Lesedauer: 7 Minuten
teilenE-MailKommentare

Die europäischen Topklubs wollen die Super League. Welche Folgen hat dies für die nationalen Ligen und die Champions League? SPORT1 nennt die Hintergründe.

Diese Nachricht erschüttert den Fußball bis ins Mark!

Die englischen Spitzenklubs Chelsea, Manchester City, Manchester United, Liverpool, Arsenal und Tottenham schließen sich mit den spanischen Top-Vereinen Real Madrid, FC Barcelona und Atlético sowie dem Italien-Trio Juventus Turin, Inter und AC Mailand für die Gründung einer Super League zusammen. (Die Erklärung der Teams im Wortlaut)

Sie soll in Konkurrenz zur Champions League treten. Vielmehr: Sie wird die bisherige Königsklasse deutlich entwerten, wenn es so kommt.

Anzeige

International treffen die Pläne auf große Entrüstung. Viele Legenden sind empört. (Die Pressestimmen)

SPORT1 beleuchtet die Protagonisten, Pläne und Hintergründe.

Meistgelesene Artikel

Weshalb wollen die Topklubs die Super League? 

Im Vordergrund der Vereine steht vor allem das Geld. Die Klubs wollen Sendepartner anlocken, Sponsoren ins Boot holen und in vollen Stadien spielen. Laut der Ankündigung der Super League werden die Gründungsvereine von der Investmentbank JP Morgan Chase 3,5 Milliarden Euro erhalten. Also würde jeder Klub etwa 300 Millionen Euro bekommen. Es wäre ungefähr das Dreifache dessen, was der FC Bayern als Champions-League-Sieger 2020 einnahm. 

Zudem befinden sich einige Klubs in den Händen von Investoren aus den USA. Diese Geldgeber wollen das Sportmodell aus den USA mit geschlossenen Ligen auch im Fußball installieren und sind vor allem angetrieben von den Summen, die in den US-Ligen wie der NBA und NFL fließen. 

Warum ist es jetzt zu diesem Vorstoß gekommen?

Die Idee der Super League steht nicht erst seit der Verkündung am Sonntag im Raum. Sie wurde immer wieder von den Topklubs angedeutet, wenn sie der UEFA bei Reformen Druck machen wollten. Nun überschneidet sich die Verkündung mit einer anderen richtungsweisenden Entscheidung: der Reform der Champions League. Die Frage ist: Meinen die Vereine die Pläne dieses Mal ernst?

Definitiv spielen die Coronakrise und die damit leeren Kassen vor allem der spanischen Klubs eine Rolle. Ausgerechnet Florentino Pérez, langjähriger Präsident von Real Madrid, soll Vorsitzender der neuen Liga werden. Die Königlichen sind seit Amtsübernahme von Pérez im Jahr 2009 immer wieder auf die Hilfe des spanischen Staates angewiesen, um den Bankrott bei rund 900 Millionen Euro Verbindlichkeiten abzuwenden. 

Laut The Athletic ist der FC Barcelona sogar mit mehr als 1 Milliarde Euro verschuldet.

Auch die italienischen Klubs wurden zuletzt finanziell empfindlich getroffen. Die Serie A unterzeichnete mit DAZN einen Deal über 2,5 Milliarden Euro, der 840 Millionen Euro pro Saison für die Übertragung der Spiele zwischen 2021 und 2024 vorsieht. Dieser Vertrag ist jedoch im Vergleich zu den vorherigen Vereinbarungen ein klarer Rückschritt. 

Wer sind die Drahtzieher hinter den Plänen?

Die Super League ist das "Baby" von Real-Boss Pérez. Der 74-Jährige kündigte bereits 2009 an: "Wir müssen uns auf eine neue europäische Superliga einigen, die garantiert, dass die Besten immer gegen die Besten spielen - etwas, was in der Champions League nicht passiert." Seitdem kämpfte er immer weiter hinter den Kulissen für seinen Traum. Nun scheint er am Ziel. 

Möglich wurde dies, da Pérez mit einigen Topklubs weitere Befürworter der neuen Liga gefunden hat. Die größten Treiber waren Manchester United, Liverpool und Arsenal. Zuletzt schloss sich dann auch Tottenham den Vorreitern an. Ein gewichtiges Wort hat zudem Juve-Präsident Andrea Agnelli, der Vizepräsident der Super League wird und von UEFA-Boss Ceferin attackiert wurde.

Kurios: Ausgerechnet der vom russischen Oligarchen Roman Abramowitsch geführte FC Chelsea und Manchester City mit Scheich Mansour Bin Zayed Al Nahyan als Hauptanteilseigner mussten in England von den "Big Six" angeblich am meisten überredet werden.

Weshalb fehlen Bayern, der BVB und Paris?

Mit dem FC Bayern und Paris Saint-Germain fehlen zwei absolute Größen. 

Bayerns Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge sagte zur Super League bereits im Januar bei der tz: "Ich warne davor, weil sie den nationalen Ligen großen Schaden zufügen würde."

Am Montag nahm Rummenigge in einer Pressemitteilung Stellung: "Der FC Bayern hat sich an den Planungen einer Super League nicht beteiligt. Wir sind davon überzeugt, dass die aktuelle Statik im Fußball eine seriöse Basis garantiert. Der FC Bayern begrüßt die Reformen der Champions League, weil wir glauben, dass sie für die Entwicklung des europäischen Fußballs der richtige Schritt sind."

Rummenigge war viele Jahre Vorsitzender der Europäischen Klub-Vereinigung ECA, die gleichberechtigt mit der UEFA die europäischen Klubwettbewerbe Champions League und Europa League vermarktet. Eine Teilnahme der Bayern an der Super League wäre auch ein Verrat an Rummenigges Arbeit.

Ähnlich ist der Fall bei PSG. Die katastrophale Situation der Fernsehrechte in Frankreich hat den Klubs in diesem Sommer ein schwarzes Loch von 30 bis 45 Millionen Pfund beschert. Dennoch ist PSG ein strikter Gegner des neuen Elite-Wettbewerbs. 

Der Grund: PSG-Präsident Nasser al-Khelaifi ist zum einen Mitglied des UEFA-Vorstands und auch der ECA. Al-Khelaifi leitet zudem die beIN Media Group, die die Rechte für die Übertragung der UEFA Champions League hat.

Borussia Dortmund stellt sich ebenfalls gegen die Super League. In einer Stellungnahme drückte der Klub seine Ablehnung aus.

Unmoralisches Angebot an Bayern und BVB

Allerdings: Bayern, BVB und PSG sind von den Gründern offenbar als feste Teilnehmer gewünscht. Das geht aus einem Spiegel-Bericht hervor. Dem Magazin liegt wohl der Rahmenvertrag über die Gründung der Eliteliga vor. Dieser sei vom 17. April 2021 und von den zwölf Gründerklubs unterschrieben worden.

Demnach solle der Vorstand der neuen Liga den Bayern, dem BVB und PSG so schnell wie möglich die Mitgliedschaft in der Super League anbieten. Diese drei Klubs würden im Vertrag als "vorgeschlagene zusätzliche Gründungsmitglieder" genannt. Schon bei der Gründung der Super League wurde bekannt, dass langfristig 15 Klubs als Gründer fungieren sollen. Die fehlenden drei sollen Bayern, der BVB und PSG werden.

Innerhalb einer kurzen Frist sollen die Klubs ihre Antwort mitteilen, PSG habe demnach 14 Tage Zeit, Bayern und Dortmund 30. Im Vertrag heiße es außerdem, dass "in jeder Saison unter den Top 20 Super-League-Klubs mindestens zwei Klubs aus England, Frankreich, Deutschland, Italien und Spanien" dabei sein werden.

Der Start ist für Oktober anvisiert.

Welche Folgen drohen?

Es könnte den nächsten ganz großen Knall und das Ende des bisherigen Ligensystems geben. Die UEFA hat bereits deutlich gemacht, dass "die betroffenen Klubs von allen anderen Wettbewerben auf nationaler, europäischer oder weltweiter Ebene ausgeschlossen werden und ihren Spielern die Möglichkeit verwehrt werden könnte, ihre Nationalmannschaften zu vertreten."

Fliegen die Klubs ManCity, Real und Chelsea sogar sofort aus der Champions League?

Der Vorsitzende des dänischen Verbandes und Mitglied des Uefa-Exekutiv-Komitees, Jesper Möller, sagte DR Sporten: "Die Vereine gehen raus. Und ich gehe davon aus, dass dies am Freitag geschehen wird. Dann muss man sehen, wie man die Champions League beendet."

Eine Möglichkeit wäre, dass der einzige verbleibende Halbfinalist Paris Saint-Germain kampflos zum Champions-League-Sieger erklärt wird. Allerdings würde damit eine hohe Summe an TV-Geldern verloren gehen. Oder aber: Die unterlegenen Viertelfinalisten Bayern, Dortmund und Porto rücken nach.

In der Europa League würden Manchester United und Arsenal aus dem Halbfinale rausfallen.

Wie sind die Reaktionen?

Die Fans haben weltweit damit begonnen, die Fahnen der teilnehmenden Vereine abzuhängen. Zudem regt sich bei vielen Fan-Organisationen immer mehr Widerstand und sie greifen ihre Vereine an (Die Reaktionen zur Super League). 

Auch die Vereine aus Deutschland kritisieren die Pläne scharf.

Selbst aktive Stars wie Ander Herrera (PSG) oder Mesut Özil (Fenerbahce) haben die Klubs in den Sozialen Medien scharf verurteilt.

Nächste Artikel
previous article imagenext article image