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Die Niederlage im Derby ist den Fans von Borussia Mönchengladbach übel aufgestoßen. Trainer Marco Rose steht im Zentrum der Kritik, was auch mit Gerüchten zu tun hat.

"Mit dem Derby spielt man nicht" - das wird Marco Rose spätestens jetzt klar sein. 

Die Botschaft, die der FPMG Supporters Club nach der 1:2-Pleite von Borussia Mönchengladbach gegen den 1. FC Köln an den eigenen Trainer schickte, hatte es in sich. (SERVICE: Ergebnisse und Spielplan Bundesliga)

"Wer das Derby als idealen Zeitpunkt für ein Rotationsexperiment ansieht, hat Borussia Mönchengladbach nicht verstanden", hieß es in der Stellungnahme der einzigen von Borussia anerkannten Dachorganisation für alle Gladbach-Fans weiter. Eine heftige Breitseite nach der ersten Gladbacher Niederlage im Jahr 2021 und der ersten Derby-Pleite von Rose. 

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Der 44-Jährige bekommt zum ersten Mal als Trainer der Fohlen so richtig Gegenwind. Es drängt sich wegen mehrerer Faktoren die Frage auf, ob das bereits der Anfang von seinem Ende am Niederrhein ist. 

Beziehung von Rose zu Gladbach-Fans kompliziert

Fakt ist, dass die Liebe der Gladbacher Fans zu ihrem Trainer seit einigen Wochen auf die Probe gestellt wird. Denn die Gerüchte, dass er im Smmer nach zwei Jahren bereits die Zelte in Mönchengladbach abbricht und zum BVB weiterzieht, reißen nicht ab. (SERVICE: Alles zur Bundesliga)

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"Rose geht nach Dortmund", war sich Heribert Bruchhagen am Sonntag im CHECK24 Doppelpass auf SPORT1 sicher: "Eberl und er haben längst einen Deal getroffen, das ist geklärt. Die Entscheidung ist vor Monaten getroffen worden. Das wird jetzt nur noch vier Wochen unterm Deckel gehalten", sagte der frühere Vorstandsvorsitzende von Eintracht Frankfurt und dem Hamburger SV. 

Im Lager der Fohlen scheinen das auch einige Fans zu glauben. Das legt die harsche Kritik an Rose nahe, der seine Aufstellung gegen Köln - im Vergleich zum 2:1-Sieg im Achtelfinale des DFB-Pokals beim VfB Stuttgart - auf sieben Positionen verändert hatte. (SERVICE: Tabelle der Bundesliga)

"Ich habe keine Lust, über Spekulationen zu reden", sagte Rose nach der Niederlage erbost über die bohrenden Fragen nach seiner Zukunft: "Ich werde nicht jeden Tag Wasserstandsmeldungen abgeben." 

Das Problem: Genau das hat Rose noch gar nicht gemacht.

Kein Bekenntnis zu den Fohlen, keine Zusage an den BVB - genau diese Hängepartie macht die derzeitige Situation mit den Fans so kompliziert.

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Die Stimmung der Fans droht zu kippen

Genau das ist die Gefahr für Rose und sein Team: Die Stimmung bei den Fans droht zu kippen. Das wäre fatal, denn eigentlich steht die Borussia nicht schlecht da. 

In der Champions League haben die Fohlen das Achtelfinale erreicht, wo Manchester City wartet. Im DFB-Pokal ist sogar der Titel drin - hier geht es jetzt im Viertelfinale ausgerechnet gegen den BVB. In der Bundesliga steht die Borussia punktgleich mit dem BVB auf Rang sieben. Die erneute Qualifikation für die Königsklasse ist noch in Reichweite. 

Da kann es Rose in den entscheidenden Wochen der Spielzeit so gar nicht brauchen, dass Unruhe ihren Weg in die Mannschaft findet.

Die Spieler stehen hinter ihrem Coach - daran gibt es keinen Zweifel, auch wenn Christoph Kramer durchblicken ließ, dass die Rotation vielleicht doch etwas übertrieben war:

"Im Nachhinein kann man immer sagen, dass der ein oder andere Wechsel zu viel war. Aber wir haben die ganze Zeit unter Marco Rose immer viel rotiert. Das hat uns immer richtig gut getan. Heute ist es einmal schief gegangen", sagte Kramer. "Im Vorbeigehen oder mit nur einem bisschen weniger holst du halt nichts."

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Dortmund oder Gladbach - wohin passt Rose besser?

Eine baldige Entscheidung könnte Rose durchaus Luft verschaffen und Druck nehmen. Wenn er sich für die "richtige" Borussia entscheidet, dann könnte er sich wohl auch wieder der Unterstützung der Gladbach-Fans sicher sein - trotz der Derby-Enttäuschung. 

Doch wo ist Rose denn nun besser aufgehoben? 

"Die eigene Entwicklung kann für Rose in Gladbach viel besser vonstatten gehen", glaubt Bruchhagen: "Du musst dich nicht mit Präsident Rolf Königs oder Rainer Bonhof unterhalten – die halten sich zurück, du hast nur Max Eberl (Sportdirektor, Anm. d. Red.) als Gesprächspartner. Diese duale Beziehung ist für die eigene Entwicklung sicherlich besser, da darf der Trainer auch an sich denken. Da hat Dortmund schon eine andere Struktur und Konstellation." 

SPORT1-Experte Marcel Reif sieht das ähnlich. "In Gladbach kannst du in Ruhe arbeiten und weißt, es gibt Entwicklungspotenzial. Das hast du in Dortmund mehr, im Regal eine Stufe höher, junge Leute holen und ausbilden", sagte er im CHECK24 Doppelpass, stellte aber zugleich in Zweifel, dass ein BVB-Wechsel überhaupt ein Upgrade wäre: "Es ist nicht so, dass du damit Meister wirst. Ist das dann also der nächste Schritt? Nur weiterzuentwickeln? Vielleicht mache ich das lieber noch ein bisschen in Gladbach weiter, statt in Dortmund einen zweiten Klopp abzugeben."

Während sich Bruchhagen trotzdem sicher ist, dass Rose nach Dortmund geht, glaubt Markus Babbel an Gladbachs Chance.

"Ich kann mir schon vorstellen, dass Rose in Gladbach die nächsten Jahre arbeiten würde. Vor allem, weil Eberl total von ihm überzeugt ist. In Gladbach hast du eben den absoluten Support. In Dortmund wirst du doch viel schneller angezählt", sagte der ehemalige Hertha-Coach im CHECK24 Doppelpass.

Egal, wo Rose in der nächsten Saison coachen wird - eine zeitnahe Verkündung seiner Entscheidung würde ihm und Gladbach nur helfen. 

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