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München - Sperrt die UEFA Manchester City wegen eines Skandals für die Champions League? Oder kommt der Klub davon? Große Verwicklungen sind so oder so die Folge.

Eine Champions-League-Saison ohne Manchester City und Pep Guardiola?

Es wirkt wie ein undenkbares Szenario - obwohl es eigentlich nur folgerichtig erscheint, was die New York Times am Montag vermeldet hat.

Demnach sieht alles danach aus, als ob die Finanzkontrollbehörde der UEFA auf eine einjährige Königsklassen-Sperre hinarbeitet. Grund ist der dringende Verdacht auf massive Verstöße gegen das Financial Fair Play, die detaillierte Enthüllungen der Plattform Football Leaks nahelegen und für die die City-Bosse angeblich keine plausible Erklärung vorlegen konnten.

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Der Fall scheint klar. Und doch ist keineswegs sicher, dass die UEFA die logische Konsequenz ziehen wird und die Verwicklungen in Kauf nimmt, die ein Durchgreifen gegen den Klub von Leroy Sané und Ilkay Gündogan und dessen mächtigen Förderer mit sich bringen würde.

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- Was wird Manchester City vorgeworfen?

Die Citizens sollen über Jahre hinweg systematisch gegen den Kern der FFP-Regel verstoßen haben: dass sich Einnahmen und Ausgaben des Klubs in etwa die Waage halten sollen, um Investoren davon abzuhalten, ihre Klubs grenzenlos zu bezuschussen.  

ManCity-Eigner Scheich Mansour Bin Zayed Al Nahyan, Mitglied der Königsfamilie der Vereinigten Arabischen Emirate, soll genau das getan haben, um die milliardenteure Aufrüstung der Mannschaft möglich zu machen. City hätte es verschleiert, unter anderem soll der Klub den (prinzipiell erlaubten) Sponsorendeal mit Etihad, der nationalen Fluglinie des Golfstaats, als weit größer dargestellt haben, als er eigentlich war.

Scheich Mansour bin Zayed Al Nahyan fordert eine Entschuldigung von Bayern-Präsident Uli Hoeneß
Scheich Mansour bin Zayed Al Nahyan fordert eine Entschuldigung von Bayern-Präsident Uli Hoeneß © Getty Images

Für das Finanz-Gebaren ist City - seit 2008 geführt vom mit der Königsfamilie eng verbundenen Geschäftsmann Khaldoon Al Mubarak - 2014 schon einmal mit einer 49-Millionen-Euro-Strafe belegt worden. Die Veröffentlichung angeblicher interner Dokumente der Plattform Football Leaks in Kooperation mit dem Spiegel legten aber einen weit großflächigeren Betrug nahe, den die UEFA nicht ignorieren konnte.

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- Wie verteidigt sich ManCity?

In erster Linie mit dem Verweis darauf, dass die Dokumente illegal nach außen gedrungen seien (Football-Leaks-Hintermann Rui Pinto sitzt seit März wegen des Vorwurfes der Cyberkriminalität und Erpressung in Portugal in Haft).

Rui Pinto, der Mann hinter Football Leaks, wurde im Januar in Ungarn verhaftet und in seine Heimat ausgeliefert
Rui Pinto, der Mann hinter Football Leaks, wurde im Januar in Ungarn verhaftet und in seine Heimat ausgeliefert © Getty Images

City erklärte in mehreren Statements, die Dokumente seien aus dem Kontext gerissen und Teil einer Verleumdungskampagne. Alle Anschuldigungen seien "komplett falsch" - eine konkrete inhaltliche Antwort auf die Leaks ist der Klub der Öffentlichkeit aber bis heute schuldig geblieben.

Im Zuge der UEFA-Ermittlungen mussten die Verantwortlichen aber Tacheles reden. Das Ergebnis: "Die Ermittler waren nicht überzeugt von den Erklärungen des Klubs", schreibt die Times.

- Wie lautet das Prozedere der Ermittlungen?

Seit einigen Monaten prüft die Untersuchungskammer der UEFA-Finanzkontrolle den Fall, federführend ist Yves Leterme, der frühere Premierminister von Belgien.

Yves Leterme war zwischen 2008 und 2011 zweimal Premierminister Belgiens
Yves Leterme war zwischen 2008 und 2011 zweimal Premierminister Belgiens © Getty Images

Laut Times wollen Leterme und Kollegen der Schiedskammer in dieser Woche ihren Bericht vorlegen, aller Voraussicht nach mit der Empfehlung einer Ein-Jahres-Sperre. Ob sie schon für diese Saison oder erst die nächste Saison gelten soll, ist unklar. Letztere Variante gäbe der UEFA in jedem Fall mehr Zeit, sich auf die zu erwartende Berufung von City einzustellen. Diese könnte vor den Internationalen Sportgerichtshof CAS führen.

Sollte die UEFA dagegen sofort durchgreifen, wäre Englands Tabellenfünfter FC Arsenal der logische Nachrücker.

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- Was würde passieren, wenn die UEFA ManCity für die Champions League sperrt?

Es wird erwartet, dass City sich mit allen Mitteln gegen eine solche Strafe wehren wird - zumal auch deshalb, weil Champions-League-Rivale Paris Saint-Germain mit seinen Förderern aus Katar in einem ähnlich gelagerten Fall vor kurzem ohne Sperre davongekommen ist.

Über die Entschlossenheit ManCitys in solchen Fragen gaben die Football-Leaks-Enthüllungen schon Aufschluss. In einem um den Fall von 2014 kreisenden E-Mail-Verkehr soll ein City-Anwalt geschrieben haben, dass ein Rechtsstreit mit dem Klub "die ganze Organisation innerhalb von Wochen zerstören könnte".

Khaldoon Al Mubarak bekleidet in den Vereingten Arabischen Emiraten zahlreiche unternehmerische Posten
Khaldoon Al Mubarak bekleidet in den Vereingten Arabischen Emiraten zahlreiche unternehmerische Posten © Getty Images

Wie ein juristischer Konflikt tatsächlich ausgehen würde, lässt sich schwer voraussagen, der ganze Fall ist politisch extrem aufgeladen, viele Interessen vieler mächtiger Menschen sind im Spiel - die im Zweifel oft dazu neigen, skandalträchtige Eskalationen zu vermeiden und diskrete Deals anzustreben.

Teils sind die Interessen von UEFA und den großen Klubs ja auch verflochten: Man bedenke etwa, dass PSG-Boss Nasser al-Khelaifi auch Chef des Senders beIN Sports ist, der der UEFA viel Geld für Senderechte bezahlt. Und generell hat jeder Großklub einen Hebel gegen die UEFA in der Hand: das konkreter werdende Gedankenspiel einer Superliga der europäischen Fußball-Großmächte, für die der Europaverband nicht zwingend gebraucht wird.

- Was passiert, wenn die UEFA City nicht sperrt?

In erster Linie ist dann offensichtlich, dass das Prinzip des Financial Fairplay klinisch tot ist und die UEFA gegen die mächtigen Klubs zahnlos agiert.

Was das zur Folge hat, ist die andere Frage: allgemeine Resignation, es ist wie’s ist, die da oben machen halt, was sie wollen und Fußball ist ja trotzdem schön?

Oder könnte ein anrüchiges Ende dieser Affäre vielleicht doch so etwas wie eine Rebellion der weniger Privilegierten auslösen?

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