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1899 Hoffenheim v Bayern Muenchen - A Juniors Bundesliga South/Southwest
Schon seit 2013 ist Marcel Rapp in der Jugendarbeit der TSG 1899 Hoffenheim tätig. Nach Stationen bei der U16 und U17 ist er mittlerweile für die U19 der Kraichgauer verantworltich © Getty Images
Lesedauer: 9 Minuten
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Marcel Rapp, der U19-Trainer der TSG 1899 Hoffenheim, spricht im SPORT1-Interview über den Erfolg in der Youth League und TSG-Coach Julian Nagelsmann.

Sensationell hat die U19 der TSG 1899 Hoffenheim im Viertelfinale der zur Saison 2013/14 eingeführten UEFA Youth League den Nachwuchs von Real Madrid mit 4:2 besiegt

Im Halbfinale am Freitag geht es nun gegen die Jugendmannschaft des FC Porto (26.04., ab 13.55 Uhr LIVE bei SPORT1 im TV und Stream) um den Einzug ins Finale. Der Gegner dort heißt entweder FC Barcelona oder FC Chelsea. (Spielplan der Youth League)

Auch das Youth-League-Finale am Montag ist ab 17.30 Uhr LIVE bei SPORT1 im Free-TV zu sehen. 

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Vor der Begegnung gegen den FC Porto hat SPORT1 mit Marcel Rapp, den Trainer der Kraichgauer, im exklusiven Interview über die Youth League und über seine persönlichen Ziele gesprochen. 

SPORT1: Zunächst noch einen verspäteten Glückwunsch zur Fußball-Lehrer-Lizenz. Sie treten damit unter anderem in die Hoffenheimer Fußstapfen von Julian Nagelsmann, Domenico Tedesco oder Markus Gisdol. Was löst das bei Ihnen aus - Druck, Ehre oder messen sie dem keine große Bedeutung zu?

Marcel Rapp: Wenn ich aussuchen dürfte, würde ich das Letzte wählen. Wenn man U19-Trainer bei Hoffenheim ist, hat man hohe Ansprüche an die Spieler. Deswegen sollte man selbst die höchstmögliche Lizenz anstreben. Das war mein Antrieb für den Erwerb des Fußball-Lehrers. Trotzdem ist mir schon bewusst, wer meine Vorgänger sind. Aber das löst eigentlich gar nichts in mir aus.

SPORT1: Wie stressig war die Zeit mit Lehrgängen, Jugend-Bundesliga und Youth League?

"Die Zeit war brutal intensiv"

Rapp: Wir haben ein super Funktionsteam. Mit meinem Co-Trainer Jens Schuster arbeite ich zum Beispiel schon sechs Jahre zusammen. Wenn ich in der Sportschule in Hennef war, konnte ich mich dem Fußball-Lehrer widmen und die Mannschaft hat ganz normal vernünftig trainiert.

SPORT1: Sie selbst mussten aber Abstriche machen…

Rapp: Die Zeit war brutal intensiv, weil ich oft nicht da war. Das erschwert den Job, vor allem, wenn man als Trainer so gestrickt ist, dass man sich auf die Spieler mit all ihren Problemen einlässt. Ich stand in der dritten oder vierten Woche der Vorbereitung vor den Jungs und dachte mir: Okay, bald geht die Saison los - aber ich kenne euch eigentlich gar nicht. Denn ich bin nur zwei oder drei Tage da und weiß gar nicht, wie ihr tickt. Das war schon schwierig.

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SPORT1: Kam der Erfolg in der Youth League daher umso überraschender?

Rapp: Wir sind das ganze Projekt angegangen wie ein Abenteuer. Wir wussten, was die Youth League ist und wie der Modus funktioniert, aber wir wussten überhaupt nicht, was das aus den Jungs macht. Wie verkraften sie das? Es ist ja nicht normal, dass die Jungs mit 17 in einen Flieger einsteigen, der auf sie wartet.

SPORT1: Wie fällt ihr Fazit aus?

Rapp: Die Jungs haben sich super verhalten und top entwickelt. Spielen ist das beste Training. Wenn du gegen Rabbi Matondo, der jetzt bei Schalke unter Vertrag steht und noch für Manchester City gegen uns gespielt hat, als Außenverteidiger pro Halbzeit acht Mal ins Eins gegen Eins musst - das kann man im Training nicht simulieren. Dazu sind wir immer als ganzer Verein hingeflogen und aufgetreten. Die Profis haben mit unseren Jungs abgeklatscht. Als wir gespielt haben, haben immer alle Profitrainer zugeguckt. Das ist eine totale Wertschätzung.

"Julian Nagelsmann gehört zu den besten Trainern"

SPORT1: Julian Nagelsmann war also auch vor Ort?

Rapp: Ja, und es ist sicherlich nicht normal, dass er drei bis vier Stunden vor dem eigenen Champions-League-Spiel mit dem Trainerteam das U19-Spiel anguckt.

SPORT1: Sie haben auch bei ihm hospitiert…

Rapp: Ich bin sehr froh, dass ich mein Praktikum bei Julian machen konnte. Zum einen, weil ich daheim übernachtet habe. Zum anderen, weil Julian ein Trainer ist, der zu den besseren gehört, wenn nicht zu den besten. Deswegen war es für mich ein Privileg. Er war total offen, das fand ich schon sehr beeindruckend. Aber ich kann jetzt nicht sagen, ich hätte eine bestimmte Sache mitgenommen.

SPORT1: Inwiefern hilft Ihnen Ihre eigene Profizeit?

Rapp: Ich hatte viele Trainer, auch viele namhafte, auch wenn ich nie so hoch gespielt habe. Zum Beispiel Jogi Löw, da war ich 19. Aber ich kann nicht sagen, ich nehme von ihm etwas mit, das ist 20 Jahre her. Und jeder Trainer entwickelt sich auch weiter. Ich glaube, dass man von jedem etwas mitnimmt. Ich bin sehr reflektiert, auch zu meiner aktiven Zeit habe ich mir Gedanken gemacht. Aber man geht dann schließlich seinen eigenen Weg.

SPORT1: Wie war Joachim Löw damals - vielleicht auch im Vergleich zu heute?

Rapp: Ich kann nicht beurteilen, wie er jetzt ist. Ich sehe nur die Spiele im Fernsehen und ein paar Interviews. Daraus kann man nicht schließen, wie er arbeitet und über Fußball denkt. Allerdings wollte er schon damals immer attraktiven Fußball spielen. Und das, obwohl wir uns mit dem KSC im Zweitliga-Abstiegskampf befanden. Er hat versucht, jeden Spieler weiterzubringen, vor allem auch die Jungen, also auch mich persönlich. Das fand ich beeindruckend. Deswegen denke ich gerne an ihn zurück.

"Ich lebe im Hier und Jetzt"

SPORT1: Wie sieht es bei Ihnen aus? Sind Sie eher ein Typ wie Norbert Elgert, für den die Jugendarbeit eine Herzensaufgabe ist - oder reizt sie längerfristig ein Engagement in der Bundesliga?

Rapp: Das ist schwer zu sagen. Ich bin eigentlich total zufrieden als Trainer der U19 in Hoffenheim. Ich lebe im Hier und Jetzt und überlege mir, was ich machen kann, damit die Jungs besser werden. 

SPORT1: Aber?

Rapp: Gegen Norbert Elgert und Schalke haben wir schon einige Male gespielt. Da sind wir auch auf das Thema gekommen, und er hat witzigerweise gesagt, dass es von seiner Seite aus nicht das Ziel war, immer U19-Trainer zu sein. Das hat sich halt so ergeben. So würde ich das für mich auch beschreiben. Ich bin zurzeit glücklich, dass ich U19-Trainer in Hoffenheim bin. Aber was noch kommt, kann ich nicht sagen.

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SPORT1: Gab es denn schon Angebote oder Gespräche mit anderen Vereinen aus einer der Profiligen?

Rapp: Ich habe hier noch einen gültigen Vertrag und wir stehen am Freitag vor einer großen Aufgabe. Deswegen stellt sich die Frage für mich gerade nicht. Es kann ja schnell gehen, ich bin auch nicht naiv. Aber im Moment ist die U19 mein Ding.

"Wir dürfen nicht zu viele Fehler machen"

SPORT1: Gibt es einen Kollegen, bei dem sie auf jeden Fall sagen: Den sehen wir in der Bundesliga wieder?

Rapp: Thomas Stamm, der Trainer des SC Freiburg, hat mir als gegnerischer Coach auf jeden Fall sehr imponiert.

SPORT1: Mit Nico Willig hat der bisherige U19-Trainer - der auch schon im Profibereich gearbeitet hat - das Amt des Cheftrainers beim VfB Stuttgart übernommen. Trauen Sie ihm die Rettung zu?

Rapp: Ich kenne ihn schon länger als Spieler. Aber als Trainer ist er für mich schwer zu beurteilen. Wir haben noch nicht so oft gegeneinander gespielt. Grundsätzlich glaube ich: Trainer ist Trainer. Man trainiert eine Mannschaft, inhaltlich ist es kein großer Unterschied. Aber der Druck und alles, was dahintersteht, hat schon eine andere Wucht als bei einer U19. Ich glaube aber, dass er ein Fachmann ist und traue ihm den Klassenerhalt auf jeden Fall zu.

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SPORT1: Statt um den Klassenerhalt geht es für Sie am Freitag um den Einzug ins Finale. Worauf wird es gegen Porto ankommen?

Rapp: Mutig zu spielen, ohne große Fehler zu machen. Porto ist sehr männlich, sehr reif, wie eine Herrenmannschaft. Trotzdem wollen wir spielen, wie immer: mutig und mit viel Ballbesitz. Aber wir dürfen nicht zu viele Fehler machen.

SPORT1: Als Trainer fällt es natürlich schwer, einzelne Spieler hervorzuheben. Gibt es trotzdem jemanden in ihrem Team, bei dem Sie das Zeug zu einer ganz großen Karriere sehen?

Rapp: Wir sind eine Mannschaft. Das sage ich nicht, weil man das als Trainer immer so sagt. Wir treten mit drei Jahrgängen an: 2000, 2001 und es dürfen ja noch drei 99er eingesetzt werden. Die Jungs spielen auf einem sehr hohen Niveau. Wenn wir in fünf Jahren zurückblicken, werden wir vielleicht sagen: Klar waren wir so gut damals, denn die meisten von ihnen spielen jetzt in der Bundesliga. Ich würde es mir wünschen.

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