Pfiffe gegen Gündogan: Das sagen die Kollegen
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München - DFB-Boss Reinhard Grindel stellt sich hinter Mesut Özil und Ilkay Gündogan. Beide seien während ihres Auftritts mit Türkeis Präsident Erdogan getäuscht worden.

Der DFB wird die Debatte um Mesut Özil und Ilkay Gündogan nicht los.

Die beiden Nationalspieler stehen massiv in der Kritik, seitdem sie sich öffentlich an der Seite des umstrittenen türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan gezeigt haben.

Beim abschließenden WM-Test gegen Saudi-Arabien wurde Gündogan bei seiner Einwechslung gellend ausgepfiffen.

Den Verantwortlichen beim DFB geht das Thema inzwischen gehörig gegen den Strich.

Teammanager Oliver Bierhoff redete sich vor Anpfiff in der ARD über die mediale Berichterstattung in Rage. Bundestrainer Joachim Löw zeigte seinen Unmut über die Pfiffe der Zuschauer und ging nach Spielschluss auf Distanz zum eigenen Anhang.

Grindels Vorwurf: Özil und Gündogan für Propaganda missbraucht?

Im Rahmen der Auslosung für die erste DFB-Pokalrunde ergriff auch Präsident Reinhard Grindel Partei für die Spieler – und machte die Angelegenheit nicht wirklich besser.

Pfiffe gegen Gündogan: Das sagen die Kollegen

Grindels These: Özil und Gündogan seien von Erdogan und seinen politischen Mitstreitern zu Propagandazwecken eingespannt worden – ohne deren Wissen.

"Es war nicht in Ordnung unsere Spieler in diese Interessenkollision zu bringen. Sie hatten ein Treffen mit Erdogan, wussten aber nicht, dass die Fotos von der AKP-Partei zu Wahlkampfzwecken missbraucht werden", sagte Grindel.

Grindel führte weiter aus: "Als die Kameras reinkamen, haben sie gesagt: 'Was sollen wir denn machen, sollen wir weglaufen? Wir wollten denen Respekt wahren.'" Eine Darstellung, die zumindest hinterfragt werden muss.

Gündogans Botschaft: Erdogan "mein Präsident"

Mag sein, dass es Erdogans Gefolgsleuten gelegen kam, ihren Präsidenten an der Seite von zwei prominenten Fußballern in der Öffentlichkeit zu präsentieren.

Es fällt jedoch schwer zu glauben, dass sich Özil und Gündogan der Brisanz dieses Treffen so gar nicht bewusst gewesen sein sollen.

Gündogan, so berichtet die Bild, soll mit seiner Familie in ein millionenschweres Bauprojekt in der Türkei investiert haben. Als er auf Erdogan traf, überreichte er ihm ein Trikot mit der Aufschrift "Mein Präsident". Eine Geste, die selbst Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier verstört hatte.

Wirklich alles nur Propaganda? Der DFB hat seine liebe Müh und Not damit, das Thema im eigenen Land kommunikativ einzufangen.

Kritik für Gündogan "ein tiefer Schlag"

Als sie von den DFB-Bossen zum Rapport einbestellt wurden, hätten sich Özil und Gündogan "ganz klar zu den Werten des DFB bekannt und versichert, dass sie sich freuen die WM für Deutschland spielen", bekräftigte Grindel in der ARD.

"Ich finde, wenn man einen Fehler macht und diesen klarstellt und erklärt, wie es zu dieser Situation gekommen ist und einsieht, dass es unseren Integrationsbemühungen nicht geholfen hat, dann gehört dazu, dass man die Sache auch beruhen lässt", befand der DFB-Präsident.

Zuvor hatte Gündogan öffentlich erklärt, dass ihn die massive Kritik seines Verhaltens getroffen habe. "Jetzt so dargestellt zu werden, als seien wir nicht integriert oder würden nicht nach deutschen Werten leben, war für mich ein tiefer Schlag", hatte er gesagt.

Beide, Özil und Gündogan, hätten es verdient, "von Deutschland unterstützt zu werden", sagte Grindel. Das haben die deutschen Fans am Samstag etwas anders gesehen.

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