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München und Köln - In der Hauptrunde sind die WM-Gastgeber Deutschland und Dänemark zwei von nur vier Teams, die einen kleinen Vorteil haben. Die Ansetzungen sorgen für Zoff.

Ungeschlagen sind die deutschen Handballer in die Hauptrunde der Heim-WM eingezogen und dort mit einem Sieg gegen Island gestartet.

Im Kampf um die Halbfinalteilnahme gibt es daher guten Grund für Zuversicht - auch, weil die Mannschaft vom Spielplan profitiert. (DATENCENTER: Die Handball-WM 2019)

Die Terminplanung bescherte dem DHB-Team zum Auftakt der WM-Hauptrunde das Spiel gegen Island - den im Vergleich zu Kroatien und Spanien vermeintlich leichtesten Gegner.

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Das lag zwar nur daran, dass Deutschland in der Vorrunde den zweiten Rang belegte, was Frankreich durch ein Unentschieden oder eine Niederlage gegen Russland im letzten Gruppenspiel hätte verhindern können.

So geht die Mannschaft nach dem 24:19 gegen Island mit Rückenwind in die entscheidenden Begegnungen. Doch es gibt einen weiteren Grund, warum der Spielplan für die DHB-Auswahl spricht.

Deutschland profitiert von Ruhepausen

Bevor es für die deutsche Mannschaft am Montag gegen Kroatien weitergeht, hat sie einen ganzen Tag Zeit, um durchzuschnaufen - eine willkommene Pause, die dem Gegner nicht vergönnt ist. Kroatien startete am Sonntagabend gegen Brasilien in die Hauptrunde und kassierte eine überraschende Niederlage.

Und direkt am Montag geht es nun gegen Deutschland weiter. Nach der schockierenden Pleite gegen Brasilien ist für die Kroaten das Duell mit den Deutschen ein absoluter Pflichtsieg, um die Chancen aufs Halbfinale zu wahren (Handball-WM, Deutschland - Kroatien, Montag ab 20.30 Uhr im LIVETICKER). Doch reicht die Regenerationszeit, um zum einen Kräfte zu sammeln, zum anderen aber auch die Köpfe wieder hochzubekommen?

Auch vor dem abschließenden Hauptrundenduell mit Spanien (Handball-WM, Deutschland - Spanien, Mittwoch ab 20.30 Uhr im LIVETICKER) haben die deutschen Handballer einen Ruhetag. Gemeinsam mit Dänemark sowie Spanien und Schweden ist Deutschland damit das einzige Team, das in der Hauptrunde nicht einmal an zwei aufeinanderfolgenden Tagen spielen muss.

Dass ausgerechnet die Gastgeberländer in dieser Form vom Hauptrunden-Spielplan profitieren, ist keine ungewöhnliche Praxis - so spielte Gastgeber Frankreich bei der WM 2017 in der Vorrunde als einziges Team nicht zwei Mal hintereinander.

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Spielplan: Medien entscheiden mit

Wie kommt es zu dem Spielplan? In den Regeln des Weltverbandes IHF (Stand: Januar 2018) sind grundsätzlich drei "Matchdays" in der Hauptrunde vorgesehen. An jedem dieser Spieltage sind drei Partien pro Gruppe angesetzt, zwischen dem zweiten und dritten Spieltag steht ein Ruhetag auf dem Plan.

Die IHF gibt aber auch an, dass dies nur ein grober Plan sei. Auf Geheiß der Medien, der übertragenden Sender oder anderer internationaler Gremien kann die IHF den Spielplan umstellen. So könnten auch die Ruhetage in den Gruppen anders verteilt werden.

Statt über vier Tage geht die Hauptrunde bei der WM 2019 über fünf Tage, wobei am vierten Tag in keiner der beiden Gruppen gespielt wird. So finden auch, abgesehen vom abschließenden Hauptrunden-Tag, nur zwei Partien pro Tag statt.

Kurzfristig wurde zudem die genaue Ansetzung der Deutschland-Spiele geändert, sodass alle drei um 20.30 Uhr stattfinden, da diese Uhrzeit für die TV-Sender am lukrativsten ist.

Gudmundsson übt Kritik

Bereits vor dem Duell mit Deutschland hatte sich Islands Trainer Gudmundur Gudmundsson zu Wort gemeldet Kritik am Spielplan geübt: "Wie kann man so etwas planen? Das verstehe ich nicht. Wir haben in fünf Tagen vier schwere Spiele. Das ist nicht fair und muss geändert werden."

Nach den Vorrundenspielen am vergangenen Mittwoch gegen Japan und am Donnerstag gegen Mazedonien traf Island in der Hauptrunde am Samstag zunächst auf Deutschland, bevor am Sonntag das Duell mit Frankreich anstand. Der einzige freie Tag am Freitag war ein Reisetag.

Angesichts dieses straffen Zeitplans scheint die Kritik berechtigt. "Das ist gefährlich für die Gesundheit der Spieler. Sie brauchen einen Erholungstag. Darüber muss man reden", sagte Gudmundsson.

Hohe Belastung schon lange ein Thema

Die Diskussion um die engen Spielpläne und die extremen Belastungen im Handball ist keine neue. Liga, Pokal, Europacup, dazu jede Saison eine Welt- oder Europameisterschaft und alle vier Jahre Olympische Spiele - es ist ein Mammutprogramm, dass die europäischen Top-Handballer zu bewältigen haben.

"Unsere Physios schieben nach Spielen oft Nachtschichten", sagte Deutschlands Kapitän Uwe Gensheimer kürzlich: "Es gibt viele Spieler, die sich mal ein Schmerzmittel reinhauen. Dass das alles nicht gesund ist, wissen wir."

Mit Blick auf die hohen Belastungen hat Deutschland dank des Hauptrunden-Spielplans nun tatsächlich einen kleinen Vorteil - ob sich dieser im Kampf um die Halbfinalteilnahme letztlich bezahlt macht, wird sich zeigen.

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