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Horst Hrubesch (l.) glaubt an eine große Zukunft von Serge Gnabry und Leon Goretzka
Horst Hrubesch (l.) glaubt an eine große Zukunft von Serge Gnabry und Leon Goretzka © SPORT1-Grafik: Marc Tirl/Getty Images/iStock
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München - Horst Hrubesch bewertet bei SPORT1 die unterschiedlichen Entwicklungen von Serge Gnabry und Leon Goretzka. Er spricht über ihre Zukunft beim FC Bayern.

Für Serge Gnabry (23) und Leon Goretzka (23) hätte die jüngste Länderspiel-Reise des Jahres kaum unterschiedlicher verlaufen können.

Während Gnabry bei seinen zwei Startelfeinsätzen (ein Tor/zwei Assists) besonders stark aufspielte und den Umbruch im DFB-Kader derzeit verkörpert wie kaum ein Zweiter, blieb für Goretzka nur die Nebenrolle.

Der Ex-Schalker kam gegen Russland (3:0) und die Niederlande (2:2) lediglich zu zwei Mini-Einsätzen. Goretzka wird derzeit nicht nur die starke Konkurrenz zum Verhängnis (Toni Kroos, Joshua Kimmich, Kai Havertz).

Er leidet auch darunter, dass im neuen System nur noch zwei Plätze in der Mittelfeld-Zentrale vergeben werden.

Hrubesch setzt auf Goretzka

"Ich mache mir da überhaupt keine Sorgen. Der eine braucht mehr Zeit, der andere weniger. Das ist vollkommen normal", analysiert Horst Hrubesch bei SPORT1 die schwierige Lage seines Ex-Schützlings vor dem Heimspiel des FC Bayern gegen Fortuna Düsseldorf (Samstag, 15.30 Uhr, FC Bayern - Fortuna Düsseldorf im LIVETICKER), bei dem beide Spieler gute Einsatzchancen besitzen.

Gnabry einbezogen sagt er: "Beide sind junge Spieler, aber es kann nicht immer nur nach oben gehen. Manchmal geht man eben auch durch ein Wellental."

Unter der 67-jährigen Trainer-Ikone absolvierte Goretzka zehn Spiele in der U21-Auswahl. Zusammen holten sie 2016 mit der deutschen Olympia-Auswahl in Brasilien die Silbermedaille.

Gnabry war ebenfalls ein Teil der Silber-Helden. Unter Hrubesch absolvierte der Ex-Hoffenheimer 15 Partien in der U21 und kannte ihn bereits durch Lehrgänge bei der U18.

Hrubesch: "Für Serge muss es so weitergehen"

Kein Wunder, dass Hrubesch vom steilen Formanstieg Gnabrys nicht überrascht ist.

Nach dessen Nachnominierung im Oktober und seinem darauffolgenden Startelf-Einsatz gegen Frankreich (1:2) stand er in den folgenden vier Bundesliga-Partien immer in der Bayern-Startelf, wie auch bei den beiden Champions-League-Auftritten gegen Athen. Lediglich im Pokal gegen Rödinghausen bekam er mal eine Verschnaufpause.

Beim 1:1 gegen Freiburg traf Gnabry erstmals für die Bayern, in Dortmund (2:3) bereitete er zuletzt das 1:0 von Robert Lewandowski vor und leitete dessen 2:1 mit einem Hackentrick ein. 

"Der Weg von Serge überrascht mich nicht, man muss ihm nur Zeit geben. Er hat nach seiner Verletzung lange gebraucht, um in Tritt zu kommen. Jetzt kommt er in die Spur und so muss es weitergehen", sagt Hrubesch.

Wie plant Kovac mit Gnabry?

Spannend wird zu sehen sein, wie ihn Bayern-Trainer Niko Kovac in Zukunft einplant. Unter Löw bewies sich Gnabry unter anderem im Sturmzentrum, ließ sich immer wieder ins Mittelfeld fallen, holte sich Bälle, verteilte sie und spulte ein immenses Laufpensum ab.

Bei Kovac hingegen ist er derzeit fix auf den Außenbahnen eingeplant. "Der kann offensiv alles spielen. Als Zehner und auf den Außen hat er aber seine größten Stärken", findet Hrubesch.

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Anders stellt sich die Situation bei Goretzka dar. Der ganz große Durchbruch unter Löw ist ihm bisher nicht gelungen und bei den Bayern ist er noch dabei, seine Rolle zu finden.

Kovac aber schätzt seinen Neuzugang, brachte ihn auch zuletzt im so wichtigen Spiel gegen Dortmund. Auch seine bisherige Saisonbilanz liest sich ordentlich: 15 Pflichtspiel-Einsätze, zwei Tore und zwei Assists.

Gegen Düsseldorf werden beide gefragt sein, denn die Bayern haben Personalsorgen. Mit James (Außenbandteilriss im Knie) und Thiago (Lauftraining nach dem Riss des vorderen Außenbandes sowie der Gelenkkapsel im rechten Sprunggelenk) fallen zwei Goretzka-Konkurrenten aus, auf den Außenbahnen fehlen Kingsley Coman (Aufbautraining) und womöglich auch Arjen Robben (zuletzt Knieprobleme).

Hrubesch: "Leon ist ein Charakterspieler"

Das große Manko von Goretzka ist jedoch dessen fehlende Konstanz. Mal brilliert, wie beim 3:0 gegen Stuttgart, dann taucht er wieder unter.

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"Mit der Zeit wird auch Leon seine Rolle finden", ist sich Hrubesch sich. "Seine Entwicklung ist für mich ein Selbstgänger, denn er bringt alles mit. Er ist ein Typ und klar im Kopf, ein Charakterspieler in jeder Form", schwärmt seine ehemaliger Auswahl-Trainer in höchsten Tönen.

Dass sich beide Sommer-Neuzugänge des FC Bayern sowohl beim Rekordmeister als auch in der Nationalmannschaft durchsetzen werden, steht für Hrubesch außer Frage.

"Beide werden noch einiges erleben und auch Rückschläge einstecken müssen. Serge und Leon werden ihre Karrieren aber erfolgreich bestreiten", verspricht der Allrounder, der in verschiedenen Positionen (u.a. Frauen-Nationaltrainer) fast 20 Jahre beim DFB gearbeitet hat.

Da versteht es sich von selbst, dass der erfahrene Hrubesch für die beiden Bayern-Talente noch einen Tipp übrig hat: "Sie müssen jetzt nur noch erwachsen werden."

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