

Neben seiner Vielseitigkeit, mit der er perfekt in die Bayern-Defensive passt, punktete der 1,87 Meter große Abwehrspieler auch als torgefährliches Kopfballungeheuer im gegnerischen Strafraum. Beim letzten PSG-Einsatz über 90 Minuten gegen SC Amiens nickte er gleich zweimal ein.

In der Coupe de la Ligue verbuchte er in zwei Spielen insgesamt ein Tor und eine Vorlage, in zwei Spielen der UEFA Youth League kamen vergangene Saison noch einmal zwei Vorlagen hinzu. Fazit: Offensiv hat sich Nianzou schon einen gefährlichen Ruf erarbeitet. Zudem werden ihm eine gute Technik und Spieleröffnung attestiert.

Bald Duelle mit Sohn von Vorbild Lilian Thuram?

Wie sattelfest der Youngster defensiv schon ist, gerade dauerhaft und auf dem höchsten Level beim FC Bayern, muss er nun nachweisen - auch gegen den Sohn seines Idols. Denn dieser wartet mit Marcus Thuram (Borussia Mönchengladbach) in der Bundesliga nun auf ihn.

"Er hat viel Talent, aber er muss geduldig sein", erklärte Tuchel zu Nianzous PSG-Abschied, prophezeite ihm aber eine "große Zukunft". Diese soll der 18-Jährige jetzt bei Bayern haben.

Salihamidzic ist jedenfalls jetzt schon sicher, "dass er bei uns eine große Karriere machen wird und eine absolute Verstärkung ist".

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