Nations-League-Abstieg? Löw: "Dann ist das eben so..."
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Das DFB-Team steigt in der Nations League ab. Joachim Löw richtet den Fokus bereits auf die EM-Quali, doch auch dort drohen jetzt dicke Brocken.

Der Abstieg in Liga B der Nations League ist bitter, keine Frage - aber der entscheidende 2:0 (1:0)-Sieg der Niederlande gegen Weltmeister Frankreich hat für die deutsche Nationalmannschaft möglicherweise deutlich schwerere Folgen für die im kommenden März beginnende Qualifikation zur EM 2020.

"Unser Blick richtet sich aber nach wie vor klar in Richtung der EM 2020, für die wir uns qualifizieren werden und bei der wir wieder eine starke Mannschaft ins Turnier schicken wollen", sagte Bundestrainer Joachim Löw

Doch der Weg dorthin könnte deutlich schwerer werden, schließlich droht dem DFB-Team der Sturz in Topf 2 - und damit mögliche Duelle mit Weltmeister Frankreich oder Spanien in einer Quali-Gruppe.

Fernduell mit Polen um Lostopf eins

Maßgeblich für die Einteilung der Lostöpfe ist nämlich die Gesamttabelle der Nations League. Nur die zehn besten Teams der Liga A landen in Topf eins und sind als Gruppenköpfe gesetzt. Deutschland kämpft aktuell im Fernduell mit Polen, das ebenfalls bei einem Punkt steht, um Platz zehn.

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Ein Sieg gegen die Niederlande, die durch ihren Erfolg gegen Frankreich enteilt sind, wäre daher trotzdem wichtig für Löws Mannschaft (Nations League: Deutschland - Niederlande, Montag 20.45 Uhr im LIVETICKER).

Doch welche Folgen hat der Abstieg sonst noch für die Fußball-Nation? SPORT1 beantwortet die wichtigsten Fragen.

Auf welchen Gegner trifft das DFB-Team nach dem Abstieg?

Bei der nächsten Nations League wird die deutsche Nationalmannschaft in der Liga B gegen nominell schwächere Gegner antreten und hat folgerichtig bei der nächsten Austragung auch keine Chance, um den Gesamtsieg mitzuspielen, den nur die Gruppenersten der Liga A unter sich ausmachen.

Das Löw-Team könnte nun auf die Mitabsteiger Polen und Island, sowie Tschechien, Russland, Wales, Slowakei, Schweden und Österreich treffen. Als Aufsteiger steht zudem bereits Finnland fest.

Allerdings steigen diese Spiele erst ab Herbst 2020, die nächste Endrunde wäre dann erst im Sommer 2021. Im kommenden Jahr stehen nur die EM-Quali und Testspiele auf dem Programm. Vor dem Kick gegen Holland sagt Löw: "Aus diesem Jahr, das insgesamt enttäuschend für uns war, wollen wir uns am Montag in Gelsenkirchen mit einem guten Spiel von unseren Fans verabschieden."

Was bedeutet der Abstieg für die EM-Qualifikation?

Da das Abschneiden in der Nations League maßgeblich für die Setzliste der Gruppenauslosung zu EM-Qualifikation ist, droht Deutschland ein Platz in Topf zwei bei der Zeremonie, die am 2. Dezember in Dublin stattfindet.

Die zehn Gruppenköpfe bei der Auslosung bestehen zum einen aus den vier Teilnehmern der Nations-League-Finalrunde, also den vier Gruppensiegern der Liga A. Die restlichen sechs Gruppenköpfe werden über die Gesamttabelle der Nations League ermittelt.

Die zwölf Teilnehmer der Liga A bilden dabei die ersten zwölf Plätze der Gesamttabelle, die DFB-Elf müsste in in dieser Tabelle also zwei Mannschaften der Liga A hinter sich lassen, um bei der Auslosung in Topf eins zu landen und damit den größten Mannschaften aus dem Weg zu gehen.

Aktuell ist das punktlose Island definitiv schlechter als das deutsche Team, daher gilt es mit einem Sieg gegen die Niederlande zumindest die Chance zu wahren, Polen auch noch hinter sich zu lassen. Robert Lewandowski und Co. stehen vor ihrem letzten Spiel gegen Portugal ebenfalls bei nur einem Punkt. Unter gewissen Umständen könnten auch noch Kroatien oder England hinter dem deutschen Team landen, da beide aktuell bei vier Punkten stehen, braucht Deutschland für derlei Rechenspiele aber auf jeden Fall einen Dreier.

Bei der Gruppen-Auslosung in Dublin am 2. Dezember verteilen sich 55 Länder auf sieben Töpfe. Die vier Gruppensieger aus der Liga A - nach derzeitigem Stand Frankreich, Belgien, Portugal, Spanien - sind im Nations-League-Topf dabei. In Topf 1 würden die sechs Nationen dahinter wandern. Was die Situation brenzlig macht: Der viermalige Weltmeister ist in Europa nur noch zweitklassig. Deutschland ist hier derzeit nur aufgrund des besseren Torverhältnisses als insgesamt Zehnter knapp dabei.

Wann beginnt jetzt die Quali für die EM 2020?

Der Beginn der EM-Qualifikation wird von September in den März (bis November) 2019 verschoben. Die jeweils zehn Gruppensieger und -zweiten qualifizieren sich. Die vier weiteren EM-Startplätze werden über die Nations League vergeben, was der eigentliche Anreiz des neuen Wettbewerbs ist.

Alle Gruppensieger der Nations League (vier je Liga) ziehen in die Playoffs mit Halbfinale und Finale im März 2020 ein - es sei denn, was insbesondere für die Liga A zutreffen wird, sie haben ihre Endrundenteilnahme bereits via EM-Quali gesichert. In diesem Fall rücken die Nächstplatzierten nach.

Sonderlob für den deutschen Raketen-Sturm

Dies kann dazu führen, dass in den A-Playoffs Teams aus der Liga B spielen. So oder so: Jede Liga generiert einen EM-Teilnehmer - auch die Liga D mit den 16 schwächsten Mannschaften. Die Gruppen für die EM sind zu diesem Zeitpunkt - mit Platzhaltern in den Töpfen - bereits ausgelost.

Wie reagiert die Mannschaft?

Höchst unterschiedlich. Thilo Kehrer schlug die Nachricht "gar nicht" aufs Gemüt, Sebastian Rudy fand den Abstieg dagegen "sehr bitter". Auch Nationalmannschaftsdirektor Oliver Bierhoff war von dem Schritt in die europäische Zweitklassigkeit "genervt und frustriert". Bundestrainer Joachim Löw reagierte weniger emotional: "Das müssen wir akzeptieren."

Was heißt der Abstieg für die Fans?

Das Zuschauer-Interesse dürfte gegen unattraktivere Gegner wohl noch mehr noch geringer als ohnehin schon. Um wieder ausverkaufte Stadien zu haben, soll es beim DFB Planspiele geben, in kleinere Arenen umzuziehen wie beispielsweise in Wolfsburg, Nürnberg, Hannover und Gladbach.

Verliert der DFB Einnahmen durch den Abstieg?

Fakt ist: Die garantierten 1,5 Millionen Euro, die nur die Liga-A-Teams erhalten, sind in der Liga B verloren.  Auch die Ticket-Einnahmen dürfen sinken, wenn nun Duelle mit weniger hochkarätigen Gegnern anstehen. Der verpasste Klassenerhalt wirkt sich auf die TV-Einnahmen nicht negativ aus, verriet Bierhoff. Jedoch nicht in Zahlen zu messen ist der weitere Imageschaden durch den Abstieg.

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