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Berlin - Der FC Bayern kann mit einem Punkt bei Union Berlin zufrieden sein. Während die Münchner in der Champions League dominieren, stockt in der Bundesliga der Motor.

Nur ein Sieg aus den vergangenen vier Bundesliga-Spielen! (Service: Tabelle der Bundesliga)

Beim FC Bayern gehörte das Wort "Krise" in den vergangenen zwölf Monaten nicht zum Vokabular. Davon sind die Münchner auch noch weit entfernt, in einer Remis-Krise befindet sich die Mannschaft von Triple-Trainer Hansi Flick aber allemal.

Wettbewerbsübergreifend holten die Bayern aus den vergangenen sieben Spielen nur drei Siege, dafür vier Remis: 1:1 gegen Bremen, 1:1 gegen Atlético Madrid, 3:3 gegen RB Leipzig, 1:1 gegen Union Berlin am Samstagabend.

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Bayern steckt in der Remis-Krise! Das hat Gründe. (Service Ergebnisse und Spielplan)

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Die Null steht kaum noch!

Auswärts sind die Bayern in dieser Saison noch nie ohne Gegentor geblieben. Nach nunmehr elf Spieltagen musste Manuel Neuer bereits 17 Mal hinter sich greifen. In Berlin gerieten die Bayern im fünften Bundesliga-Spiel in Folge in Rückstand.

"Dafür gibt es keine Erklärung", sagte Manuel Neuer beim ZDF. Flick zu den Gründen: "Wir müssen aufgrund der Belastung immer wieder häufig wechseln. Eine Abstimmung wie in der letzten Saison ist da nicht möglich."

Bereits nach wenigen Sekunden vereitelte der Bayern-Kapitän eine Großchance, dann traf Grischa Prömel per Kopf zum 1:0 für die Gastgeber (4.). Robert Lewandowski ließ ihn nach einer Ecke zu einfach einköpfen.

"Wir haben danach gemerkt, dass in den Köpfen was passiert. Das ist meine Erklärung, warum wir in der ersten Halbzeit nicht so selbstbewusst agiert haben", sagte Flick ehrlich. Der Cheftrainer fordert: "Wir müssen von Anfang an konzentrierter sein und besser Fußball spielen. Das können wir und das hat nichts mit Müdigkeit zu tun."

Nur vier Spieler sind in Topform!

Neuer, Thomas Müller und Kingsley Coman (toller Assist zum 1:1) sind bei den Bayern die derzeit einzigen und konstantesten Aktivposten und liefern regelmäßig ab. Auch Lewandowski, dessen 1:1 sein 175. Tor im 200. Bundesliga-Spiel für die Bayern war, ist gut drauf, aber wirkt nicht hundertprozentig fit.

Vielen Stammspielern ist die enorme Belastung der vergangenen Monate anzumerken (Jérôme Boateng, David Alaba, Leon Goretzka, Serge Gnabry, Benjamin). "Den frischesten Eindruck machen wir aktuell nicht, das kann man sehen", antwortete Flick auf SPORT1-Nachfrage. "Wir haben eine hohe Belastung, das wissen wir. Aber mit der ersten Halbzeit können wir nicht zufrieden sein. Die zweite Halbzeit war besser."

Backups noch nicht auf Bayern-Niveau!

Kaum eine Woche vergeht ohne einen neuen Verletzten. Immerhin rechnet Flick nächste Woche wieder mit Joshua Kimmich im Mannschaftstraining (Aufbautraining nach Meniskus-OP), will mit ihm aber nichts überstürzen.

Javi Martínez ist ständig angeschlagen und fehlte am Samstag wegen Oberschenkelproblemen. Niklas Süle (fehlte wegen einer Einblutung im Oberschenkel) könnte am Mittwoch gegen den VfL Wolfsburg wieder zur Verfügung stehen. Goretzka musste bei den Köpenickern angeschlagen runter. Die Diagnose wird Sonntag erwartet.

Vor dem Anpfiff teilten die Bayern mit, dass sich Neuzugang Tanguy Nianzou erneut schwer verletzt hat. Diesmal ist es ein Muskelbündelriss im hinteren Oberschenkel. Bitter: Es ist das Bein, in welchem er sich Anfang September bei einem Torschuss im Training der französischen U20-Nationalmannschaft eine komplizierte Muskelverletzung in der vorderen Oberschenkelmuskulatur zugezogen hat. Flick rechnet mit bis zu zwei Monaten Pause.

Hinzukommt: Die Last-Minute-Einkäufe Marc Roca, Bouna Sarr, Eric Maxim Choupo-Moting und Douglas Costa verstärken die Breite, kommen in wichtigen Spielen oder brenzligen Phasen jedoch kaum zum Zug.

Auch Leroy Sané hat noch keine Bindung zum Bayern-Spiel und enttäuschte nach seiner Einwechslung gegen Union (63.). Stattdessen muss Flick auf den 17-Jährigen Jamal Musiala setzen, der gegen die Berliner in der Startelf stand und von dem noch keine regelmäßigen Wunderdinge zu erwarten sind.

Bayern sind zu unkonzentriert!

Dominierten die Münchner nach dem Re-Start die Gegner nach Belieben und holten in Lissabon verdientermaßen das Triple, unterlaufen ihnen aktuell Fehler, die sie nicht in der Lage sind abzustellen.

Dazu zählen vor allem einfache Fehlpässe in der Vorwärtsbewegung, fehlende Abstimmung in der Viererkette und bei Standards und zu lasche Zweikämpfe in den entscheidenden Zonen.

Auf die Frage, ob es derzeit an Konzentration mangelt, sagte Thomas Müller bei Sky: "Da muss ich leider zustimmen. Wir sind relativ oft in den letzten Wochen in Rückstand geraten. Heute ging das sehr schnell." In der aktuellen Form sind die Bayern jedenfalls kein Meisterschaftsfavorit. Flick bei Sky: "Es wird eine schwere Saison, das haben wir vorher gewusst."

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