WM-Aus für Salah? Klopp: "Sieht nicht gut aus!"
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Kiew - Real Madrid landet den Champions-League-Hattrick. Kapitän Sergio Ramos trägt dazu wesentlich bei - auf eher unrühmliche Art und Weise.

Mohamed Salah verließ das Olympiastadion von Kiew mit leerem Blick und einer Schulterorthese, seine Augen waren nach seinem tränenreichen Horror-Finale noch immer angeschwollen.

Denn ein vermaledeiter Zweikampf hat dem Superstar des FC Liverpool womöglich einen seiner größten Lebensträume zerstört. Den von der Teilnahme an der Weltmeisterschaft, Ägyptens erste seit 28 Jahren.

Daraus könnte nichts werden - sollte Jürgen Klopp Recht behalten. Salahs linke Schulter ist laut seinem Trainer gebrochen. "Der Fußball kann manchmal ungerecht sein", sagte sein Mitspieler Dejan Lovren nach dem 1:3 gegen Hattrick-Champion Real Madrid über die Szene in der 26. Minute: "Da spielst du so eine Saison und verlierst in einem Moment alles."

"Wird in Ägypten keine Freunde mehr haben"

In diesem einen Moment begegnete Sergio Ramos seinem Gegenspieler Salah ohne Rücksicht auf Verluste. Er spielte zwar den Ball, rang seinen Gegenspieler aber zu Boden. Unglücklich, ja. Aber auch unbeabsichtigt? Das ist die Frage.

Klopp sah im Sky-Interview nach Spielende jedenfalls davon ab, den Kapitän der Königlichen in Schutz zu nehmen: "Er zieht ihn auf die Schulter, das ist schon brutal. Ramos wird jetzt in Ägypten auch keine Freunde mehr haben." (Alle Stimmen zum Spiel) 

Klopp wurde von den Zeilen der ägyptischen Presse am Sonntag bestätigt. "Möge Gott das Sagen haben, Ramos", schrieb Al Watan vielsagend: "Er hat Salah getroffen, um ihn aus dem Spiel zu nehmen." Al Masry al Youm machte den Real-Kapitän gar zum "Metzger, der auf Salahs Schulter ausrutschte".

Die Aktion habe seine Mannschaft "schockiert", aus der Bahn geworfen, ergänzte Klopp später auf der Pressekonferenz. "Das war ein bisschen wie Wrestling." 

Kahn sieht "keinen bösen Willen"

"Er wollte ihn sicher nicht verletzen, aber ich glaube, er wollte ihm schon wehtun. Ein Zeichen setzen, ihm zeigen: Heute kommst du nicht weit", urteilte der deutsche Rekordnationalspieler Lothat Matthäus bei Sky.

Oliver Kahn widersprach dieser Darstellung, er könne "keinen bösen Willen" von Ramos erkennen, sagte der Torwart-Titan im ZDF. "Das passiert in jedem Fußballspiel 15 Mal, das ist keine außergewöhnliche Situation. Salah zieht ja auch als Erstes, und Ramos ist kein Kind von Traurigkeit, der weiß sich zu wehren."

Für Liverpools Fans war die Sache eindeutig: Ramos verletzte ihren Helden bewusst. Sie pfiffen Reals Abwehrturm bei jeder Ballberührung gnadenlos aus. Der ließ sich davon aber keineswegs beeindrucken. Ganz im Gegenteil: Er legte mit zwei weiteren fragwürdigen Aktionen nach. (Das Spiel zum Nachlesen im Ticker)

Zwei weitere fragwürdige Aktionen

Erst verpasste Ramos Liverpools bemitleidenswertem deutschen Torhüter Loris Karius kurz vor dessen groben Patzern einen Ellbogenschlag ins Gesicht. Geahndet wurde die Aktion in der 49. Minute nicht. Ob der Schlag Karius' grobe Fehler begünstigte - unklar.

Dann fiel der 32-Jährige nach einem leichten Wischer von Sadio Mane theatralisch zu Boden und hielt sich schmerzverzerrt das Gesicht.

Klar: Ramos ist einer der besten, wenn nicht sogar der beste Innenverteidiger der Welt. Sein Stellungsspiel sucht seinesgleichen, darüber hinaus besticht er durch Torgefahr. Nur Franz Beckenbauer führte außer ihm eine Mannschaft drei Mal zum Henkelpott.

Aber er kann bisweilen eben auch den Eindruck eines überharten und zu Schauspieleinlagen bereiten Rüpels hinterlassen.

Ramos wünscht Salah schnelle Genesung

"Ramos ist ein Spieler, den ich früher in der Schule immer als ersten gewählt hätte", lobte Kahn den spanischen Welt- und Europameister.

"Er ist eben ein absoluter Leader und arbeitet mit allen Mitteln. Und eben auch mit solchen Mitteln, die nicht die feine englische Art sind. Das ist auch ein Teil von Ramos und jeder, der ihn in der Mannschaft hat, kann froh sein."

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Das waren sie auch. Die Real-Stars feierten bis 3 Uhr nachts Ortszeit im Stadion, ehe sie sich auf den Rückweg nach Madrid begaben. Ramos stieg als Letzter in den Bus, breitgrinsend und den Henkelpott stolz umklammernd. 

Über Salah sprechen wollte er nicht. Immerhin setzte er wenig später eine Nachricht in den sozialen Netzwerken ab, in der er dem Ägypter eine gute und schnelle Genesung wünschte.

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