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Martin Odegaard spielt bei Real Madrid kaum eine Rolle mehr, obwohl ihn die Königlichen erst im Sommer zurückholten. Offenbar will er jetzt schon wieder weg.

Als Martin Odegaard im vergangenen Sommer vorzeitig zu Real Madrid zurückkehrte, trauten Verantwortliche und Fans dem einstigen Wunderkind, der bei Real Sociedad seinen Ruf als gescheitertes Mega-Talent abgelegt hatte, den Sprung zu einem Top-Spielmacher zu.

Der Norweger sollte das Offensivspiel Reals auf eine neue Ebene heben. Spanische Medien sahen in ihm den nächsten Mesut Özil. Doch Odegaard enttäuschte. Noch immer wartet der 22-Jährige auf den Durchbruch bei den Königlichen. 

Sein letztes Spiel von Anfang an bestritt Odegaard am 1. Dezember in der Champions League gegen Schachtar Donezk. Durchspielen durfte er in dieser Saison noch kein einziges Mal. In neun Partien stand er nur 367 Minuten auf dem Platz und blieb dabei ohne Torszene. Real und Odegaard - das bleibt ein einziges Missverständnis.

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Negative Odegaard-Entwicklung hat verschiedene Gründe

Doch woran liegt das? An fehlendem Talent sicherlich nicht. Die negative Entwicklung Odegaards hat verschiedene Gründe. Die kurze Saisonvorbereitung machte es dem Mittelfeldspieler schwer, sich in einem Team mit vielen gestandenen Spielern zu integrieren. (Ergebnisse und Spielplan La Liga)

Odegaard sollte Luka Modrić perspektivisch ersetzen, bekam in den ersten beiden Ligaspielen auch das Vertrauen von Zinédine Zidane, doch er konnte auf der Position des Spielmachers hinter den Spitzen nicht überzeugen und musste sich zunächst wieder hinter den Routiniers um Toni Kroos, Modrić und Casemiro anstellen.

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Hinzu kommt, dass Odegaard nie seinen Rhythmus fand. Diverse Blessuren hinderten ihn am Fußballspielen. Zudem funktioniert das Ausnahmetalent am besten in einem 4-2-3-1 als zentraler Offensivmann. Doch Zidane lässt seine Mannschaft so gut wie nie in diesem System auflaufen.

Vielleicht ist Odegaards Problem aber auch ein ganz anderes. Während seiner Zeit bei Real Sociedad drehte sich im Spiel alles um ihn. Er war der Mittelpunkt der Basken, wurde wertgeschätzt, bekam sowohl von den Verantwortlichen als auch von den Mitspielern das Vertrauen.

Bei den Madrilenen ist seine Situation nicht zu vergleichen. Hier ist er lediglich einer von vielen. Die Frage, die sich also stellt, lautet: Kann Odegaard das überhaupt?

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Odegaard will Real wieder verlassen

Möglicherweise bekommen wir diese Frage nie beantwortet, denn Odegaard möchte den Verein nach nur einem halben Jahr erneut verlassen. Das berichtet die Marca. Wie das Blatt schreibt, plant der Norweger sich wieder verleihen zu lassen. Er erhofft sich, woanders mehr Spielpraxis zu bekommen. 

Auch Real Sociedad soll wieder eine Option sein. Ob er bei einem anderen Verein an seine starken Vorstellungen im Baskenland anknüpfen kann, bleibt abzuwarten. Tatsächlich kann es aber nur bergauf gehen, denn in den letzten Tagen nahmen die negativen Schlagzeilen um den Norweger kein Ende.

Der Tiefpunkt war nun Zidanes Nichtnominierung für das Pokal-Spiel beim Drittligisten CD Alcoyano. Bereits in der Vorwoche nach dem Halbfinal-Aus im Supercup gegen Athletic Bilbao erlebte der norwegische Nationalspieler einen bitteren Moment - und das, obwohl er gar keine Sekunde auf dem Feld stand.

Als einziger Feldspieler durfte sich Odegaard während der Partie noch nicht einmal aufwärmen. Real lag ab der 38. Spielminute mit zwei Toren hinten, in den Überlegungen von Trainer Zidane spielte Odegaard dennoch keine Rolle.

Hinzu kam, dass der Mittelfeldspieler nach der Partie als einziger Akteur zurück auf den Platz geschickt wurde, um noch ein wenig zu trainieren.

Kann Zidane nicht mit Talenten?

Odegaard wäre nicht der erste hochgehandelte, junge Spieler, der sich unter Zidane nicht durchsetzen würde. In Zidanes Amtszeiten als Real-Coach (2015 bis 2018 und 2019 bis heute) wurden zahlreiche Talente aus verschiedenen Gründen verschlissen. 

Achraf Hakimi zum Beispiel, der nach seiner zweijährigen Leihe zu Borussia Dortmund an Inter Mailand verkauft wurde. Zidane hatte für den Marokkaner keine Verwendung. In Italien unterstrich er zuletzt aber wieder sein ganzes Können.

Auch Theo Hernández flüchtete aus Madrid, nachdem er 2017 für 25 Millionen Euro von Stadtrivale Atlético Madrid geholt wurde, aber nicht an Marcelo vorbeikam. Heute sorgt er beim AC Mailand für Furore.

Nicht zu vergessen Luka Jović, der für 60 Millionen Euro von Eintracht Frankfurt gekauft wurde, sich aber nie richtig bei Real zurecht fand. Nach eineinhalb Jahren wechselte der Serbe per Leihe zurück nach Frankfurt.

Natürlich ist daran nicht nur Zidane schuld. Doch das es aus dem aktuellen Kader neben dem seit Jahren stagnierenden Asensio aber nur Rodrygo und Federico Valverde von den jüngeren Spielern in die erweiterte Stammelf geschafft haben, wirft zumindest Fragen auf. (Tabelle La Liga)

Bei Zidane scheint Odegaard derweil mittlerweile nur noch Mittelfeldspieler Nummer sechs zu sein. Bei Real Sociedad war noch von einem Magier zu lesen, der das ganze Land verzaubere. 

Doch von solchen Lobeshymnen ist Odegaard aktuell weit entfernt.

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