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München - Zinédine Zidane will das Aus von Real Madrid im Pokal gegen einen Drittligisten nicht zu hochhängen. Dabei könnte die Niederlage auch sein Aus besiegelt haben.

Auch wenn Zinédine Zidane die Pleite nicht als Schande werten wollte: Das Aus von Real Madrid im spanischen Königspokal gegen den Drittligisten CD Alcoyano dürfte der Anfang vom Ende seiner zweiten Amtszeit als Trainer bei den Königlichen sein.

"Das Ende von Zidane in Madrid", titelt denn auch die spanische Sporttageszeitung Marca nach dem 1:2-Desaster nach Verlängerung, in der Real auch noch in Überzahl agiert hatte.

Das Konkurrenzblatt As ruft seine Leser online zu einer Abstimmung über Zidanes Zukunft auf. Am Donnerstagmorgen hatten sich schon über 15.000 User daran beteiligt. Knapp 60 Prozent votierten gegen einen Verbleib der Legende. Zidane verliert also auch bei den Fans an Zuspruch.

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Aus von Zidane wohl beschlossene Sache

Der Franzose hatte die Madrilenen zwischen 2016 und 2018 als Coach zu drei Champions-League-Titeln in Folge geführt. Seit zwei Jahren ist er wieder Cheftrainer der Weißen.

Doch die Klub-Bosse scheinen ihm eine Wende nicht mehr zuzutrauen. Der einzige Grund, warum er nicht schon während der Saison seinen Stuhl räumen muss, ist offenbar die langfristige strategische Ausrichtung, der nicht nur der Trainer im Wege steht.

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"Die Verantwortlichen wollen nicht sofort drastische Entscheidungen treffen. Sie warten lieber auf das Ende der Saison, um dann ein neues Real Madrid ohne einige der aktuellen Stars aufzubauen", schreibt die für gewöhnlich gut informierte Marca.

Demnach bekommt Zidane zwar noch eine Gnadenfrist. Doch hinter den Kulissen dürfte die Suche nach einem Nachfolger bereits laufen. Mit dem ehemaligen Juventus-Coach Massimiliano Allegri wird schon ein potenzieller Zidane-Erbe gehandelt.

Real droht Saison ohne Titel

In der laufenden Spielzeit haben die Königlichen mit der Supercopa und der Copa del Rey bereits zwei Chancen auf einen Titel verspielt. In La Liga und in der Champions League sind sie zwar noch im Rennen.

Doch die Art und Weise des Tiefschlags in Alcoy hat den Glauben an einen erfolgreichen Frühling noch einmal nachhaltig erschüttert. In der heimischen Liga liegen die Königlichen schon vier Punkte hinter Atlético Madrid zurück, wobei der Stadtrivale bis zum Saisonende auch noch zwei Partien mehr austragen darf. (La Liga: Die Tabelle)

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In der Champions League wartet mit Atalanta Bergamo im Achtelfinale noch nicht der allergrößte Brocken. Doch als Favoriten auf den Henkelpott gelten in dieser Saison andere Teams, wie der FC Bayern oder die Topklubs aus England. (Champions League: Der Spielplan)

Zidane bremst Umbruch aus 

Zidane gilt aber auch deshalb nicht mehr als der richtige Trainer, weil der Klub im kommenden Sommer endlich den schon lange nötigen Umbruch in der Mannschaft vollziehen will. Altgediente Größen, wie Kapitän Sergio Ramos (34), Außenverteidiger Marcelo (32) und Spielgestalter Luka Modric (35) haben ihren Zenit überschritten und sollen durch jüngere Spieler ersetzt werden.

Doch Zidane hielt zuletzt zu lange an ihnen fest, verpasste es, Nachwuchsspielern eine langfristige Perspektive zu geben. Martin Odegaard ist vielleicht das bekannteste, aber längst nicht einzige Beispiel für Zidanes mangelhafte Eingliederung von jungen Spielern in sein Team.

Während es den Norweger aufgrund von fehlenden Perspektiven schon wieder aus Madrid wegzieht, sollen im Sommer Spieler geholt werden, die den Umbruch in der Mannschaft vorantreiben könnten. David Alaba und Kylian Mbappé sind nur zwei der häufig genannten Namen, wenn es um eine Verjüngung des Kaders geht.

Zidane hat sich bei Real mit insgesamt vier Champions-League-Titeln und drei spanischen Meisterschaften als Spieler und Trainer unsterblich gemacht. Doch den Einstieg in eine neue Ära wird er wohl von nur von außen beobachten. 

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