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München - Das Spiel zwischen PSG und Basaksehir wird nach einer rassistischen Äußerung abgebrochen. Demba Ba nimmt in den Geschehnissen eine Vorreiterrolle ein.

Eigentlich war für Demba Ba an diesem Abend keine Hauptrolle vorgesehen.

Der 35 Jahre alte Stürmer nahm beim abgebrochenen Champions-League-Spiel von Paris Saint-Germain gegen Basaksehir Istanbul zunächst auf der Bank des türkischen Meisters Platz. (Service: Tabellen der Champions League)

In den vergangenen drei CL-Spielen stand der ehemalige Bundesliga-Profi noch in der Startelf, doch für Basaksehir ging es in diesem Spiel sportlich um nichts mehr, Platz vier in der Gruppe stand bereits vor Anpfiff fest. So ließ ihn Trainer Okan Buruk zunächst draußen.

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Und dennoch wurde Ba nach wenigen Minuten eine Schlüsselrolle bei einer Szene zuteil, die als eine der beschämendsten in die Geschichte des Wettbewerbs eingehen dürfte.

Demba Ba stellt vierten Offiziellen zur Rede

Nach rund einer Viertelstunde zeigte der rumänische Schiedsrichter Ovidiu Hategan dem Istanbuler Co-Trainer Pierre Achille Webó die Rote Karte. Der Kameruner Webó, selbst jahrelang Profi, war daraufhin kaum noch zu halten. Wütend stürmte er auf Hategan und den vierten Offiziellen Sebastian Coltescu zu. "Warum nannten Sie ihn einen Schwarzen?", fragte der 38-Jährige Coltescu immer wieder.

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In der Folge versuchte das Schiedsrichtergespann, die Sachlage aus seiner Sicht aufzuklären. Coltescu habe demnach das Wort "negru" (rumänisch für Schwarzer) verwendet, um dem Schiedsrichter zu signalisieren, wem er die Rote Karte zu zeigen habe.

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Spätestens jetzt war auch Ba nicht mehr zu halten. Der Senegalese baute sich vor Coltescu auf und stellte ihn zu Rede: "Warum nennen Sie ihn einen Schwarzen? Wenn Sie jemanden beschreiben, sagen sie 'dieser Mann', nicht 'dieser weiße Mann'. Warum sagen Sie dann 'dieser Schwarze' und nicht 'dieser Mann'"? (SPORT1-Kommentar: Webo verdient höchste Anerkennung)

Ba im Netz gefeiert

In dem minutenlangen Tumult tat sich Routinier Ba als Vorreiter hervor.

Er suchte nicht nur mehrfach den Dialog mit den Unparteiischen, um ihnen klar zu machen, dass die Aussage von Coltescu eine rassistische ist. Er sorgte auch aktiv dafür, dass seine Teamkollegen nach dem fast zehnminütigen Disput das Spielfeld verließen und das Spiel daraufhin abgebrochen und für Mittwoch mit neuem Schiedsrichtergespann neu angesetzt wurde (Champions League: Paris Saint-Germain - Basaksehir Istanbul, 18.55 Uhr im LIVETICKER).

In den sozialen Medien wurde Ba für seine Aktion gefeiert. "Hut ab, Demba Ba", "Ehrenmann", waren nur einige der zahlreichen Kommentare. Auch viele Spieler und ehemalige Profis äußerten sich zu den Vorfällen.

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Ba verzauberte die Bundesliga

Bas Karriere begann einst so richtig bei der TSG Hoffenheim. Nach dem Aufstieg wurden die Kraichgauer sensationell Herbstmeister, gemeinsam mit Vedad Ibisevic und Chinedu Obasi verzückte Ba die Bundesliga. Doch seine Bundesliga-Zeit endete unschön - er streikte sich 2011 zu West Ham United. Eineinhalb Jahre später ging es weiter zu Stadtrivalen FC Chelsea, wo er 2013 die Europa League gewann.

Trotz einer ansprechenden Torquote von 43 Toren in 99 Premier-League-Spielen war nach drei Jahren in England Schluss, er ging zu Besiktas Istanbul, um nur ein halbes Jahr später dem Ruf des Geldes in die chinesische Super League zu folgen. Zwischendurch kehrte er jedoch immer wieder für kurze Intermezzi in die Türkei zurück, bevor er Anfang 2019 seinen Lebensmittelpunkt endgültig wieder nach Europa verlegte und sich Basaksehir anschloss.

Demba Ba bejubelt eines seiner Tore für die TSG Hoffenheim
Demba Ba bejubelt eines seiner Tore für die TSG Hoffenheim © Imago

Nach anfänglichen Verletzungsproblemen erwies sich Ba als echte Verstärkung und war mit 13 Saisontreffern maßgeblich dafür verantwortlich, dass Basaksehir in der vergangenen Spielzeit seinen allerersten Meistertitel feiern konnte. Auch in dieser Spielzeit war er mit seinem Führungstreffer maßgeblich am bisher einzigen Sieg in der Champions League (dem 2:1 gegen Manchester United) beteiligt.

Mit seiner heldenhaften Aktion fügte er seiner langen Karriere eine ganz besondere Note hinzu - eine, auf die alle Beteiligten aber gerne verzichtet hätten.

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