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München - So schnell kann es gehen: Kaum jemand kannte ihn - bis zum 3. April. Robert Glatzel stößt nach seiner 3-Tore Show gegen die Bayern die Tür zur Bundesliga auf.

"Ich hatte gehofft, vielleicht ein Tor zu machen und der Mannschaft so zu helfen. Ich kann es wirklich kaum glauben, dass ich hier drei geschossen habe, man kann so etwas kaum in Worte fassen."

Für Robert Glatzel war es ein magischer Abend in der Allianz Arena, der größte Moment seiner Karriere. Bereits vor dem Pokal-Viertelfinale haben zwei Bundesligisten am 25-Jährigen ihr Interesse bekundet. Nach SPORT1-Informationen handelt es sich um den VfB Stuttgart und Werder Bremen. Nach seinem Dreierpack dürften noch etliche Interessenten hinzugekommen sein. Glatzel war auf der VIP-Tribüne das Thema.

Der Heidenheim-Stürmer, vor dem Mats Hummels vor dem Spiel noch gewarnt hatte ("Kopfballwucht"), überwand Bayern-Keeper Sven Ulreich gleich dreifach in einem Pokal-Thriller, der in die Geschichte eingehen wird. Ein mutiger FCH hatte das Starensemble der Bayern am Rande der Niederlage, bis Robert Lewandowski die Münchner mit einem Strafstoß zum 5:4 erlöste. (Das Wahnsinns-Spiel zum Nachlesen im LIVETICKER)

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Historischer Dreierpack

Trotz allem Stolz über seine Leistung war Glatzel die Enttäuschung nach der Niederlage deutlich anzusehen. "Es tut weh. Wir schießen vier Tore hier und verlieren trotzdem, sehr bitter. Obwohl wir wussten, dass es sehr schwer wird, haben wir trotzdem daran geglaubt, weiterzukommen. Wir machen dann noch ein sehr gutes Spiel, dass wir dann ausscheiden, ist bitter", haderte der Sturm-Hüne.

Gleich dreimal gegen die Bayern zu treffen haben nicht viele geschafft. Vor allem nicht auswärts. Der 1,93-Meter-Mann ist erst der siebte Spieler der Geschichte, dem das in München gelang. Er reiht sich somit neben Größen wie Klaus Toppmöller (1. FC Kaiserslautern), Klaus Fischer und Ebbe Sand (beide FC Schalke 04) ein.

Ausgerechnet München

Als ob das noch nicht ausreichen würde, ist Glatzel ehemaliger "Sechzger". In Fürstenfeldbruck bei München geboren, spielte er jeweils ein Jahr in der U19 und der zweiten Mannschaft des TSV 1860 München. Über die Stationen Burghausen, Heimstetten und Kaiserslautern landete er 2017 beim 1. FC Heidenheim, wo ihm der Durchbruch gelang und er unter Frank Schmidt auf Anhieb Stammspieler wurde.

Aktuell hat Glatzel entscheidenden Anteil an der starken Heidenheimer Saison, in 19 Spielen erzielte er bereits zwölf Treffer und steuerte einen Assist bei. In München erzielte er seine Pokaltreffer zwei, drei und vier. Der FCH steht in der Tabelle momentan auf Rang sechs, hat aber noch Chancen auf den Relegationsplatz – auch dank ihm. Am Sonntag empfängt seine Elf den 1. FC Köln (ab 13.30 Uhr im LIVETICKER). Trainer und Förderer Schmidt hofft dann erneut auf eine Gala seines Torhelden, sagte am Mittwochabend bereits: "Er war in Überform. Wahnsinn, was Robert hier geleistet hat."

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"Irgendwann vergisst man, gegen wen man spielt"

Was Schmidt meinte: Erst traf er per Kopf, dann von außerhalb des Strafraums und schließlich chippte er einen Elfmeter zum 4:4-Ausgleich lässig in die Mitte. "Am Anfang war ich schon nervös. Aber wenn du schon zwei Treffer gemacht hast, bist du natürlich selbstbewusst. Es war für mich irgendwann ein Spiel wie jedes andere", erklärte Glatzel seine Coolness.

Auf dem Platz legte er auch den Respekt vor den Routiniers Mats Hummels und Jerome Boateng ab, für die er nach Abpfiff nur bewundernde Worte fand: "Man merkt auf jeden Fall den Qualitätsunterschied. Die beiden sind nicht umsonst Weltmeister. Aber wenn es so gut läuft, vergisst man irgendwann, gegen wen man da überhaupt spielt."

Echter "Neuner"

Der schlaksige Stürmer (sein Vorbild ist Zlatan Ibrahimovic) ist trotz seiner Größe technisch stark und mutet auf den ersten und zweiten Blick wie eine Mischung aus Sandro Wagner und Davie Selke an. Spielertypen wie er sind in Deutschland selten und daher gefragt. Schafft er zur neuen Saison vielleicht den persönlichen Schritt ins Fußball-Oberhaus? Glatzel wird sich weiterhin beweisen und konstante Leistungen abrufen müssen, um den Schritt in die Bundesliga zu schaffen. 

Mit einem Marktwert von zwei Millionen Euro wäre er jedenfalls (noch) ein absolutes Schnäppchen.

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