So tickt Unglücksrabe Karius - seine Karriere in Bildern
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München und Kiew - Loris Karius wird im Champions-League-Finale zum Unglücksraben des FC Liverpool. Seine Patzer könnten für ihn das Ende bei den Reds bedeuten.

Nach dem Abpfiff lag Loris Karius minutenlang auf dem Rasen des Olympiastadions in Kiew.

Sein FC Liverpool hatte 13 Jahre nach dem letzten Champions-League-Titel wieder die Chance, sich die europäische Krone aufzusetzen. Doch zwei haarsträubende Karius-Patzer beendeten alle Hoffnungen.

Selbst Trainer Jürgen Klopp rang nach dem Albtraum von Kiew um die richtigen Worte: "Das wünscht man seinem schlimmsten Feind nicht. Es gibt da nicht viel zu reden. Die Fehler waren offensichtlich. Ich weiß es, er weiß es. Er muss damit umgehen und wir müssen damit umgehen."

Morddrohungen gegen Karius

Und während unmittelbar nach Spielschluss die meisten Liverpool-Fans ihrem Keeper tröstenden Applaus spendeten, wollten andere Anhänger Karius sprichwörtlich an die Gurgel. Mittlerweile ermittelt die Polizei sogar wegen diverser Morddrohungen im Netz.

Rückblick: Das 0:1 (51.) hatte der 24-Jährige verschuldet, indem er einen Abwurf direkt in die Füße von Real-Stürmer Karim Benzema schmiss. Die endgültige Niederlage besiegelte ein Fehlgriff des deutschen Schlussmanns nach einem 30-Meter-Schuss von Gareth Bale.

Kritik und Häme der internationalen Presse ließen nicht lange auf sich warten: "Karius schenkt Real Madrid den 13. Champions-League-Titel", schrieb die spanische Zeitung Sport. Der englische Independent sah "Torwartfehler für die Ewigkeit". Und für den italienischen Corriere della Sera war "das, was Karius angestellt hat, auf diesem Niveau unerhört".

Auch die deutschen Experten waren sich einig: Diese Fehler werden Karius noch lange begleiten. "Ich kann mich nicht erinnern, dass ich aus Torwart-Sicht schon etwas Brutaleres gesehen habe. So ein Abend kann eine Karriere zerstören", sagte ZDF-Experte Oliver Kahn.

Karius gibt sich kämpferisch

Der Reds-Keeper gab sich am späten Samstagabend, nachdem der erste Schock verdaut und flehende Entschuldigungen an Mannschaft und Fans ausgesprochen waren, zwar kämpferisch: "Es ist sehr hart, aber so ist das Leben eines Torwarts. Du musst den Kopf wieder hochnehmen."

Die Frage ist nur, ob ihm das gelingt. Der 24-Jährige war seit seinem Wechsel vor zwei Jahren von Mainz 05 an die Anfield Road nie ein Publikumsliebling. Sportlich kämpfte er lange mit dem Belgier Simon Mignolet um die Rolle als Nummer eins. Der Ex-Liverpool-Spieler und jetzige TV-Experte Jamie Redknapp taufte Karius sogar "Flutschfinger".

"Der Coolste überhaupt!" - Heidel verteidigt Karius

Erst ein Machtwort von Jürgen Klopp Anfang des Jahres machte ihm zum Stammkeeper, was Karius sichtlich gut tat. Die Patzer wurden weniger, in der Champions League war er lange Zeit sogar der Keeper mit den wenigsten Gegentoren.

Dennoch blieb in der öffentlichen Wahrnehmung die Torhüterposition eine Großbaustelle.

Ebenfalls nicht gerade hilfreich: Neben dem Feld hängt Karius der Ruf der Überheblichkeit an. Der gebürtige Schwabe ist ein Mode-Freak. Die englische Sun wählte ihn zum modischsten Profi der Premier League. Sein Instagram-Account erinnert eher an einen Jet-Set-Blog als an den Kanal eines Profi-Sportlers.

Beziehung mit "Parship"-Model

Für seinen Geländewagen ließ sich der Frauenschwarm Nackenstützen mit eigener Unterschrift anfertigen. Nach der gescheiterten Beziehung mit dem Model Annelie Alpert, die in Deutschland das Gesicht der Dating-Plattform "Parship" war, wurden Karius immer wieder Affären mit englischen Society-Sternchen nachgesagt.

All das überdeckt die Tatsache, dass Karius eher als introvertierter, fast verschlossener Mensch gilt. Nach dem schwärzesten Abend seiner noch jungen Karriere wird der Ex-Jugendnationalspieler jetzt Kraft in seiner Heimat Biberach tanken. Seine Familie ist Karius' größter Rückhalt.

Den Namen seines Großvaters ließ er sich als Tattoo stechen. Alte Weggefährten bescheinigen ihm einen sensiblen Charakter.

Umso mehr könnte der 24-Jährige deswegen an der tragischen Nacht von Kiew zu knabbern haben. Teamkollege Ragnar Klavan, ehemals in Diensten des FC Augsburg, baute seinen Torwart zwar umgehend auf. "Natürlich ist das kein gutes Gefühl. Aber das ist Fußball. Man darf nicht vergessen, dass uns Loris mit seinen Paraden auch ins Finale gebracht hat. Er muss jetzt nach vorne blicken", sagte der Este zu SPORT1.

Und auch Klopp gab seinem Sorgenkind einen gut gemeinten Rat mit: "Die Leute werden darüber reden und darüber schreiben. Am besten, man liest das nicht und macht irgendwann weiter", sagte der Coach bei Sky.

Aus in Liverpool?

Die Frage, ob Karius aber trotz Vertrages bis 2021 wirklich in Liverpool weiter machen darf, ließ der 50-Jährige unbeantwortet. Reds-Ikone Mark Lawrenson brachte in der BBC auf den Punkt, was fast alle in England denken: "Es tut mir leid für Loris Karius. Aber ich sehe momentan nicht die Chance, dass er beim FC Liverpool bleiben kann."

Mit dem Brasilianer Alisson vom italienischen Serie-A-Klub AS Rom sollen die Reds schon einen Nachfolger im Blick haben, der die Torwart-Sorgen an der Anfield Road endgültig beenden soll. 

Auch der Slowene Jan Oblak von Atletico Madrid und Italiens Torwart-Megatalent Gianluigi Donnarumma vom AC Mailand gelten als Kandidaten.

Sicher verlassen wird die "Reds" dann wohl Ersatztorhüter Simon Mignolet. Die Entscheidung wird dann bei Karius selbst liegen, ob er sich mit dem Status als Nummer zwei zufrieden gibt.

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