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Hans Gehrlein (l.) ist ein wichtiger Vertreter der Bayern-Fans
Hans Gehrlein (l.) ist ein wichtiger Vertreter der Bayern-Fans © SPORT1-Grafik: Marc Tirl/Imago
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München - Hansi Flick möchte im Sommer aus seinem Vertrag beim FC Bayern raus und hat damit einen kleinen Erdrutsch verursacht. So denkt ein Fan-Vertreter darüber.

Die Ankündigung von Hansi Flick, am Ende dieser Saison beim FC Bayern aus seinem Vertrag raus zu wollen, hat die Bundesliga in Aufruhr versetzt. Grund für das überraschende Vorpreschen waren Unstimmigkeiten mit Sportvorstand Hasan Salihamidzic.

Am Sonntag wurde der 56-Jährige von den Bossen zurückgepfiffen. Natürlich sind die Fans in Sorge und irritiert. Bei SPORT1 spricht Hans Gehrlein, der Vorsitzende des größten Fanklubs "Die 13 Höslwanger" über die aktuelle Lage beim Rekordmeister und Salihamidzic, gegen den Anhänger eine Petition gestartet haben.

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SPORT1: Herr Gehrlein, was sagen Sie zum Vorpreschen von Hansi Flick am Samstag? (Die Tabelle der Bundesliga) 

Hans Gehrlein: Ganz überraschend kam das Ganze für mich nicht. Es war in den letzten Wochen schon absehbar, dass zeitnah so ein Statement ansteht. Hansi Flick wird es sich gut überlegt haben, seine Entscheidung nach dem erfolgreichen Spiel gegen Wolfsburg so zu veröffentlichen.

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SPORT1: Können Sie ihn verstehen?
 
Gehrlein: Die genauen Gründe sind mir nicht bekannt, aber wenn sich jemand in seiner Arbeit nicht mehr wohlfühlt und sich verändern möchte, dann muss man dafür natürlich schon Verständnis haben. Außerdem wollte er damit wohl verhindern, dass diese Info aus der Kabine an die Öffentlichkeit kommt. Unter diesem Gesichtspunkt hat er es aus seiner Sicht schon richtig gemacht.

SPORT1: Der Verein hat Flick am Sonntag zurückgepfiffen. Zurecht?
 
Gehrlein: Naja, er ist Angestellter des FC Bayern München und verdient sicherlich ein üppiges Gehalt. Da kann ich mir gut vorstellen, dass seine Chefs über den Alleingang nicht begeistert waren. Wenn man es aus Sicht der Chefetage sieht, dann wäre eine gemeinsame Erklärung schon sinnvoller und wahrscheinlich auch für alle Beteiligten besser gewesen. Wenn man erklärt hätte, dass Hansi Flick zum Wohle der deutschen Nationalmannschaft vom Verein freigegeben wird, dann hätte man es viel besser kommunizieren können. Aber jetzt ist es so, wie es ist. (Spielplan und Ergebnisse der Bundesliga)

Mit dem Herzen dabei: Hansi Gehrlein am Rednerpult bei der Jahreshauptversammlung des FC Bayern 2019
Mit dem Herzen dabei: Hansi Gehrlein am Rednerpult bei der Jahreshauptversammlung des FC Bayern 2019 © Imago

SPORT1: Wie sehen Sie Hasan Salihamidzic in der Sache?
 
Gehrlein: Er hat an der ganzen Entwicklung bestimmt keinen unwesentlichen Anteil. Das gibt es immer wieder mal, dass zwei Personen nicht so gut miteinander können. Aber diese Angelegenheit hätte man im Nachgang bestimmt noch besser lösen können. Verständlicherweise prasselt jetzt eine Menge Unmut aus der Öffentlichkeit auf Salihamidzic ein. Er ist da bestimmt nicht der Alleinschuldige. Wenn eine Beziehung bricht, dann haben oft beide Seiten Fehler gemacht. Dies könnte hier auch der Fall sein. Der "Brazzo" macht bei der Außendarstellung zu der Thematik eine sehr unglückliche Figur, das könnte man sicherlich auch besser machen.

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SPORT1: Glauben Sie, dass Flick am Ende sogar entlassen wird?
 
Gehrlein: Auf keinen Fall. Seine Arbeit und die Erfolge der letzten beiden Spielzeiten mit den vielen gewonnen Titeln sind einzigartig. Auch die Herzen der Fans hat er im Sturm erobert. Der FC Bayern ist gut beraten, ihm einen großartigen und gebührenden Abschied zu bereiten, wenn es soweit ist. Alles andere wäre für mich undenkbar.

SPORT1: Hat Flick den Verein lächerlich gemacht?
 
Gehrlein: Nein. Es ist zwar alles ein bisschen unglücklich gelaufen. Das hat mit "lächerlich machen" aber nichts zu tun. Es ist halt eine ungewöhnliche Situation, wenn ein Cheftrainer beim großen FC Bayern seinen laufenden Vertrag von sich aus kündigt. Das kennt man so nicht. Den umgekehrten Fall hat es ja schon des Öfteren gegeben, aber so fühlt sich das dann doch noch ein bisschen anders an.

SPORT1: Müssen die Bosse jetzt nur einen holen, nämlich Julian Nagelsmann? Koste es, was es wolle oder wer ist Ihr Wunschtrainer?
 
Gehrlein: Der Hansi hat beim FC Bayern großartige Arbeit geleistet. Wer ihm da nachfolgen könnte, wage ich nicht zu beurteilen. Mir ist ein jeder recht, der annähernd die fachliche und menschliche Qualität von Hansi Flick mitbringt. Ich traue aber den Verantwortlichen des Vereins jederzeit zu, wieder einen sehr guten Cheftrainer für diesen wichtigen Posten zu finden.

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SPORT1: Was halten Sie von der Super League?
 
Gehrlein: Ich halte dies für keine gute Idee. Ich bin ein Kind der Bundesliga und diese begeistert mich Jahr für Jahr wieder. Auch die 2. und 3. Liga finde ich hochinteressant. Als Zuckerl kommen noch die Spiele in den Europapokal-Wettbewerben obendrauf. Das Format hat sich bewährt.

SPORT1: Lassen Sie uns kurz über ein aktuelles Aufreger-Thema sprechen. Finden Sie es gut, dass die deutschen Klubs nicht dabei sind?
 
Gehrlein: Ja, das finde ich sogar sehr gut. Die Super League würde den Fußball und die Fans weiter entfremden. Der Profifußball tut gut daran - und nicht nur jetzt wegen der Corona Pandemie - sich zu hinterfragen, wie man an seinen Fans dranbleiben kann. Ein bisschen weniger Show würde da der Sache schon gut tun.
 
SPORT1: Glauben Sie, dass sie nicht doch noch dazu stoßen?
 
Gehrlein: In die Zukunft schauen kann ich leider nicht. Deshalb weiß ich auch nicht, was noch passieren wird. Ich hoffe aber ganz stark, dass alle unsere Entscheidungsträger auf dem Boden bleiben und die Meinung der Basis hier respektieren. Der Fußball braucht seine Fans mit den ganzen Emotionen, die dieser wunderbare Sport mit sich bringt, dringender als je zuvor.

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